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Parkinson-Krankheit: Henk Blanken berichtet über seinen Umgang mit der Krankheit

Parkinson-Krankheit : Henk Blanken berichtet über seinen Umgang mit der Krankheit

Der erfolgreiche niederländische Journalist erläuterte in Bornheim, wie sein Leben mit Parkinson aussieht und warum er der glücklichste Mensch Hollands ist.

„Da stirbst du nicht dran. Was Parkinson mir gibt“: Anlässlich des Welt-Parkinson-Tags am 11. April las der niederländische Journalist Henk Blanken am Dienstagabend in der Volkshochschule (VHS) Bornheim aus seinem Buch mit diesem Titel. Die VHS bot den Abend in Zusammenarbeit mit dem Inklusionsbüro innerhalb des Themenbereichs Inklusion an. In diesem will sie ihre Besucher mit unterschiedlichen Krankheitsbildern und Behinderungen vertraut machen.

Blanken ist erfolgreicher Chefredakteur einer Zeitung. Er arbeitet 80 Stunden pro Woche, steht immer unter Strom. Irgendwann fangen die Dinge an, nicht mehr rund zu laufen. Er stolpert immer häufiger – über einen Bordstein, schiefstehende Steinplatten, aber auch über die Buchstaben auf der Tastatur seines Laptops.

„Meine linke Hand ist widerspenstig, sie zittert manchmal“, schreibt er. Er schiebt die Schwierigkeiten weg, bis sie bei einem Spaziergang mit seiner Tochter Nina offenkundig werden. Sie fordert ihn auf, beim Gehen mit den Armen mit zu schwingen und die Füße höher zu heben. Im Alter von 51 Jahren erhält er schließlich die Diagnose Parkinson.

Der Schriftsteller berichtet in seiner Lesung über Entwürdigungen durch die Krankheit: Wie er sich zum ersten Mal eingenässt hat, weil er seinen Reißverschluss nicht schnell genug öffnen konnte. Dass er, wenn möglich, auf Messer und Gabel verzichtet, und die Pasta mit dem Löffel zerkleinert und isst. Wie seine Hand „schlackert“ und er sie in seiner Hosentasche verbergen will. Seine Frau fordert ihn dann auf, die Hand aus der Tasche zu nehmen: „Das wirkt obszön. Das willst du doch nicht.“ Und wie er manchmal nicht mehr weiß, wo der Lichtschalter im Flur ist.

Das Brüchige akzeptieren

„Alles wird brüchig“, konstatiert der Journalist, der dennoch seinen Weg gefunden hat, positiv mit Parkinson umzugehen. Das Brüchige fasziniert ihn: „Diese Grenze, dieser Übergang, das ist schön.“ Auch wenn Parkinson eine „ganz schreckliche Krankheit“ sei, sagt Blanken: Er sei heute der glücklichste Mann der Niederlande. Er sieht sich jetzt nicht mehr als Journalist, sondern als Schriftsteller, und sein Buch soll wie ein Roman sein, auch wenn es von ihm selbst handelt.

Und auch sozial hat sich viel verändert: „Ich habe jetzt mehr gute Freunde als ich hatte, als ich arbeitete“, sagt er. Obwohl: „Ich habe jetzt nur noch Freundinnen statt Freunde“, korrigiert er sich. Früher sei er der typische Chefredakteur gewesen: „Ich war nicht ein ganz netter Mann, sagt meine Frau.“ Die Erkrankung zwang ihn zur Langsamkeit. Nun kann er stundenlang im Garten sitzen und den Wolken am Himmel zuschauen.

Sichtlich bewegte Zuhörer seiner Lesung

Am Schluss liest der Niederländer noch aus einem ganz persönlichen Essay zum Thema Sterbehilfe. Alle Beschwerden erträgt er, sagt er seiner Frau, gewöhnt sich an abendliche Schmerzen und daran, dass ihn jemand anders wäscht. Wenn er noch lesen könne, sei er sogar bereit, eine Windel zu tragen. Problematisch wäre es aber, wenn er die Namen seiner Kinder vergesse oder seine Frau nicht mehr erkenne. „Wenn ich weggleite, selbst zu entschwinden drohe, wenn mir der Plot entgleitet, dann darf das Buch auch geschlossen werden“, meint der Autor.

Die rund 30 Zuhörer waren sichtlich bewegt von der Lesung. Eine der Zuschauerinnen äußerte in einer Wortmeldung „sehr großen Respekt“ vor dem Autor. Der Abend habe ihr sehr viel gebracht.