Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit: Ein Spagat für die Landwirte in der Region

Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit : Ein Spagat für die Landwirte in der Region

Der Förderkreis der Landwirtschaft berichtet über den Ausgleich zwischen Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit. Es sei ein Spagat für die Landwirte in der Region.

Insgesamt sind es vor allem Trockenheit und Krankheiten, die den Acker- und Gemüsebauern im Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn zu schaffen machten, so die übereinstimmend resümierenden Ergebnisse von Referenten auf der diesjährigen Informationsveranstaltung des Förderkreises Landwirtschaft (FKL). Der Zusammenschluss von landwirtschaftlichen Institutionen des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn traf sich mit seinen Vertretern und Bürgermeistern der Region sowie Landrat Sebastian Schuster und dem Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen, um über die aktuelle Situation in der Landwirtschaft zu berichten.

Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler begrüßte zusammen mit Theo Brauweiler, dem Vorsitzenden der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg, die geladenen Gäste auf dem Herseler Obstbaubetrieb der Familie Decker. "Wir sind das viertgrößte Obst- und Gemüseanbaugebiet Deutschlands", betonte Henseler und fügte hinzu, dass die Region in der Lage sei, die Nahversorgung von fast vier Millionen Menschen zu übernehmen. Mit einigen Zahlen belegte Landrat Schuster, dass sich der Rhein-Sieg-Kreis in einem permanenten Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Naturschutz befindet: 30 Prozent des Kreises sind als Wasserschutz-, 15 Prozent als Naturschutz- und 52 Prozent als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

"Dabei ist es wichtig, dass wir den Spagat zwischen den Schutzgebieten, der Landwirtschaft und der Naherholung hinbekommen", so der Landrat. "Es ist kein Zufall", sagte anschließend Brauweiler, dass man den Obstbaubetrieb Decker als Veranstaltungsort ausgewählt habe, da er bereits aktiv im Bereich des Natur- und Artenschutzes tätig sei. Brauweiler war es wichtig hervorzuheben, dass die Kreisbauernschaft nicht erst seit der aktuellen Diskussion um den Klimawandel im Naturschutz aktiv sei.

Peter-Werner Decker stellte seinen Betrieb mit 200 Hektar Acker- und zwölf Hektar Obstanbaufläche vor. Die Ernteerträge, die er mit zwei festen Mitarbeitern und bis zu zwölf Saisonarbeitern erwirtschaftet, vermarktet er zu 99 Prozent über die Roisdorfer Erzeugergenossenschaft. "Dabei wird die Verpackungsvielfalt immer größer", merkte Decker kritisch an. "Wir machen immer mehr Müll über die Verpackung, obwohl es immer weniger sein müsste." Doch der Handel würde das so fordern, so Decker.

Vor allem die Trockenheit machte Franciska Nietzer in ihrem Situationsbericht über den Ackerbau für die Schwankungen bei den Erträgen von Weizen und Gerste verantwortlich. Auch bei den Kartoffeln bedeute die Trockenheit einen erheblich höheren Bewirtschaftungsaufwand bei deutlichen Ertragseinbußen. Bei den Zuckerrüben sei ein massives Auftreten von Blattläusen und Erdflöhen zu verzeichnen. Im ersten Jahr ohne neonicotinoide Beizen seien die Rübenbauern vor große Herausforderungen gestellt. Die lange Trockenheit führe auch zu einem geringen Zuwuchs bei Kohlkulturen, Möhren und Sellerie. "Es ist zu befürchten", sagte Gärtnermeister Sebastian Pesch, "dass Rosenkohl, Grünkohl und Blumenkohl aufgrund des hohen Befalls mit Weißer Fliege teilweise von der Vermarktung ausgeschlossen werden." Als eine Begründung nannte er den Wegfall diverser Insektizide und die wärmebegünstigte Vermehrung der Insekten. "Hier ist Handlungsbedarf", so Pesch.

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