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Verkehr in Bornheim: Die Herseler Bahnkreuzung soll weichen

Verkehr in Bornheim : Die Herseler Bahnkreuzung soll weichen

Die bevorstehende Taktverdichtung der Linie 16 auf zehn Minuten verschärft das Verkehrsproblem. Eine Unterführung der Bahn würde bis zu 25 Millionen Euro kosten.

Wer schon einmal versucht hat, einen komplizierten Knoten zu entwirren, der weiß: Man braucht viel Geduld – oder eine Schere. Letztere scheidet bei der Lösung des Herseler Verkehrsknotens an der Kreuzung der Landesstraßen L118 und L300 in Verbindung mit der Querung der Stadtbahnlinie 16 aus. Bleibt also nur die Geduld: Bereits jetzt bilden sich zur Hauptverkehrszeit bei geschlossener Bahnschranke lange Rückstaus auf der Linksabbiegerspur aus, die auf die L118 ins Bornheimer Gewerbegebiet und auf die Autobahn 555 führt. Wer von der Autobahn kommend Richtung Hersel fährt, muss sich morgens und am späten Nachmittag ebenfalls in eine lange Autoschlange einreihen.

Bisher schließt die Schranke nur alle 20 Minuten. Mit der Taktverdichtung der Linie 16 auf zehn Minuten, die der Bornheimer Rat im Juli mit einer Gegenstimme von Paul Breuer (ABB) beschlossen hat (der GA berichtete), wird sich die Situation voraussichtlich ab 2019 noch verschärfen. Ein schneller Takt auf der Schiene wird in Hersel Stillstand auf dem Asphalt bedeuten – dessen sind sich die Befürworter der Maßnahme durchaus bewusst.

Wie Rüdiger Prinz (CDU) im Stadtentwicklungsausschuss erklärt hatte, sei es wichtig, die Taktverdichtung zu beschließen um „Druck auf die übergeordneten Gremien auszuüben, damit sich an der Kreuzung was tut.“

SPD-Ratsherr Frank W. Krüger hatte es so ausgedrückt: „Wenn wir nichts bewegen, bewegen sich nur noch mehr Autos.“ Die Menschen warteten sehnsüchtig auf einen öffentlichen Nahverkehr, bei dem man nicht mehr auf die Uhr zu schauen braucht, weil die nächste Bahn einfach schon schnell kommt.“

Nach Meinung der ABB kann eine Erhöhung der Taktdichte nur mit Rücksicht auf die Folgen für den Autoverkehr erfolgen. Die Auswirkungen dürften nicht einfach ignoriert werden. Eine Lösung des Verkehrsproblems könnte in einer Auflösung der Bahnkreuzung – sprich: Einer Straße über der Gleistrasse oder alternativ einer Gleistrasse über Straße erreicht werden. Diese Möglichkeiten hatte das von der Stadt beauftragte Büro Brilon Bondzio Weiser (BBW) aufgrund einer Verkehrsuntersuchung- und Prognose genannt. Auch ein „Verschwenk“ der L118 wurde vorgeschlagen, der weiter nördlich an die L300 anschließen könnte.

Die HGK hatte die Möglichkeit der Kreuzungs-Auflösung 2017 vor diesem Hintergrund selbst in die Diskussion gebracht. Mit Blick auf die hohen Kosten wurde dies aber bisher abgelehnt.

„Ergebnisoffene Untersuchung der Varianten“ gefordert

Nun fordert die Bornheimer Politik eine „ergebnisoffene Untersuchung der Varianten“. Der Rat beauftragte die Verwaltung, die Auflösung der Kreuzung bei den Baulastträgern Landesbetrieb Straßenbau NRW und Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) anzuregen. Seit Juli liegen die Stellungnahmen vor und stehen im Stadtentwicklungsausschuss, der am 5. September erstmals nach der Sommerpause wieder zusammenkommen wird, zur Kenntnisnahme auf der Tagesordnung.

In seinem Antwortschreiben weist der Landesbetrieb Straßenbau darauf hin, wie mühsam und langwierig Absprachen zwischen betroffenen Baulastträgern insbesondere der Finanzierungsfragen sein können. Die Rede ist von Jahrzehnten. „Nach grober Kosteneinschätzung wird eine Kostenmasse zwischen 15 und 25 Millionen zu verhandeln sein“, heißt es in dem Schreiben weiter. Nach den Sommerferien sei man zu Arbeitsgespräche bereit. Auf Nachfrage des General-Anzeigers erklärte Bernd Egenter von Straßen NRW weiter, dass angestrebt werde, zeitnah – das heißt im Zeitraum von einigen Jahren – eine Verbesserung der Verkehrsfläche an der Kreuzung zu erreichen. Hierzu könnte die Linksabbiegerspur in Richtung Roisdorf/Autobahn sowie die Rechtsabbiegerspur Richtung Buschdorf ausgebaut werden.

Keine Ersatzteile mehr für bestehenden Bahnübergang

„Ziel ist es, eine technisch und finanziell machbare Lösung zu finden.“ Die HGK geht in ihrer Stellungnahme vor allem auf das veraltete Steuerungssystem der Bahnübergangs- und Straßensicherungsanlage (Büstra-Anlage) ein. Wie in dem Schreiben erklärt wird, stehen keine Ersatzteile für die Anlage mehr zur Verfügung. Die Reparaturmöglichkeiten wurden vom Hersteller gekündigt. Daher sei ein Austausch der Technik zur verkehrsabhängigen Steuerung einhergehend mit der Umplanung des Kreuzungsbereiches als „dringend geboten“ anzusehen.

Bernd Egenter von Straßen NRW erklärte hierzu, dass die Schranke bei einem Ausfall des veralteten Steuerungssystems entweder geschlossen bleiben und der Verkehr umgeleitet oder die Schranke händisch bedient werden müsse.

Das bedeutet: Egal welche Variante die Stadt, HGK und Straßen NRW hinsichtlich der Verbesserung der Kreuzung weiterverfolgen wollen – die Technik wird möglichst kurzfristig zu erneuern sein, damit es dort sicher bleibt.