Bundespräsidentenwahl: Der Fahrer der Bundespräsidenten

Bundespräsidentenwahl : Der Fahrer der Bundespräsidenten

Der Bornheimer Peter van den Berg war Fahrer von fünf Bundespräsidenten. 240 Arbeitsstunden, inklusive Wartezeiten im 350er Mercedes, waren da keine Seltenheit.

Wenn am Sonntag die Bundesversammlung den neuen Bundespräsidenten wählt, wird Peter van den Berg diese Wahl mit besonderem Interesse verfolgen. Auch er würde den Sozialdemokraten Frank-Walter Steinmeier wählen. Und das nicht nur, weil er früher selbst für die SPD und später für die UWG im Bornheimer Stadtrat saß. Nein, er würde ihn wählen, weil Steinmeier die Erfahrung und das Format fürs höchste Staatsamt mitbringe. Der heute 73-jährige van den Berg war von 1972 bis 1996 Fahrer im Bundespräsidialamt und hat in dieser Zeit fünf Bundespräsidenten chauffiert.

Gustav Heinemann - der bescheidene Fahrgast

Der Sozialdemokrat Gustav Heinemann war von 1969 bis 1974 der erste Präsident der sozial-liberalen Koalition. Peter van den Berg: „Er war bescheiden und zurückhaltend, hat während der Fahrt nicht viel geredet.“ Stattdessen habe er Akten oder Zeitungen gelesen. „Er war ein ruhiger Fahrgast.“ Der Bornheimer fuhr den Präsidenten nicht alleine. Sechs Fahrer teilten sich diese Aufgabe. Dazu gehörten auch Fahrdienste für die First Lady, die Kinder und Gäste, wie Heinz Rühmann, Erik Ode, Horst Tappert oder Maria Schell. Sie mussten etwa vom Flughafen abgeholt, ins Hotel gebracht oder zu Empfängen gefahren werden. 240 Arbeitsstunden, inklusive Wartezeiten im 350er Mercedes, waren da keine Seltenheit. „Ich hatte immer genug zum Lesen dabei“, sagt van den Berg.

Walter Scheel - Fahrten in Zeiten der RAF

Der FDP-Politiker Walter Scheel übte das höchste Staatsamt von 1974 bis 1979 aus. Mit ihm kam Peter van den Berg am besten klar. „Wir waren halt zwei Rheinländer.“ Scheel habe auch was von Fußball verstanden und habe ihn auch schon mal aufgezogen, wenn der FC verloren hatte.

In die Amtszeit von Scheel fielen der Terror und die Morde der RAF an Siegfried Buback, Jürgen Ponto und Hanns Martin Schleyer 1977. Scheel habe aber keine Angst gehabt oder sie zumindest nicht gezeigt. Auch er selbst, so van den Berg, habe sich nicht vor Anschlägen gefürchtet. Eher schon seine Frau, besonders nach dem Mord an Schleyer, bei dem auch der Fahrer erschossen wurde.

„Wir bekamen gepanzerte Wagen, mussten ein Sicherheitstraining absolvieren und einen Erlass des Innenministers befolgen, beim Aussteigen nicht mehr behilflich zu sein, sondern am Steuer sitzen zu bleiben. Das deshalb, damit wir im Falle eines Anschlags sofort wegfahren konnten. Wenn wir Kolonne fuhren, durften wir nirgends anhalten, auch nicht an einer roten Ampel oder an einem Stoppschild. Die Wagen mussten rollen.“ In der Kolonne fuhren BGS-Beamte mit Gewehren rechts und links neben dem Präsidentenwagen. „Keine schöne Zeit damals“, sagt van den Berg.

Das Verhältnis zu Scheel sei auch deshalb so intensiv gewesen, weil er dessen Kinder zur Schule gebracht habe. „Damals bin ich in der Villa Hammerschmidt ein und aus gegangen, ich gehörte fast schon zur Familie.“ Diese Nähe hätte van den Berg beinahe eine Kopfwunde eingebracht. Denn vor Weihnachten 1976 warf Mildred Scheel den Weihnachtsbaum vom Balkon der Villa herunter, weil er ihr nicht gefiel. „Der Baum ist neben mir eingeschlagen“, erzählt van den Berg.

Scheel habe ihn hin und wieder auch nach seiner Meinung zu politischen Themen gefragt. Sowohl in seiner Amtszeit als auch danach, als er für den Alt-Präsidenten abgeordnet war. Da Scheel in Hinterthal in Österreich ein Ferienhaus hatte und dort überwiegend lebte, lebte auch van den Berg überwiegend dort mit im Haus. Er war quasi „Mädchen für alles“: Chauffeur, Hausmeister, Gärtner. Nach den heute-Nachrichten um 19 Uhr öffnete Scheel zum Abendessen gerne eine Flasche Rotwein, die er mit van den Berg leerte.

Karl Carstens - selten mit dem Bornheimer unterwegs

Den Christdemokraten Karl Carstens, von 1979 bis 1984 im Amt, fuhr van den Berg selten, weil er Scheel zugeordnet war. „Carstens war eher in sich gekehrt.“

Richard von Weizsäcker - hörte gerne den Vorbirgsmusikanten zu

In die Amtszeit des CDU-Mannes Richard von Weizsäcker, 1984 bis 1994, fiel das Frühlingsfest des Bundespräsidialamtes, das van den Berg organisierte. Für die Musik sorgten die Vorgebirgsmusikanten, deren Präsident van den Berg damals war. Das Fest habe von Weizsäcker sehr gefallen, er habe sich mehrmals bedankt. „Ansonsten war er eher distanziert, eben ein Staatsmann. Seine Frau Marianne war dagegen sehr liebenswürdig.“

Roman Herzog - gemütlicher Bayer

Er war „ein großer Freund von Lebensmitteln“, sagt van den Berg. Als er ihn durch Berlin chauffierte, überkam den Präsidenten der Hunger. An einer Imbissbude musste van den Berg anhalten. Roman Herzog stieg aus und kaufte sich eine Currywurst. „Er war ein Ur-Bayer, gemütlich, rustikal und häufig lustig.“

Weil er den Umzug ins Schloss Bellevue nicht mitmachen wollte, verließ Peter van den Berg 1996 das Bundespräsidialamt und wurde Cheffahrer bei der Postbank. Seit 2006 ist er im Ruhestand.

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