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Staatsschutz ermittelt: Fremdenfeindlichkeit bei Firma Collo in Hersel

Staatsschutz ermittelt : Fremdenfeindlichkeit bei Firma Collo in Hersel

Lutz Irgel, Inhaber der Firma Collo, ist fassungslos. Bislang unbekannte Täter haben am letzten Juliwochenende die Worte "Du Jude" auf eine Wand des der Firma Collo in Hersel gesprüht. Nun ermittelt der Staatsschutz wegen eines möglichen rechtsextremen Hintergrundes.

Wie Polizeisprecher Robert Scholten auf Nachfrage bestätigte, ermittelt der Staatsschutz wegen eines möglichen rechtsextremen Hintergrunds.

Bereits Ende Juni hatten Unbekannte mehrere Wände der Firma, die Haushaltsreinigungs- und Pflegeprodukte herstellt, beschmiert. Konnte Irgel damals keinen Sinn darin erkennen, ist für ihn der Fall diesmal klar.

Inhaber vermutet Zusammenhang zu Engagement für Flüchtlinge

"Die Sache hat eine politische Dimension angenommen", meint der 80-Jährige. Er ist sich sicher, dass die Tat mit seinem Engagement für Flüchtlinge im Zusammenhang steht. Daran bestehe kein Zweifel, so Irgel weiter.

Wie berichtet, hat Irgel einen Teil seines Firmengeländes der Stadt Bornheim für eine Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung gestellt. Anfang Juli waren die ersten Menschen in den Wohncontainer gezogen, der Platz für 20 Personen bietet. Irgel selbst hatte seine neuen Nachbarn erst kürzlich besucht. Für die Kinder hatte er unter anderem Plüschtiere als Geschenke dabei. Einen Ball zum Spielen wollte er am Montag noch überreichen.

"Das Verhältnis zwischen den Flüchtlingen und meinen Mitarbeitern ist sehr gut", so Irgel weiter. Die Menschen wüssten, dass er und seine Angestellten bei Fragen als Ansprechpartner zur Verfügung stünden.

Und nun diese Tat. Er sei erschrocken, dass so etwas im Rheinland möglich sei, sagt Irgel. Für die Bonner Polizei ist der Bezug der Tat zu Irgels Engagement für Flüchtlinge indes nicht so ohne Weiteres zu ziehen.

Im Hinblick auf die Wörter "Du Jude" sei kein sachlicher Zusammenhang zum Inhaber oder zu Mitarbeitern der Firma herzustellen, ebenso wenig wie zu der in der Nachbarschaft befindlichen Unterkunft.

Grund genug für den Staatsschutz

"Wir wollen das nicht verniedlichen", stellt Scholten klar, "aber für uns ist es immer wichtig, einen möglichen Anknüpfungspunkt zu finden." Das Gesamtbild der Sachbeschädigung sei in jedem Falle Grund genug für den Staatsschutz, zu ermitteln. Vergleichbare Fälle seien der Polizei im Stadtgebiet Bornheim nicht bekannt.

Die Stadt nehme den Vorfall bei Collo sehr ernst, sagt Pressesprecher Rainer Schumann. Eine Videoüberwachung, wie von Irgel gewünscht, sei aber aus rechtlichen Gründen kaum möglich, ergänzt Bürgermeister Wolfgang Henseler. Allerdings schaue ein privater Wachdienst, der auch für das Flüchtlingsheim in Merten zuständig ist, regelmäßig vorbei.

Hinweise an die Polizei und den Staatsschutz unter Tel. 02 28/15 0.