Müllabfuhr entsorgt Zustellung: Hermes-Bote legt Paket in Papiertonne ab

Müllabfuhr entsorgt Zustellung : Hermes-Bote legt Paket in Papiertonne ab

Ein Hermes-Bote legt eine Sendung für die Widdiger Familie Bartsch in der Abfalltonne ab, die kurz darauf geleert wird. Wiedersehen werden sie das Paket wohl nicht: Die RSAG sieht keine Möglichkeit zur Hilfe.

Dass Pakete von den Boten mitunter in Einfahrten, unter Bäumen oder in Mülltonnen „abgeliefert“ werden, ist längst keine Seltenheit mehr. Auch Familie Bartsch aus Widdig fand jetzt eine Benachrichtigungskarte über eine derartige „Zustellung“ einer Sendung im Briefkasten – ein Paket war allerdings nicht vorhanden. Grund dafür ist extrem schlechtes Timing.

Wie die Familie auf der Karte des Paketdienstes Hermes lesen konnte, hatte der Bote die Lieferung in die Papiertonne am Haus gelegt. Allerdings hatte die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) zwischenzeitig die Papiertonne dem Abfuhrkalender gemäß geleert – mit dem Paket darin.

„Warum stellt man bitte ein Paket in einer Papiertonne zu?“, fragt sich Simon Bartsch. Bei Hermes hat man eine Antwort darauf. Zusteller dürften Sendungen grundsätzlich nur an Orten hinterlegen, die vom Empfänger vorab schriftlich als sicherer Ablageort definiert worden seien, sagt eine Sprecherin auf GA-Anfrage. Das könne etwa eine Terrasse, ein Carport oder ein nicht abgeschlossenes Gartenhaus sein. „Wichtig ist, dass der Ort wettergeschützt und bestenfalls von außen nicht einsehbar ist, um Diebstahl vorzubeugen“, erklärt die Sprecherin. Liege jedoch keine Ablagegenehmigung vor, dürfe der Zusteller die Sendung nicht einfach so ablegen. Hermes werde den Fall aus Widdig klären und den Boten noch „einmal gründlich zum Thema sichere Ablageorte nachschulen“.

Kein besonderer Zustellort vereinbart

RSAG-Sprecher Joachim Schölzel kann der Familie Bartsch keine Hoffnung machen, dass das Paket wieder auftaucht. Wie er auf Anfrage erläutert, werde der Papiermüll auch aus Bornheim in eine Papiersortieranlage gebracht, die die RSAG neben der Müllverbrennungsanlage in Bonn betreibe. „In einem Fahrzeug sind zehn bis zwölf Tonnen Papier“, erläutert er.

Da die Fahrzeuge mit Pressen ausgestattet seien, sei es wahrscheinlich, dass der Inhalt des Pakets aus Widdig bereits im Müllauto zerstört worden sei. In der Sortieranlage wird das Altpapier laut Schölzel dann auf Förderbänder verladen. Fremdstoffe würden auf zwei Arten aussortiert: zum einen mittels Magneten, zum anderen mit Infrarotkameras und gezielten Luftströmen. „Wir sortieren das Papier aber auch nur nach verschiedenen Papierarten vor“, ergänzt Schölzel. Sodann werde es zu Papierfabriken transportiert. Laut RSAG kommen in der Anlage in Bonn jährlich rund 75.000 Tonnen Altpapier zusammen – sowohl aus dem Rhein-Sieg-Kreis als auch aus Bonn.

Wie Bartsch sagt, habe man mit Hermes keinen besonderen Zustellort vereinbart. In dem Paket sei zwar nichts besonders Wertvolles gewesen, darauf komme es aber nicht an. Man wolle die Angelegenheit geklärt haben. Und dann könne man nur hoffen, dass eine solche „Zustellung“ nicht noch einmal vorkommt.

Von der Gewerkschaft Verdi wird auch Hermes immer wieder ob der schlechten Arbeitsbedingungen und des hohen Drucks für die Fahrer kritisiert.

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