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Bestattungskultur in Bornheim: Der Trend geht zur Urnenbeisetzung

Bestattungskultur in Bornheim : Der Trend geht zur Urnenbeisetzung

Die Bestattungskultur befindet sich im Wandel: Viele wollen nicht mehr die klassische Beerdigung im Grab – ein Steinmetz und ein Pfarrer aus Bornheim berichten

Helmut Sistig ist Steinmetz und Bildhauer aus Berufung. Bevor er im Mai des vergangenen Jahres seine Werkstatt in Walberberg schloss, schuf er unter anderem Grabmale. Und das ganz individuell. „Es ist wichtig, etwas von der Person einzufangen, die bestattet ist“, sagt er. So hat er etwa für ein Kindergrab auf dem Brühler Südfriedhof ein Flötenspieler-Denkmal gefertigt. „Die Grabmale für die ganz jung Verstorbenen sind die beeindruckendsten Stücke“, meint der 60-Jährige. Die Eltern wollten, dass noch etwas sichtbar von ihrem Kind sei.

Seine Werkstatt schloss Sistig aus gesundheitlichen Gründen – aber auch, weil sich die Bestattungsformen verändern und damit der Bedarf an Grabmalen sinkt. Der Standort Walberberg wird heute von Bonner Freunden und Kollegen mitbetreut, Sistig selber berät aber noch.

Oft geht es um den Aufwand für die Pflege

Vor 20 Jahren habe der Trend zur Einäscherung eingesetzt, erzählt Sistig: „Was früher für einen Katholiken undenkbar war, ist heute fast Usus.“ Einige Urnen würden klassisch in einem Grab bestattet, andere aber auch anonym oder in einem Kolumbarium: einer Grabstätte für Urnen, die mit einer Abdeckplatte verschlossen wird.

Die Gründe dafür sieht Sistig in gesellschaftlichen Entwicklungen: „Oft ist keiner mehr da, der das Grab pflegen kann. Die Tochter lebt in München, der Sohn in Berlin, und den Nachbarn möchte man die Pflege nicht aufbürden.“ Viele stellten sich auch die Frage, wer das Grab überhaupt besucht. Die gesamte Branche müsse sich auf die veränderten Bedingungen einstellen, sagt Sistig, die Steinmetze ebenso wie die Gärtner. Denn auch sie erhielten deutlich weniger Aufträge durch den verringerten Pflegeaufwand an den Grabstätten.

Pfarrer sieht vielfältige Gründe für Trend zur Urne

Pfarrer Dieter Katernberg von der Evangelischen Kirchengemeinde Vorgebirge sieht vielfältige Gründe für den Trend zur Urnenbestattung. Früher sei meist der verringerte Pflegeaufwand ausschlaggebend gewesen, heute gäbe es auch andere Motive. „Manchmal gibt es die Überzeugung, dass man lieber sauber verbrannt werden will“, sagt er. Manchmal sei es auch eine Kostenfrage, insbesondere bei der anonymen Bestattung. Um den Pflegeaufwand in Grenzen zu halten, gäbe es aber auch andere Möglichkeiten als die Urnenbestattung, sagt Katernberg. Zum Beispiel ein Rasenreihengrab, bei dem eine Platte mit Namen und Lebensdaten in eine Rasenfläche eingelegt wird. Das sei in Bornheim möglich, würde aber noch nicht so häufig genutzt wie in anderen Regionen.

Eine andere Entwicklung in der Bestattungskultur sei die Individualisierung, meint wiederum Steinmetz Sistig. Früher seien Grabmale schwarz gewesen und aus Granit. Heute können die Steinmetze ganz unterschiedliche Materialien verwenden: „Auch ein Mix aus Materialien ist möglich, das wäre früher ein Stilbruch gewesen.“

Manche dulden auch eine Flasche Kölsch auf dem Grab

Die Trauerfeiern seien heute ebenso individueller, und ins Grab kämen auch Beigaben wie CDs mit der Lieblingsmusik des Verstorbenen oder Alltagsgegenstände. „Es wird sogar geduldet, wenn Angehörige oder Freunde eine Flasche Kölsch aufs Grab stellen und so ihre Anteilnahme ausdrücken“, sagt Sistig.

Katernberg erlebt es oft bei Trauerfeiern, dass statt eines Sargs die Urne vorne steht, manchmal mit einem Foto. Es gäbe auch bei einer Urnenbestattung die Möglichkeit, eine Beerdigung mit dem Sarg zu machen, sagt er. „Für die Angehörigen kann das schöner sein, um sich von dem Verstorbenen zu verabschieden“, meint der Pfarrer. Ihm ist es wichtig, über das ganze Spektrum der Möglichkeiten zu informieren, damit Bestattungsform und Trauerfeier zu dem Verstorbenen und seinen Angehörigen passen.