Brandschutz in Roisdorf: Erste Feuerwehrfrau ist hellwach, wenn der Pieper geht

Brandschutz in Roisdorf : Erste Feuerwehrfrau ist hellwach, wenn der Pieper geht

Jennifer Ackermann ist Roisdorfs erste Feuerwehrfrau und eifert ihrem Vater nach. "Wenn Papas Piepser ging, war sofort die ganze Familie auf den Beinen. Zum Leidwesen meiner Mutter war das oft mitten in der Nacht!" Jennifer Ackermann erinnert sich noch gut an die Aufregung und das Kribbeln im Bauch, das sie nicht mehr einschlafen ließ, bis ihr Vater vom Feuerwehreinsatz zurückkehrte.

"Dann musste Papa erst mal berichten, egal wie spät es war." Heute schlüpft die 19-Jährige selbst in die Uniform, wenn ein Notruf eingeht: Anfang Juli wurde sie beim "Tag der offenen Tür" der Löschgruppe Roisdorf von Stadtbrandinspektor Hans-Georg Gennrich offiziell zur Feuerwehrfrau befördert. Damit ist sie die erste Frau, die in der Löschgruppe beide Teile der "Truppmannsausbildung" absolviert und erfolgreich abgeschlossen hat.

Schon früh war Jennifer Ackermann klar, dass sie zur Feuerwehr wollte. Darüber, dass dieser Job für Frauen eher unüblich ist, dachte sie gar nicht nach. Bereits als kleines Mädchen fuhr sie mit ihrem zwei Jahren älteren Bruder Kevin die ersten Löscheinsätze mit dem Playmobil-Feuerwehrauto auf dem Wohnzimmerteppich.

"Ein gewisses Interesse an Technik sollte schon vorhanden sein, wenn man zur Feuerwehr will", empfiehlt Ackermann, die an der Alanus Hochschule Alfter Architektur studiert. "Außerdem sollte man körperlich fit sein und gut anpacken können." Während im ersten Teil der Ausbildung, der immerhin sechs Wochenenden umfasst, Theoretisches wie Fahrzeugkunde, Brandlehre und Erste Hilfe auf dem Programm stehen, geht es im zweiten Teil um praktische Dinge: Welche Hilfsmittel benötigt man, um eine eingeklemmte Person aus einem Fahrzeug zu retten - und wie wende ich diese an?

Der Umgang mit Schere und Spreizer wurde an schrottreifen Autos geübt. "Diese Arbeit würde der Einsatzleiter am Unfallort aber wahrscheinlich eher einem Kollegen übertragen, der kräftiger ist als ich", räumt Ackermann ein. Die zierliche Feuerwehrfrau bringt gerade einmal 50 Kilogramm auf die Waage. Das ist nicht wesentlich mehr als das Gewicht einer Schere oder eines Spreizers, der bis zu 30 Kilo wiegen kann. "Es gibt Arbeitsbereiche, in denen ich besser helfen kann", scherzt die quirlige Roisdorferin.

Mit 16 Jahren trat Jennifer Ackermann in die Jugendfeuerwehr ein. Warum so spät? "Das lag einfach daran, dass die Löschgruppe Roisdorf bis dahin keine Jugendabteilung hatte." Sobald dieses "Hindernis" aus dem Weg geräumt war, war die aktive Schülerin mit von der Partie. Bald darauf meldete sie sich für die Truppmannausbildung an. "Es gehen schon viele Wochenenden dabei drauf.

Aber es lohnt sich: Man lernt einfach unglaublich viel. Und wenn ein gewisses Interesse vorhanden ist, fällt das Lernen auch leicht." Schon vor ihrer erfolgreichen Abschlussprüfung, die einen praktischen und theoretischen Teil umfasst, war Jennifer Ackermann bei Einsätzen dabei. "Es gibt ja viel zu tun, man kann sich da schon einbringen", berichtet sie. Stolz macht sie, dass sie mit ihrer Ernennung zur Feuerwehrfrau eine gewisse Vorreiterrolle übernommen hat.

"Ich hoffe, das sich noch mehr Mädchen und Frauen dazu entschließen, zur Freiwilligen Feuerwehr zu kommen." Natürlich sind die Anlässe für einen Feuerwehreinsatz selten schön. "Man weiß nie, was einen erwartet - und manchmal muss man schlucken", beschreibt Jennifer Ackermann ihre Gefühle. Die Aufregung und das Kribbeln im Bauch beim Erklingen des Piepsers sind geblieben.

Und so, wie Jennifer Ackermann als kleines Mädchen stolz auf ihren Papa, den Feuerwehrmann, war, ist es heute umgekehrt: "Es ist wunderbar, dass sich sowohl mein Sohn also auch meine Tochter für das Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr entschieden haben", freut sich Ulrich Ackermann, der seit 30 Jahren als Maschinist bei der Löschgruppe Roisdorf aktiv ist.

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