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Synode des evangelischen Kirchenkreises: Der Pfarrer ist nicht der Chef im Ring

Synode des evangelischen Kirchenkreises : Der Pfarrer ist nicht der Chef im Ring

Eigentlich habe er richtig Angst vor dem Pfarrberuf, sagte Daniel Storb bei der Synode des evangelischen Kirchenkreises Bonn. "Ich habe unheimlich Spaß an der Theologie, aber soll ich später 24 Stunden am Tag Pfarrer ohne Zeit für die Familie werden?", fragte der junge Mann ehrlich. Der Kirchenkreis hatte ihn und zwei weitere Bonner Studenten der evangelischen Theologie zum Thema "Erwartungen an einen modernen Pfarrdienst" eingeladen.

Und nun träumte auch John Nicholls davon, einmal persönlichen Kontakt zu seinen späteren Gemeindegliedern aufbauen zu können. "Aber werde ich dann immer ans Telefon gehen, wenn ich doch auch einmal Zeit für mich brauche?" Eine Frage, die auch seinen Kommilitonen Benjamin Thull bewegte. "Mir gefällt aber, dass die rheinische Kirche so fest in der Gesellschaft verankert ist", so der junge Mann mit dem Berliner Akzent optimistisch.

Was sollen Pfarrer künftig vor allem machen, und was können oder sollen Laien verstärkt übernehmen, lauteten die Fragen, die Superintendent Eckart Wüster an die 80 Vertreter aus Bonn, Alfter und Bornheim, selbst Pfarrer oder Laien, stellte. Denn man müsse ja auch die Grenzen der Belastbarkeit jedes Seelsorgers sehen. "Das Spannungsverhältnis zwischen Wollen und Sollen im Pfarrdienst wird deutlich zunehmen, weil wir absehbar immer weniger Pfarrer haben", erläuterte Wüster im Haus der Evangelischen Kirche. Ursache sei weniger der Rückgang der Mitglieder, denn in Bonn und der Region zähle die evangelische Kirche seit Jahren konstant rund 225 000 Christen. Es fehle vor allem der Nachwuchs, sagte Wüster.

Zum Thema hatte er den Dezernenten für Personalentwicklung der Landeskirche, Volker Lehnert, eingeladen. Und der bot einen auch vergnüglichen Ritt durch die Höhen und Tiefen des Pfarralltags, nicht ohne dabei das entsprechende Landeskirchenpapier "Zeit fürs Wesentliche" vorzustellen, mit dem er zum Nachdenken, zur Diskussion über eigentliche Aufgaben animieren wollte. Was die Synodalen dann im Anschluss in kleinen Gruppen auch taten.

Lehnert hatte die entscheidenden Bälle schon ins Feld geschossen: Der Pfarrer der evangelischen Landeskirche sei nicht wie sein katholischer Kollege Chef im Ring, sondern den Dienstanweisungen seines Presbyteriums verpflichtet. "Aber er oder sie ist im Rahmen der kirchlichen Ordnung in der Verkündigung und in der Seelsorge selbstständig," so Lehnert. Insgesamt zur Selbstständigkeit beim rheinischen Pfarrer also: ein "Jein". Viele Konflikte in den Gemeinden ließen sich vermeiden, wenn die Gremien sich direkt über die Aufgabenverteilung und die gegenseitigen Erwartungen austauschen würden. Und das besonders im Fall von Nicht-Vollzeit-Anstellungen.

Den zweifelnden Blicke im Publikum entgegnete der eloquente Dezernent mit eigenem Beispiel: In seinen Jahren als Pfarrer habe er dem Presbyterium regelmäßig seinen genauen Zeitplan aller Dienste auf den Tisch gelegt. "Erstaunen bei den meisten. Was, das machen Sie alles? Wussten wir gar nicht!", erläuterte Lehnert die Reaktionen. Und dann habe er angeboten, auch die vom Presbyterium gewünschten zusätzlichen Dienste zu übernehmen. "Aber das nur unter der Voraussetzung, dass Ihr mir sagt, was ich auf der bisherigen Liste streichen kann."

Synodenwahlen

Nachfolgerin von Pfarrer Siegfried Virgils in der Landessynode wurde Pfarrerin Wiebke Janssen. Auf Pfarrer Andreas Schneider folgt Pfarrer Gerhard Brose (Vorgebirge) als Synodalbeauftragter für Gottesdienst und Gottesdienstmitarbeitende, auf Pastor Rainer Caldeweyher Fritz Langensiepen (Auferstehungskirchengemeinde) als Beauftragter für Seniorenarbeit und auf Pfarrer Dieter Katernberg nun Pfarrer Virgils als Beauftragter für Archivpflege. Die Synode besetzte zudem die vakante Stelle im Schulreferat Bonn durch Pfarrer Helmut Siebert.