Anno Burghof im Interview: "Es ist ein richtiger Abschied, der auch weh tut"

Anno Burghof im Interview : "Es ist ein richtiger Abschied, der auch weh tut"

35 Jahre sind eine lange Zeit. Im Fall von Anno Burghof (70) exakt ein halbes Leben. Der Kreisdechant und Leitende Pfarrer im Seelsorgebereich Bornheim hat diese Zeit im Herseler Pfarrhaus verbracht. Nun zieht er ins Collegium Albertinum nach Bonn, wo Kardinal Meisner eine neue Aufgabe für ihn vorgesehen hat: Er soll Priesteramtskandidaten auf ihrem Weg zur Weihe begleiten. Am Sonntag um 11 Uhr zelebriert Burghof seine letzte Messe in der Herseler Kirche. Anschließend werden sich viele Menschen aus den Bornheimer Pfarrgemeinden im Pfarrheim von ihm verabschieden.

Was erwartet Sie am Sonntag?
Burghof: Zunächst möchte ich mit den Gläubigen eine wunderschöne Messe feiern. Das ist mir das Wichtigste an diesem Tag. Was mich danach erwartet, weiß ich gar nicht. Ich stecke ja mitten in den Umzugsvorbereitungen.

Bekommen Sie denn Ihren gesamten Hausrat in der kleineren Wohnung im Albertinum untergebracht?
Burghof: Meine privaten Möbel schon. Aber ich werde mich wohl von einem Teil meiner Bücher trennen müssen.

Gehen Sie mit Wehmut?
Burghof: Ich hänge sehr an meinem Seelsorgebereich. Es ist ein richtiger Abschied, der auch weh tut. Aber ich versuche dennoch, die Sache nüchtern zu sehen.

Welche Erinnerungen nehmen Sie mit nach Bonn?
Burghof: Die viele Begegnungen mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen. Die Erinnerungen an viele Feste wie die Jubiläumsfeiern in Brenig, Hersel und Roisdorf.

Welche Menschen bleiben Ihnen in Erinnerung?
Burghof: Da möchte ich keine einzelnen Personen nennen. Ich denke aber an die vielen Angestellten in den Pfarreien und an die vielen Menschen, die ehrenamtlich in den Gemeinden arbeiten.

Was hat Sie in den 35 Jahren am meisten bewegt?
Burghof: Es freut mich sehr, dass viele Leute, die ich schon kannte, als sie Kinder waren, sich jetzt beruflich oder ehrenamtlich in der Kirche engagieren. Sehr bewegt hat mich die Betreuung der Kranken, denen ich die Heilige Kommunion gebracht und mit denen ich kurz geplaudert habe.

Auf welche Projekte sind Sie stolz?
Burghof: Darauf, dass es uns gelungen ist, die Kindergärten in Bornheim, Roisdorf und Hersel für die U 3-Betreuung auszubauen. Sonst wären sie nicht zukunftsfähig gewesen.

Was bedeutet Hersel für Sie?
Burghof: Die Menschen sind sehr offen. Hier bin ich zu Hause, hier gehe ich am Rhein spazieren, hier kaufe ich ein, hier habe ich gerne gelebt. Was kann es Schöneres geben als in einem Park zwischen Kirche und Rhein zu wohnen?

Wann haben Sie sich entschlossen Priester zu werden?
Burghof: Meine Eltern waren religiös. Dann hat es mich beeindruckt, wie der Pfarrer mein vierjähriges sterbenskrankes Schwesterchen auf den Tod vorbereitet hat. Ich war in der Sexta. Der Entschluss fiel vor dem Abitur.

Haben Sie den Schritt je bereut?
Burghof: Nein. Während des Studiums kamen schon mal Zweifel auf, ich habe mich gefragt: Was ist, wenn der Herr dich nicht will?

Ist das Priesteramt heute schwerer auszuüben als vor 40 Jahren?
Burghof: Anders. Die Zuständigkeitsbereiche sind gewachsen. Es ist mehr Zeit für Organisation erforderlich. Da muss die Seelsorge häufiger delegiert werden.

Haben Sie das Amt zuweilen auch als Bürde empfunden?
Burghof:
Nein. Ich bin den Menschen offen begegnet und habe gerne an Festen teilgenommen.

Wie sieht die Kirche der Zukunft aus?
Burghof: Papst Franziskus hat durch seine Namenswahl gezeigt, dass er an die Armen auf dieser Welt denkt. An den binnenkirchlichen Regelungen, was beispielsweise wiederverheiratete Geschiedene angeht, wird sich wohl nicht viel ändern. Da nimmt der Papst eine bewahrende Haltung ein. Ich würde mir wünschen, dass auch den Wiederverheirateten Wege in der Kirche offen stehen. Erfreulich ist, dass die Kurie reformiert und die Ortskirchen mehr Bedeutung erhalten sollen.

Was erwartet Sie im Albertinum?
Burghof: Ich hoffe, dass ich den Studenten auf dem Weg ins Priesteramt helfen kann.

Werden Sie eines Tages auch junge Frauen auf diesem Weg betreuen?
Burghof: Das werde ich wohl nicht mehr erleben.

Was machen Sie nach der Verabschiedung?
Burghof: Zwei Wochen Wanderurlaub im Schwarzwald.

Zur Person

Anno Burghof wurde 1943 in Wipperfürth geboren. 1962 Abitur in Euskirchen. Studium in Bonn und Würzburg. 1968 Priesterweihe. 1977 Pfarrer in Hersel, 1984 auch in Widdig. 1991 Dechant im Dekanat Bornheim. Bis Ende Juli Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Bornheim. Seit 2008 Kreisdechant für alle Pfarreien im Rhein-Sieg-Kreis. 2005 "Kaplan Seiner Heiligkeit" (Monsignore). Ab 6. August Spiritual im Albertinum Bonn.

Mehr von GA BONN