"Ein Stück aus dem Tollhaus"

Obwohl der Regionalrat einem neuen Quarzabbaugebiet in Bornheim eine Absage erteilt hat, bringt die Bezirksregierung das Thema wieder auf die Tagesordnung. Grüne werfen RP Lindlar "chaotische Vorschläge" vor.

Es ist ein Thema, das beinahe jedes Jahr wieder auf die Tagesordnung kommt. Der Quarzkiesabbau am Bornheimer Sonnenhof, mitten in der unberührten Vorgebirgslandschaft. Dem Ansinnen der Kölner Bezirksregierung, den Regionalplan entsprechend zu ändern, um den Baggern den Weg zu bereiten, hat der Regionalrat zuletzt im Juni 2006 eine deutliche Absage erteilt. Und trotzdem arbeitet die Bezirksregierung erneut daran, die Gegend um den Sonnenhof zum Quarzabbaugebiet zu machen.

Es sei mittlerweile der vierte Versuch der Behörde, wie die Bornheimer Grünen gestern mitteilten. "Es ist ein Stück aus dem Tollhaus", sagte deren Sprecher Michael Pacyna, zugleich Bornheimer Vizebürgermeister. Die Grünen befürchten, dass mit dem neuen Vorstoß der Bezirksplanungsbehörde eine Entwicklung eingeleitet wird, die Regierungspräsident (RP) Hans Peter Lindlar nach eigener Aussage gar nicht will - eine Entwicklung, an deren Ende der Naturpark Rheinland von Abbaukratern wie ein Schweizer Käse durchlöchert ist. Ob die Ausdehnung des Quarzabbaus im Raum Kottenforst/Ville notwendig ist, darüber wurde in den vergangenen Jahren heftig gestritten. Der Regionalplan gibt in seiner aktuellen Fassung dem Schutz der Landschaft eindeutig Vorrang vor den Begehrlichkeiten der Bergbauindustrie. Die ließ jedoch nicht locker und erhöhte auf allen Ebenen den Druck.

So beschritten die Rheinbacher Kieswerke, die ihren Tagebau zwischen Flerzheim und Buschhoven um 20 Hektar erweitern wollen, den Rechtsweg. Am Sonnenhof bei Bornheim-Walberberg - dorttrat vor wenigen Jahren die Firma Euroquarz auf den Plan - waren dagegen ein 20 Hektar großes Abbaugebiet plus 20 Hektar Reservefläche wiederholt Gegenstand der Diskussion. Mit rechtlichen Gründen argumentierend, war die Bezirksregierung bereit, großflächige Abbauvorhaben in den Regionalplan aufzunehmen.

Doch dem machte der Regionalrat 2006 einen Strich durch die Rechnung. Er beschloss, in Nachbarschaft des bestehenden Tagebaus der Rheinischen Baustoff-Werke in Weilerswist den Firmen nur eine moderate Erweiterung zuzugestehen. Nach Angaben der Grünen, die sich auf ein 60-seitiges nicht-öffentliches Papier des RP beziehen, lehnt die Bezirksregierung das mit Hinweis auf ein benachbartes FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) ab. "Dass ein Tagebau am Sonnenhof ebenso ein FFH-Gebiet tangieren würde, wird verschwiegen", ärgert sich Pacyna.

Er hält Lindlar mangelnde Logik und "chaotische Vorschläge" vor. Der RP führe seinen Ansatz ad absurdum, Konzentrationszonen für den Abbau auszuweisen, eben um einen "Schweizer Käse" im Naturpark zu verhindern. Nach den Vorgaben der Landesregierung muss eine Konzentrationszone über 25 Jahre die Versorgung mit Rohstoffen - in diesem Falle hochreiner weißer Quarzkies - sicherstellen, und dann noch einmal Reserven für weitere 25 Jahre bereithalten. Das könne das jetzt wieder angedachte, rund 40 Hektar große Abbaugebiet am Sonnenhof gar nicht leisten, rechnet Pacyna vor: "Bei dem von der Bezirksregierung nach wie vor zugrunde gelegten Bedarf von jährlich 280 000 Tonnen reicht eine Konzentrationszone am Sonnenhof inklusive der Reservefläche nur circa sechs Jahre.

"Nach einem Gutachten des Geologen Michael Veerhoff, der im Auftrag des Landschaftsschutzvereins Vorgebirge mehrfach Untersuchungen angestellt hat, wären es auch nur zehn Jahre. Veerhoff kommt auf einen Jahresbedarf von 175 000 Tonnen. Der RP räume in seiner neuen Vorlage sogar ein, dass der im Raum Kottenforst/Ville vorkommende hochreine weiße Quarzkies nicht für 25 Jahre ausreiche, berichten die Grünen. Die Kriterien für eine Konzentrationszone seien nicht erfüllt. Deshalb bleibe der Abbau auch in Zukunft an anderen Stellen rechtlich möglich, etwa zwischen Flerzheim und Buschhoven, so Michael Pacyna. Er sieht zudem Anzeichen dafür, dass die Bezirksregierung langfristig die Ausdehnung des Abbaus in Richtung der Bornheimer Ortschaften Rösberg, Merten und Hemmerich plane. Die Bezirksregierung hielt sich gestern auf Anfrage bedeckt.

"Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren, inhaltlich kann ich nichts dazu sagen", erklärte Sprecher Oliver Königsfeld. Das umstrittene Papier soll am 20. November beim RP mit allen betroffenen Behörden erörtert werden, um den künftigen Kurs festzulegen - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Abbaugegner wie die Landschaftsschutzvereine Vorgebirge und Kottenforst sind nicht eingeladen, beklagen die Grünen. Im nächsten Schritt muss sich der Regionalrat mit dem Thema befassen.