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U 3-Betreuung in Bornheim: Große Änderung für die Kleinen

U 3-Betreuung in Bornheim : Große Änderung für die Kleinen

Der Stichtag ist vorbei, der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr in Stein gemeißelt. Was aber bedeutet das für die Kitas? Der General-Anzeiger hat sich aus diesem Anlass in der katholischen Kindertagesstätte Sankt Servatius in Bornheim umgesehen.

Mädchen und Jungen flitzen durch die Flure oder tollen ein paar Meter weiter in einem großen Pool aus Bällen. Für die Kinder der Kita Sankt Servatius steht seit einer Woche wieder gemeinsames Spielen und Lernen auf dem Programm. Mit einer Neuerung: 16 der 58 Kinder sind ab diesem Sommer jünger als drei Jahre.

Eine Umstellung, die für die Erzieher unter der Leitung von Stefanie Kolb viel Arbeit bedeutet hat. Obwohl die Kita bereits im vergangenen Jahr Zweijährige betreut hatte - dank einer Sondergenehmigung. "Die Umstellung hatte mehrere Jahre Vorlauf, wir haben schon lange damit geliebäugelt", sagt Kolb. "Das geht ja nicht von heute auf morgen." Bisher laufe es gut an, sagt sie. "Wir sind ein gutes Team, das ist wichtig." Einziges Manko: Der Anbau ist noch nicht fertig.

Dafür sei die Vorlaufzeit zu gering gewesen. Erst im Dezember bekam die Kita die Zusage, dass sie ab dem Sommer U 3-Plätze anbieten darf. Ab da hieß es: planen, auf Genehmigungen warten, Personal suchen und die Erzieher zu speziellen Fortbildungen schicken, weil die Arbeit mit den Kleinsten früher noch nicht Teil der Ausbildung war - und das alles neben dem Alltagsgeschäft. Kolb: "Es fängt bei den Möbeln an, geht mit dem Spielzeug weiter. Die Ansprüche sind ja ganz anders." Die Schwierigkeit dabei: Überhaupt einen Möbelvertreter zu bekommen, der Zeit hat, ein Angebot zu machen. "Wir sind ja nicht die einzigen, die auf U 3 umstellen", verdeutlicht Kolb.

Vergangene Woche sind die Bauarbeiten nun gestartet; in den kommenden vier Monaten entstehen zwei weitere Räume an der Kita, um die Auflagen für die U 3-Betreuung zu erfüllen. Denn die Kleinsten brauchen wesentlich mehr Platz als die älteren Kindergartenkinder. Zusätzliche Räume und natürlich auch ein höherer Betreuungsschlüssel - das sind die größten Veränderungen.

"Die Kleinen sind alles Windelkinder, die auch einen ganz anderen Tagesrhythmus haben als die Großen", sagt Kolb. Kümmern sich bei den Drei- bis Sechsjährigen eine Erzieherin und eine Kinderpflegerin um die Mädchen und Jungen, sind es bei den U 3-Kindern zwei oder sogar drei Erzieher. Deshalb startet ab Oktober dieses Jahres auch eine weitere Erzieherin in der Bornheimer Kita. "Direkt in unbefristeter Festanstellung, als Bonbönchen", sagt Kolb. Denn: An Fachkräften mangelt es derzeit.

Kinderpflegerinnen dürfen die Kleinsten nicht betreuen, sie brauchen dafür eine Zusatzausbildung. Die dauert laut Kolb berufsbegleitend drei Jahre. "Als bei uns vor ein paar Jahren eine Kinderpflegerin gegangen ist, haben wir deshalb extra darauf geachtet, eine Erzieherin einzustellen", erklärt Kolb. Ohne vorausschauende Planung läuft demnach nichts. Auch bei der Gruppenbelegung, bei der die Altersmischung laut Kolb stimmen muss. Das Problem: Nimmt die Kita in einem Jahr zu viele Zweijährige auf, kann sie im kommenden Jahr kaum noch Kindern über drei Jahren einen Platz bieten.

Deshalb habe die Kita Sankt Servatius auch alle angemeldeten Einjährigen aufgenommen. Kolb: "Wir müssen aufpassen, dass die Eltern nicht gezwungen werden, ihre Kinder schon mit zwei Jahren in die Kita zu geben, damit sie überhaupt einen Platz bekommen." Eine Situation, die es bislang in den Kindergärten kaum gab. Dennoch ist Stefanie Kolb zuversichtlich: "Bisher haben alle gut mitgezogen."