Porträt des Künstlers Bernd Rost: Das Leben ist Kunst

Porträt des Künstlers Bernd Rost : Das Leben ist Kunst

Bernd Rost aus Sechtem malt, schreibt und fotografiert, was manch einer übersieht. Ab diesen Samstag stellt der 75-Jährige in Köln unter dem Titel „DARss Weststrand“ aus. Zu sehen sind seine Arbeiten bis zum 31. Dezember.

Der Clown macht aus jeder Niederlage einen Sieg, er kämpft unverdrossen, er gibt nie auf. Er darf sein Ziel verfehlen, doch mit jedem Scheitern wächst seine Begeisterung für das nächste Ziel. Der Clown war Bahninspektor, Friedensaktivist, Studienrat für Französisch und Pädagogik in Wesseling und Gestalttherapeut. Er war zweimal verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und vier Enkel. Und er sagt: „Das Leben ist Kunst.“

Mit dieser Aussage meint er nicht, dass er als junger Mann – heute ist der Sechtemer Bernd Rost bereits 75 Jahre alt – einmal vergeblich versucht hatte, an der Düsseldorfer Kunstakademie angenommen zu werden. Auch, dass er trotzdem immer weiter gemalt, Gedichte geschrieben und Kinderbücher erdacht und illustriert hat, dass er fotografiert und jedes Jahr mindestens eine Ausstellung seiner Arbeiten organisiert, ist nicht der Grund, dass er das Leben als Kunst bezeichnet. „Für mich ist Kunst die Sicht auf alle Dinge, die mich umgeben“, erklärt Bernd Rost.

Im Moment sind es fotografierte Details von Objekten, die im Alltäglichen kaum Beachtung finden. Mit seinem Fotoapparat macht sich der 75-Jährige auf die Suche nach Strukturen, die er überall findet. Da wird die Folie über einem Rübenberg zu einer Winterlandschaft. Oder ist es doch eher eine Elefantenhaut? Was es ist oder sein könnte, soll dem Betrachter überlassen sein. Rost gibt seinen Bildern keine Namen. Höchstens einen Ort.

„Meine Bildwelten richten sich gegen traditionelle Sichtweisen“

So, wie er seine Ausstellung „DARss Weststrand“ genannt hat, die an diesem Samstag um 16 Uhr im Bürgerzentrum Ehrenfeld in Köln eröffnet wird. „Meine Bildwelten richten sich gegen traditionelle Sichtweisen“, sagt er. So, wie er sich auch sein Leben lang gegen Konventionen gewehrt hat. Schon als Lehrer versuchte er, Hierarchien aufzubrechen, was dazu führte, dass seine Regelbeförderung zum Oberstudienrat ausblieb und er wegen eines Bandscheibenvorfalls mit 58 Jahren aus dem Schuldienst entlassen wurde. Oft half ihm seine fünfjährige Clownsausbildung im Umgang mit den Obrigkeiten, das Leben nicht so ernst zu nehmen.

Als 1979 die Nato die Aufstellung neuer Atomraketen und Marschflugkörper in Westeuropa ankündigte, beschlossen Bernd Rost und seine damalige Frau, Deutschland zu verlassen. Was zu diesem Zeitpunkt durch immer wieder unvollständige Ausreiseformalitäten nicht gelang, setzte er dann wenige Jahre später mit dem Kauf eines Feriendomizils auf Lanzarote um.

Dort, fernab von der ungeliebten Bürokratie in Deutschland, entstand sein erstes Kinderbuch aus der Neugier heraus, den Kamelkarawanen auf der Kanareninsel zu folgen. Fortan ließ er die Kamelstute Icá auf Entdeckungstour gehen und ihr Leben erzählen. Dazu machte Rost Fotoserien, die seine Bücher auf sehr persönliche Weise illustrieren und ließ seinen Text ins Spanische übersetzen.

Rost folgt Geschichten

Seine zweisprachigen Kinderbücher sind für den Pädagogen zugleich ein Beitrag für die Vermittlung zwischen den Kulturen. So entstand Anfang 2000 mit den ersten Flüchtlingsbaracken in Sechtem ein deutsch-türkisches Kinderbuch („Kinder in der Fremde“), das die in Sechtem lebende Flüchtlingsfamilie Omput porträtiert, die Rost durch seinen Hund Nero kennenlernte, den die Leckereien der kurdischen Familie lockten.

Rost folgte nicht nur seinem Hund, sondern auch den Geschichten, die sich durch Zufälle ergeben. Darum begibt er sich auch gerne auf Friedhöfe und spricht dort die Besucher an: „Die haben Zeit und man erfährt viel über Land und Leute.“ Er genießt es, Zeit zu haben – für seine Lebensgefährtin und viele Freunde, fürs Segeln und Reisen und für die Entdeckungen, die er noch vor sich hat.

Die Ausstellung „DARss Weststrand“, eine Fotoserie von Bernd Rost, ist ab Samstag, 5. November, bis zum 31. Dezember im Bürgerzentrum Ehrenfeld, Köln, Venloer Straße 429, zu sehen. Die Eröffnung findet in Anwesenheit von Rost an diesem Samstag um 16 Uhr statt.

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