Kommentar : Die Stadt im Dilemma

Das von der Stadt Bornheim ausgesprochene Schwimmbadverbot für die erwachsenen männlichen Flüchtlinge aus dem Umfeld des Bades zeigt, in welchem Dilemma die Kommunen nach den Vorfällen an Silvester in der Nachbarstadt Köln stecken.

So etwas wie Sippenhaft gibt es in deutschen Gesetzbüchern nämlich nicht. Dennoch hat Sozialdezernent Markus Schnapka das von ihm so bezeichnete "Macho-Gebaren" einiger in Bornheim lebender männlicher Flüchtlinge mit einem Badverbot für alle erwachsenen männlichen Flüchtlinge geahndet. Betroffen sind auch diejenigen, die sich korrekt verhalten haben.

Die Maßnahme mag unter dem Eindruck der Ereignisse in den vergangenen Tagen auf den ersten Blick geboten erscheinen. Auf Dauer würde sie aber die Integrationsbemühungen vieler ehren- und hauptamtlich tätiger Menschen in Bornheim konterkarieren.

Und sie würde einer juristischen Überprüfung wohl kaum standhalten. Denn einem definierten Personenkreis wird - wenn auch nur vorübergehend - das Recht aberkannt, eine öffentliche Einrichtung zu nutzen. Markus Schnapka ist sicherlich unverdächtig, Forderungen aus der rechtspopulistischen nachzugeben. Das hat er bei zahlreichen Bürgerversammlungen bewiesen. Er hat sich stets als Anwalt der vor dem Krieg geflohenen Menschen verstanden und ihnen nach besten Kräften geholfen. So ist seine Entscheidung auch das Eingeständnis von Ohnmacht.

Denn die Kommunen sind alleine überfordert, die negativen Auswüchse des Aufeinanderprallens zweier Kulturwelten aufzufangen. Zunächst müssen die männlichen Zuwanderer das auf Gleichberechtigung und gegenseitigem Respekt beruhende Geschlechterverständnis in Deutschland akzeptieren.

Dazu gehört, dass eine Frau im Bikini nicht die Adressatin zweideutiger Gesten sein darf. Eine wichtige Hilfe im Lernprozess sind die Informationen, die Schnapka den Bornheimer Flüchtlingen persönlich vermittelt hat. Wenn alle Männer sie verstehen, werden Verbote überflüssig.