Regionalbahn in Roisdorf: Flixtrainzüge könnten linksrheinisch für Ausfälle sorgen

Regionalbahn in Roisdorf : Flixtrainzüge könnten linksrheinisch für Ausfälle sorgen

Die Regionalbahn 26 muss ab Dezember voraussichtlich dreimal täglich einem neuen Fernzug weichen. Das Unternehmen Flixtrain plant eine Verbindung zwischen Frankfurt und Köln.

Reisende am Bahnhof Roisdorf könnten künftig in die Röhre schauen. Oder besser gesagt: auf vorbeirauschende Nahverkehrszüge. So berichten Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler (SPD) und der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß (CDU) in einer gemeinsamen Erklärung von drohenden Angebotseinschränkungen bei der Regionalbahn (RB) 26 ab dem kommenden Dezember. Henseler und Krauß beziehen sich auf eine Mitteilung des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR) zu dessen Hauptausschusssitzung an diesem Freitag in Köln. Drei Stopps der RB 26 des Unternehmens Transregio in Richtung Köln könnten demnach wegfallen. Anlass dafür ist ein Konflikt zwischen Fern- und Nahverkehr.

Das Problem: Der NVR ist unter anderem für die Planung und Organisation des Schienenpersonennahverkehrs in der Region zuständig. Wie aus der Mitteilung des NVR hervorgeht, plant wiederum das Fernverkehrsunternehmen Flixtrain, ab dem Fahrplanwechsel im Dezember linksrheinische Verbindungen zwischen Frankfurt und Köln anzubieten.

Auf Anfrage des General-Anzeigers erklärt Flixbus- und Flixtrain-Sprecher David Krebs, dass verschiedene Trassenverfahren liefen, unter anderem auch für die Strecke zwischen Köln und Frankfurt. Allerdings warte man noch auf eine Entscheidung der für das Schienennetz zuständige Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz. Krebs: „Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, gibt es noch keine endgültigen Entscheidungen über neue Verbindungen.“

Laut NVR würde es durch das neue Flixtrain-Angebot dreimal am Tag zu einem sogenannten Trassenkonflikt kommen, sprich: RB 26 und Flixtrain würden den gleichen Zeitkorridor auf der Strecke beanspruchen. Dem NVR zufolge wäre das um 10.30 Uhr, um 14.30 Uhr sowie um 18.30 Uhr ab Bonn Hauptbahnhof in Richtung Köln der Fall.

Das Problem ist nicht neu

Das Problem ist indes nicht neu. Bereits in den Jahren 2015/16 waren Stopps der RB 26 in Roisdorf weggefallen. Damals waren Zugverbindungen zwischen Köln und Frankfurt des heute nicht mehr existierenden Hamburg-Köln-Expresses (HKX) der Grund. Seit März 2018 fahren die ehemaligen HKX-Züge übrigens unter der Marke Flixtrain, um die es jetzt geht. Damals hatte es massive Kritik aus der Bornheimer und Alfterer Politik sowie vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) an den Haltausfällen gegeben.

Die Lösung: Weiter berichtet der NVR in der Ausschussunterlage von einer Telefonkonferenz der DB Netz mit allen Betroffenen und der Bundesnetzagentur. Nach Vorstellungen von DB Netz soll die RB 26 zu den drei genannten Zeiten am Bahnhof Bonn-Bad Godesberg von Flixtrain überholt werden. Das entspricht dem Vorgehen wie einst beim HKX. „Damit der Überholungszeitverlust bis zum Knoten Köln wieder aufgeholt werden kann, müssten bei den drei Fahrten die RB 26-Halte in Roisdorf und Hürth-Kalscheuren entfallen“, steht in der Sitzungsunterlage. Dazu muss man wissen, dass Fernzüge gegenüber Nahverkehrszügen vorrangberechtigt sind, weil die DB Netz mit ihnen höhere Trassenentgelte erzielt.

Die Kritik: Krauß und Henseler erinnern daran, dass der NVR kürzlich dem Unternehmen National Express untersagt hatte, aus Betriebsgründen einige Halte der RB 48 in Roisdorf ausfallen zu lassen. Da es sich dabei um ein Nahverkehrsangebot handelt – und es keinen Trassenkonflikt gab –, konnte der NVR so agieren.

Bereits jetzt hohes Fahrgastaufkommen

Weiter führen die beiden Politiker an, dass die linksrheinischen Nahverkehrszüge schon jetzt von vielen Menschen genutzt würden und die Nachfrage ständig steige. „Daher treten wir entschieden für einen Ausbau der Infrastruktur und für zusätzliche Züge ein. Umso widersinniger ist es, wenn wir nun zum wiederholten Male darum kämpfen müssen, dass wenigstens das aktuell schon unzureichende Angebot erhalten bleibt“, so Henseler und Krauß.

Weiter kritisieren sie, dass ein bestehendes Angebot im Regionalverkehr einem neu eingerichteten Fernverkehrsangebot gegenüber benachteiligt werde. Und: „Im vorliegenden Fall muss neben den Fahrgastzahlen vor allem die Tatsache Berücksichtigung finden, dass die bestehende Eisenbahninfrastruktur überhaupt keine zusätzlichen Züge mehr zulässt.“

Wie es weiter geht: Der NVR-Hauptausschuss kann die Mitteilung zum Trassenkonflikt nur zur Kenntnis nehmen. Ein Entscheidungsrecht haben die Ausschussmitglieder nicht. Krauß, Mitglied im Verkehrsausschuss des Landtags, will das Thema in der Landtagssprechstunde mit dem DB-Konzernbevollmächtigten für NRW zur Sprache bringen.