Die Pfarrkirche in Kardorf wurde für 350.000 Euro saniert

Feierliche Eröffnung : Sanierung von Pfarrkirche in Kardorf abgeschlossen

Diesen Sonntag feiern die Kardorfer wieder in ihrer sanierten Kirche. Für rund 350.000 Euro wurde der Kirchenraum samt Orgel von Grund auf saniert und gereinigt. Nun ist ein Festzug mit Fackelträgern geplant.

Die Pfarrkirche St. Joseph in Kardorf war in den vergangenen Tagen der Arbeitsplatz von Nina Köneke. Vorsichtig entfernte die Restauratorin Flecken auf dem schwarzen Taufstein, und die Politur mit Mikrokristallinwachs wirkte wahre Wunder. Es waren die letzten Arbeit in einer ganzen Reihe von Maßnahmen bei der monatelangen Sanierung des Gotteshauses an der Travenstraße. Die Wiedereröffnung ihrer Kirche feiern die 1200 Katholiken diesen Sonntag. In einem Festzug mit Fackelschein wird ab 17 Uhr das Allerheiligste von Waldorf nach Kardorf zurückgeholt. Eine Festmesse, die Pfarrer Silvio Eick zelebriert, und ein gemütliches Beisammensein im Pfarrsaal schließen sich an.

Sanierung in der Pfarrkirche kostet 350.000 Euro

Für rund 350.000 Euro wurde der Kirchenraum samt Orgel von Grund auf saniert und gereinigt. 110.000 Euro hat die Kardorfer Pfarrgemeinde selbst aufgebracht. Die Maßnahme war dringend erforderlich, nachdem Küsterin Marianne Zimmermann schon vor rund drei Jahren immer mal wieder Sandspuren am Übergang zwischen Kirchenschiff und Chor entdeckt hatte. „Da rieselte es herab. Und da dort auch die Messdiener stehen, bestand ein gewisses Gefahrenpotenzial“, sagte Philipp Münch, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Er und sein Team zogen den Architekten Bernhard Sauer zu Rate, der Risse im Mauerwerk feststellte und bei der Gelegenheit auch Maler- und Putzarbeiten im Innenraum empfahl.

„Da hatte er völlig Recht. Vor 30 Jahren war die letzte Renovierung gewesen, und so sah der Innenraum ein wenig ’vintage’ aus“, sagte Münch. Das war 2017. Ein Jahr später genehmigte das Erzbistum Köln das Gesamtkonzept samt Finanzierung. Im Mai dieses Jahres konnten die Arbeiten dann endlich beginnen. Seitdem wurden das Mauerwerk ausgebessert, die Wände geweißt, die historischen Kirchenbänke aus dem Kirchenbaujahr 1933 stabilisiert und gewachst, die Ornamente am Altar ausgebessert und mit neuer Farbe versehen sowie die bunten Kirchenfenster gereinigt, deren Bleirahmen neu abgedichtet und elektronische Fenstersteuerungen installiert. Ins Auge fallen am Altar die nunmehr strahlenden Farben des überdimensional großen Christusmosaiks aus 80 000 einzelnen Steinen, das Kunstmaler Felix Lüttgen in den 1930er Jahren geschaffen hat. „Wenn man auf der Orgelempore steht und die hintere Tür öffnet, dann scheint die Sonne direkt auf das Bild und lässt es leuchten. Das ist fantastisch“, ist Münch begeistert.

Die Kirchenbänke stehen nicht mehr frontal zum Altar

Aber auch die Klais-Orgel, die die Bonner Orgelbauer im Jahr 1941 auf der Empore errichteten, wurde grundlegend überholt. So wurden die Tasten auf dem Spieltisch gereinigt und die in die Jahre gekommene Elektronik erneuert. Die musste auch sicherheitstechnisch – so auch die Vorgabe des Erzbistums – auf den neuesten Stand gebracht werden. „Der Klang ist jetzt einfach ein Traum“, freute sich Gerhard Thusek, Schriftführer des Kirchenvorstandes und Vorsitzender des Pfarrausschusses. Auch die Liedanzeige geht nach 50 Jahren nun mit der Zeit und wird digital gesteuert.

Gewöhnen werden müssen sich die Kirchgänger daran, dass „Maria von Guadalupe“ fehlen wird. Der Kirchenvorstand hat beschlossen, die Skulptur durch die Madonna aus dem Heiligenhäuschen an der Lindenstraße zu ersetzen. Weiter an seinem gewohnten Platz am Altar steht der heilige Josef – der Holzaufbau wurde aber zum Teil neu gefertigt. „Wir fanden, dass die beiden Figuren besser zusammenpassen“, erklärte Thusek.

Die Einrichtung der Kirche ist noch nicht ganz abgeschlossen. Wie was wo aufgestellt werden soll, und ob ihnen die neu gestaltete Pfarrkirche gefällt, können die Kardorfer bei einer Gemeindeversammlung äußern. Sie beginnt am Mittwoch, 4. Dezember, um 20 Uhr mit Matthias Genster als leitendem Pfarrer im Seelsorgebereich Vorgebirge. Thematisiert wird dabei bestimmt auch die neue Ausrichtung der Kirchenbänke. Denn nicht mehr frontal zum Altar, sondern ellipsenförmig werden sich die Gläubigen rund um einen zweiten, zentral im Kirchenschiff stehenden Altar bei den Messen künftig gegenüber sitzen. Mit dieser Anordnung sollen auch die Anforderungen einer im kommenden Jahr startenden Jugendkirche berücksichtigt werden.

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