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Der Landschafts-Schutzverein wägt nächste Schritte ab und entwickelt eine Strategie: "Die Rheinebene bleibt der günstigste Ort für Windräder"

Der Landschafts-Schutzverein wägt nächste Schritte ab und entwickelt eine Strategie : "Die Rheinebene bleibt der günstigste Ort für Windräder"

Mit rund 70 Zuhörern war die Mitgliederversammlung des Landschafts-Schutzvereins Vorgebirge (LSV) in der Mertener Gaststätte Waldhof mehr als gut besucht. Was wohl auch an der Tagesordnung lag.

So ging es etwa um die Abbauflächen nicht energetischer Rohstoffe, die im neuen Regionalplan für den Regierungsbezirk Köln festgeschrieben werden, sowie um die seit Monaten umstrittene Planung von Windkraftanlagen auf dem Ville-Rücken.

Dazu hatte die Stadt Anfang des Jahres ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das am Mittwoch parallel zur Versammlung auch Thema in der Sitzung des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses war. "Deshalb freue ich mich auch so, dass dennoch so viele Leute hier sind", sagte der LSV-Vorsitzende Michael Pacyna eingangs.

Er erläuterte noch einmal die Entwicklung der Windkraftzonenkonzentration bei Sechtem und die Gründe für die Erstellung einer juristischen Expertise. Pacyna zufolge soll laut Rechtsgutachten das gesamte Stadtgebiet nach einer entsprechend großen und verträglichen Fläche unter die Lupe genommen werden.

Windräder: "Die Stadt muss den Bau von Windrädern steuern", sagte Pacyna. Er befürwortet es, dass die Stadt, wenn sie der Empfehlung des Gutachtens folgt, entsprechende, in Frage kommende Flächen untersucht, eine Entscheidung für eine Windkraftzonenkonzentration trifft und diese im Flächennutzungsplan festschreibt.

"Noch haben die Betreiber von Windrädern keine Anträge beim Rhein-Sieg-Kreis eingereicht. Denn wenn der Kreis diese abgelehnt hätte mit Blick auf Sechtem, dann gäbe es Klagen. Jetzt waren wir schneller. Das ist gut", meinte er.

Der LSV wird nach den Sommerferien eine Strategie zum weiteren Vorgehen entwickeln. Dazu gehören das Sammeln von Fakten zu den Bereichen Natur- und Landschaftsschutz, Baurecht und Landesplanung (Naherholung), Technik und die Auswirkung von Windrädern, die Überprüfung der Infrastruktur (Stromleitung und Einspeisungsmöglichkeiten) und der Artenschutz, Pacyna: "Es gibt seltene Tierarten wie die Feldlerche und den großen Abendsegler, die durch Windräder gefährdet sind."

Auch die Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft "Gegenwind" und eine verstärkte Einbindung der Öffentlichkeit hat Pacyna im Blick. So ist für den Herbst eine Veranstaltung zum Thema Windräder geplant, "um Anregungen und Ideen der Zuhörer aufzunehmen".

Für Pacyna steht jetzt schon fest, dass auf der Ville keine Windräder stehen werden. "Die Rheinebene bleibt der günstigste Ort. Dort gibt es keinen Landschaftsschutz. Die Infrastruktur ist da, und die Windverhältnisse sind besser".

Neuaufstellung des Regionalplanes: Der Regionalplan - er gibt den Kommunen einen verbindlichen Rahmen für deren räumliche Entwicklung - wird zurzeit neu geschrieben. Dabei geht es um die Konzentrationszonen und Reservegebiete für den Abbau von Sand, Kies, Ton und Quarzkies.

120 Vorschläge von Firmen aus dem Regierungsbezirk Köln gingen bei der Bezirksregierung ein, mehr als 30 neue Flächen sollen aufgeschlossen werden. Betroffen ist auch der Bornheimer Raum mit den Arealen "Sonnenhof" zwischen Rösberg, Merten und Hemmerich - seit 1975 ist der Quarzkiesabbau auf der Ville immer mal wieder Thema - und der Konzentrationszone in der Rheinebene (Hersel/Uedorf und Roisdorf) mit seinem Abbau von Kiesen und Sanden.

Pacyna befürchtet eine mögliche Ausweisung des Gebietes auf der Ville. Im September wird der Regionalplan dem Regionalrat, der darüber entscheidet, vorgestellt, die Offenlage erfolgt in der ersten Jahreshälfte 2020. "Wird der Sonnenhof dabei sein, werden wir den Kampf aufnehmen und gewappnet sein."

Weitere Aktivitäten: Vorträge und eine Exkursion stehen in den nächsten Monaten auf dem Programm des Vereins. So wird der Imker Friedel Mirbach über die Bedeutung der Wildbienen und Vogelkundler Guido Rox über Vögel in offener Landschaft referieren.

Geplant ist ferner eine Waldbegehung mit der Forstbetriebsgemeinschaft Bornheim zu Waldschäden durch den Klimawandel und nachhaltigem ökologischen Waldumbau.