Maibaum-Tradition im Vorgebirge: Im Wald ist Frauen-Power angesagt

Maibaum-Tradition im Vorgebirge : Im Wald ist Frauen-Power angesagt

Wenn die Männer in diesem Jahr am 1. Mai aus den Fenstern schauen, werden sie im Vorgarten oder an der Haustür eine liebevolle Überraschung erleben. Denn dann sind sie diejenigen, die mit einem geschmückten Maibaum beschenkt werden.

Ein ungeschriebenes Gesetz im Rheinland besagt nämlich, dass nur im Schaltjahr die Mädchen ihren Freunden als Liebesbeweis eine Birke setzen.

Schon am Freitag war im Rösberger Wald, abgesehen von vereinzelten „Herren der Schöpfung“, überwiegend Frauen-Power angesagt. Bereits nach knapp zweieinhalb Stunden hatte das Team um Jochen Haas und Armin Kuhl, Geschäftsführer und Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft, rund 80 Bäume verkauft. „Allein 50 Birken gingen zu Hellweg nach Bonn. Die verkaufen die Bäume dann weiter“, erklärte Kuhl.

Das Heimerzheimer Geschwisterpaar Fabienne und Noel Huschke wählte die Bäume mit Bedacht für seine Partner. „Ich bin mit meinem Freund seit einem Jahr zusammen und will ihm nicht nur meine Liebe zeigen, sondern ihm damit auch sagen, dass ich mir Mühe gebe“, sagte Fabienne Huschke. Der 22-Jährigen und ihrem 19-jährigen Bruder gefällt die Tradition des Maibaumsetzens. Wie auch der 17-jährigen Theresa van Vlyten aus Bornheim.

Bei ihr läuft nichts ohne den Papa. Uwe van Vlyten hatte sich deshalb den halben Tag frei genommen, um den Baum nach Hause zu transportieren. „Ich habe auch das Holzherz ausgeschnitten. Mir macht das Spaß. Wir haben früher auch Maibäume verschenkt“, sagte der 54-Jährige lächelnd.

Tatkräftig ging es ebenso bei dem Waldorfer Junggesellinnenverein „Ladys“ um Präsidentin Angelique Borsch und die Vorsitzende Carmen Krings zu. Sie suchten sich 15 Birken aus, die sie an diesem Samstagabend mit dem Trecker abholen. Gesteuert wird das Gefährt von Florian aus Limburg, der den „Ladys“ von ihrem Pendant – dem Junggesellenverein „Eintracht Waldorf“ – vermittelt wurde.

„Als Junggesellinnen haben wir es schwerer als die Männer und müssen uns erst einmal durchsetzen. Wir wollen uns mit unserem Bäumen bei ihnen für alles bedanken, was sie für uns getan haben“, sagte Borsch, deren Verein zum ersten Mal als Gruppe die Tradition fortsetzt. Nicht ohne Schwierigkeiten schleppte Herbert Albring (57) mit Sohn Nicolas und dessen Kumpel Marius Hesse (beide 15) die Bäume für die Freundinnen der Jungs zum Auto.

„Ich zeige den beiden, wie das mit den Maibäumen so geht. Deshalb fahre ich sie auch am Samstagabend zum Aufstellen“, sagte der Lessenicher. „Freitag kommen eher die Frauen. Die meisten Männer und Jungen kaufen traditionsgemäß samstags und machen anschließend ihre Tour“, ist die Erfahrung von Armin Kuhl.

Die meisten Käuferinnen erschienen in Turnschuhen und Jeans. „Aber es war gestern auch eine junge Dame in schwarzer Strumpfhose und Lederrock dabei“, so Kuhl. Und was viele nicht wissen: Das Fällen der Birken hat einen forstwirtschaftlichen Sinn. „Die Birken wachsen schneller als die Eichen, Buchen und Kirschen. Sie müssen raus, damit diese mehr Licht erhalten.“