WDR-Serie im Vorgebirge: Ein Cowboy im Durchfahrtsland

WDR-Serie im Vorgebirge : Ein Cowboy im Durchfahrtsland

In einer WDR-Miniserie geht Schauspieler Peter Jordan im Vorgebirge als Staubsaugervertreter auf Verkaufstour. Start ist am zweiten Weihnachtstag.

Hasso Gründel hat es nicht leicht. Der Leiter der Außendienstabteilung des Staubsaugerherstellers Kattelmann muss innerhalb von drei Wochen 60 Exemplare des Staubsaugers „Panther 2000“ verkaufen, sonst droht der Chef den Außendienst zu schließen. Die Firma gibt es in Wirklichkeit aber gar nicht, ebenso wenig wie Hasso Gründel. Er ist – von Peter Jordan gespielt – die Hauptfigur der Miniserie des WDR „Der letzte Cowboy“, die zwischen Weihnachten und Silvester ausgestrahlt wird und am Donnerstagabend in Köln ihre Premiere hatte.

Keineswegs fiktiv ist allerdings die Gegend, in der Gründel seine Geräte an die Frau und den Mann bringen muss. Die Macher der Serie haben ihre Figur ins Vorgebirge geschickt und teils an Originalschauplätzen gedreht. Dort erlebt Hasso Gründel unglaublich komische, skurrile und teils absurde Geschichten. Die einzelnen Folgen überzeugen mit starken Schauspielern und überraschenden Handlungen, in die Gründel ahnungslos hineinstolpert.

Hinter den Haustüren, an denen er klingelt, leben Menschen mit mehr oder minder großen Problemen, die aber keineswegs nur im Vorgebirge vorhanden sind. Etwa das Ehepaar, das sogar mit der Fotokamera seine Nachbarn beobachtet und jede Abweichung vom Alltag als Hinweis auf ein Schwerverbrechen deutet. Oder der frustrierte Architekt, der mit ausgefallenen Mitteln seine Lebenslust wieder entfachen will.

Mitunter gehen die Macher mit der Region ziemlich hart ins Gericht: „Das ganze Vorgebirge ist ja ein einziger Therapiefall“, sagt Gründel in seiner Szene als Begründung zu seinem Chef, als er noch immer keinen „Panther 2000“ verkauft hat. Doch warum spielt die Serie überhaupt dort? Schließlich scheint der Ort der Handlung doch austauschbar beziehungsweise allgemeingültig zu sein.

Zwischen Kappesfeldern und Kirchtürmen

Die Serie sei eine Geschichte aus der deutschen Provinz, sagte Produzentin Jutta Müller bei der Premierenveranstaltung im Filmforum NRW im Kölner Museum Ludwig dem General-Anzeiger. Die Landschaft zwischen Kappesfeldern, Kirchtürmen, der Industrie am Horizont und dem Kölner Dom in der Ferne habe etwas Typisches, meinte sie weiter. Dazu kämen die Menschen, die dort lebten: Landwirte, Leute aus dem Köln-Bonner Einzugsgebiet und ehemalige Beamte der Bonner Republik.

Das Vorgebirge sei ein „Stück Westdeutschland“, sagte wiederum Regisseur Lars Jessen. Von der Lage her sei es wie ein Amphitheater angelegt. Auf den ersten Blick sei dort nichts schön, befand er. Es lohne sich aber, dort hinzublicken, wo es „disparat“ sei, so Jessen. Das sei reizvoll.

Jessen rechnet nicht damit, dass die Serie ähnliche Reaktionen hervorruft wie einst „Durchfahrtsland“, der Dokumentarfilm von Alexandra Sell aus dem Jahr 2005. Dieser stellt das Vorgebirge und seine Menschen in einem wenig schmeichelhaften Licht dar und rief teils heftige Kritik hervor. Er selbst habe den Film vor einigen Jahren gesehen, sagte Jessen. „Durchfahrtsland“ sei ambitionierter in dem Sinne gewesen, etwas aufdecken zu wollen. In „Der letzte Cowboy“ schaue man den Leuten liebevoll zu, man führe sie nicht vor.

„Ich fand das eigentlich ganz attraktiv“, sagte Hauptdarsteller Peter Jordan über das Vorgebirge. Auch er ist sich sicher, dass die Vorgebirgler über die Serie lachen werden. „Die Menschen haben Humor“, so Jordan. Überdies seien die Geschichten sehr universell angelegt: „Was sie uns ins Drehbuch geschrieben haben, passiert überall“.

Die sechsteilige Serie „Der letzte Cowboy“ wird in Doppelfolgen im WDR-Fernsehen ausgestrahlt: Zweiter Weihnachtstag, Montag, 26. Dezember, 22.45 Uhr, sowie Dienstag, 27. Dezember, und Mittwoch, 28. Dezember, jeweils um 22.40 Uhr. Die Folgen sind bereits jetzt in der WDR-Mediathek zu finden.

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