Das weiße Gold von Bornheim: Freiluftspargelsaison in Bornheim beginnt Mitte April

Das weiße Gold von Bornheim : Freiluftspargelsaison in Bornheim beginnt Mitte April

Die Spargelernte steht in den Startlöchern, aber die Bornheimer Bauern bemerken die Auswirkungen des heißen Sommers 2018. Schon jetzt werden dünne Stangen geerntet.

Die ersten Bund Spargel liegen bereits in den Supermarktregalen, auch die ersten Verkaufsstände haben ihre rot-weißen Schirme und Markisen entlang der Straßen im Vorgebirge aufgespannt. Damit das beliebte Saisongemüse geerntet werden kann, ist vor allem eins entscheidend: die richtige Temperatur. Denn bei weniger als zehn Grad Celsius im Boden wächst der Spargel kaum bis gar nicht. Um die ersten Stangen trotzdem schon Anfang April ernten zu können, wird dieser daher zunächst in Folientunneln gezogen. Sturmtief Eberhard hatte einige der Tunnel zerstört und so bei manchen Betrieben den Start in die Saison verzögert, wenn auch der milde Februar schon ideale Bedingungen für die Spargelernte beschert hatte.

„Die Hälfte der Betriebe ist bereits am Stechen“, sagt Leonhard Palm, Uedorfer Landwirt und Vorsitzender des Vereins der Bornheimer Spargelbauer. Er schätzt, dass die klassische Freilufternte in diesem Jahr zwischen dem 15. und 20. April beginnen kann. „Man kann jetzt schon sagen, dass die Spargelernte aufgrund des heißen Sommers geringer ausfallen wird“, sagt Palm. Er und seine Kollegen ernten bereits immer wieder dünne Stangen – normalerweise kommt das erst später in der Erntezeit vor. Für Palm eine Folge des zu heißen und trockenen Sommers des Vorjahres. Um den Freiluftspargel stechen zu können, muss es noch deutlich wärmer werden: Erst bei Temperaturen von rund 20 Grad ist der Boden auch ohne Folientunnel warm genug, damit das Gemüse wachsen kann.

Die Böden im Vorgebirge bieten den Bauern ideale Bedingungen – sandige Oberschichten sowie ein lehmhaltiger, schwerer Unterboden. Der gebe dem Gemüse seinen erdigen Geschmack, weiß der Experte. Auch wenn an mehreren Stellen im Vorgebirge angebaut wird, konzentriert sich das Hauptanbaugebiet auf das Areal rund um das Bornheimer Wäldchen. Vornehmlich wird dort der weiße Spargel kultiviert, die grüne Variante ist für die Bauern schlichtweg nicht so ertragreich. Grüner Spargel macht im Betrieb von Palm beispielsweise weniger als ein Fünftel aus, ebenso in anderen Betrieben.

Grüne Spargel braucht hohe Temperaturen

Trotzdem wird grüner Spargel immer gefragter. Im Gegensatz zur weißen Sorte, benötigt der grüne Spargel allerdings extrem hohe Temperaturen, etwa um die 30 Grad. Was ihn laut Palm teuer im späteren Verkauf mache. Ein Grund warum in den Supermarktregalen vor allem Sorten aus dem südlichen Raum landen würden. Beim weißen Spargel sind für die Bauern im Vorgebirge vor allem das Münsterland und Niedersachsen Konkurrenten.

Ein Grund, warum es mittlerweile nur noch ein Dutzend Spargelbauern in Bornheim gibt. 1930 waren es noch mehr als 30. Viele von ihnen kultivierten Spargel allerdings nur als Nebenverdienst und besaßen lediglich einen halben Hektar Anbaufläche. Insgesamt wurde damals auf einer Fläche von 60 Morgen, was 15 Hektar entspricht, das Edelgemüse angebaut. Heute hat sich das Verhältnis verschoben: „Von weniger Betrieben wird nun mehr angebaut“, fasst Palm zusammen. Heute nimmt der Spargelanbau eine Fläche von 60 bis 70 Hektar des Bornheimer Gebiets in Anspruch.

„Spargel war früher begehrter und rar“, sagt Palm. Edelgemüse eben. Er erinnert sich beispielsweise, dass seine Eltern in den 1980er Jahren ein Pfund Spargel für sechs Mark verkauft haben. Aus dem damaligen Kilopreis von 12 Mark ist mittlerweile der Europreis geworden: In der Hauptsaison zahlt man für ein Kilogramm zwischen zehn und elf Euro. Auch die Produktionsbedingungen haben sich über die Jahre verändert. Bis zu den 1990er Jahren gab es laut Palm keine Saisonarbeiter im Vorgebirge. Auf den überschaubaren Feldern halfen ausschließlich Familienmitglieder.

Arbeit beginnt mit dem Sonnenaufgang

Heute beginnt die Arbeit auf dem Feld, sobald es hell wird – zwischen 6 und 7 Uhr. Nach ein oder zwei Stunden kehren die Erntehelfer vom Feld zurück. Dann wird der Spargel gewaschen und abgepackt. „Und noch am selben Tag verkauft“, sagt Palm. Die Betriebe verkaufen die weißen Stangen auf Wochenmärkten und an ihren eigenen Ständen, aber auch direkt an Gastronomen.

Palm bevorzugt Spargel am liebsten in der klassischen Variante – mit Kartoffeln, gekochtem Schinken und Remoulade. Zudem hat die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen eine Broschüre rund um den Spargel herausgegeben und gibt darin Tipps zur richtigen Lagerung, zu verschiedenen Sorten und zum Anbau für Hobbygärtner. Abrufbar ist das Informationsheft im Internet auf www.landservice.de.

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