Pfarrkirche Sankt Sebastian: In Roisdorf ist die „Christbaummafia“ aktiv

Pfarrkirche Sankt Sebastian : In Roisdorf ist die „Christbaummafia“ aktiv

Jahr für Jahr sorgt ein Helferkreis um Johannes Recht (80) für eine geschmückte Tanne in der Pfarrkirche Sankt Sebastian. Recht übernahm diese Aufgabe vor mehr als 40 Jahren von seinem Vater.

Jedes Jahr zu Heiligabend erstrahlt die katholische Pfarrkirche Sankt Sebastian in Roisdorf in festlichem Glanz. Für die Besucher des Weihnachtsgottesdienstes gehören der mit Strohsternen geschmückte Christbaum sowie vier weitere meterhohe, teils mit Lichtern versehene Tannen zum gewohnten Bild.

Doch wie kommen die Bäume eigentlich in die Kirche? Wer bringt sie dorthin, wuchtet sie in die überdimensionalen Weihnachtsbaumständer und klettert in atemberaubender Höhe auf Leitern herum, um an die höchsten Äste zu gelangen? Das erledigt die absolut harmlose „Christbaummafia“.

Johannes Recht war es, der der rund zehn Mitglieder starken Helfertruppe, die jedes Jahr kurz vor dem Fest aktiv wird, den ungewöhnlichen Namen gab. „Als ich noch beim Deutschen Bundestag im Pfortendienst beschäftigt war, schrieb ich dem ehemaligen Roisdorfer Pfarrer Bleikertz eine Weihnachtskarte und setzte als Gruß ‚Die Christbaummafia’ darunter“, erklärt er. „Wie ich darauf gekommen bin, weiß ich selbst nicht mehr.“

Nordmanntannen sind sieben bis acht Meter hoch

Seit mehr als 40 Jahren sorgt Recht, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, mit seiner Gruppe dafür, dass die Christbäume rechtzeitig in der Kirche stehen. Die Aufgabe übernahm er von seinem Vater Heinrich. Sieben bis acht Meter messen die Nordmanntannen, die bisher immer von Gönnern gespendet wurden. In diesem Jahr jedoch musste die „Christbaummafia“ erstmals in ihrer jahrlangen Tätigkeit für die Bäume zahlen.

Allein der Transport mit dem Traktor zur Kirche dauert rund drei Stunden. Der Aufbau und das Schmücken nimmt dann nochmals vier bis fünf Stunden in Anspruch. Sechs kräftige Männer sind nötig, die Tannen in die rechte Position zu hieven. Die einzige Frau in der Runde, Marlies Klein, sorgt für die Dekoration mit den teilweise handgemachten Sternen.

Nachwuchssorgen plagen die fleißigen Helfer nicht. „Neben den alten Hasen kommen auch immer wieder neue Gesichter dazu, die sich engagieren. Das funktioniert im Bekanntenkreis über Mundpropaganda“, meint Recht. In seiner 40-jährigen Laufbahn als Organisator kann er sich nicht an größere Pleiten oder Pannen erinnern. „Eigentlich hat alles immer ziemlich reibungslos funktioniert.“

Seit Jahren ist es zur Tradition geworden, dass sich die „Christbaummafia“ nach getaner Arbeit zu einer Stärkung in Rechts Gartenlaube trifft. „Es ist eine nette Runde, und es gibt immer viel zu erzählen“, so Recht.

Motivation schöpft der Rentner aus dem Lob der Kirchenbesucher, die sich am Christbaum erfreuen. „Das Weihnachtsfest ist doch ein Fest der Freude. Dazu trägt auch ein schön geschmückter Baum bei – und dazu leiste ich gerne meinen Beitrag.“ Solange er noch kann, will Johannes Recht in der „Christbaummafia“ mitmischen. Im Laufe der Jahre hat er sich allerdings mehr auf die Organisation verlegt. „Das Schleppen und Aufstellen überlasse ich lieber den Jüngeren.“

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