Vorsitzender des CDU-Ortsverbands: Chronik zur Eingemeindung von Hersel veröffentlicht

Vorsitzender des CDU-Ortsverbands : Chronik zur Eingemeindung von Hersel veröffentlicht

Zum 50. Jahrestag hat der Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Hersel, Rüdiger Prinz, die Geschichte der Eingemeindung nach Bornheim aufgearbeitet. Sein Urteil: Den Herselern passierte "eine riesige Ungerechtigkeit".

Der Wunsch nach einer „angeregten Diskussion“ über die vor 50 Jahren stattgefundene Eingemeindung der ehemaligen Gemeinde Hersel in die damalige Gemeinde Bornheim dürfte für den Herseler Rüdiger Prinz in Erfüllung gehen. Spätestens dann, wenn seine „Festschrift zum 50. Jahrestag der Eingemeindung der Gemeinde Hersel“ genannte Chronik der damaligen Ereignisse – anlässlich der Herseler Großkirmes – erscheinen wird.

Auf 80 Seiten werden dort „ungeschönt die Ereignisse der 1960er Jahre und wie es letzten Endes zur Eingemeindung 1969 gekommen ist“ dargestellt, wie es im Vorwort heißt. Und das etwa ein Jahr, nachdem die Herseler Stefan Großmann und Hans-Peter Mühlens Prinz Anstoß und Rückendeckung zu seiner umfangreichen Recherche gegeben hatten.

„Es ist eine riesige Ungerechtigkeit, die den Herselern vor fünfzig Jahren passiert ist“, sagt Autor Prinz, der sich selber als „ein Lokalpatriot im besten Sinne“ bezeichnet. Zehn Monate lang verbrachte der Hardthöhe-Offizier jede freie Minute mit dem Studium historischer Schriften und mit Archivbesuchen. Der 1983 geborene studierte Volkswirt denkt darüber nach, die bisherigen Ergebnisse als Grundlage einer Dissertation weiterzuverfolgen.

Prinz: Gegenseite war besser vernetzt

Er sei zwangsläufig zu dem Schluss gekommen, dass es bei der Eingemeindung Hersels nur durch die bessere Vernetzung der Gegenseite zur Niederlage seines Heimatortes kommen konnte. „Das liegt einzig und alleine daran“, sagt Prinz, der seit sechs Jahren auch Vorsitzender des Herseler CDU-Ortsverbandes ist, „dass sich in Hersel damals wie heute zwar jeder über die Politik aufregt, aber keiner mitmacht.“ Und wer sich nicht beteilige, so sein bedauerndes Fazit, der müsse eben damit leben, fremdbestimmt zu werden.

Teilweise ist diese Einsicht auch in den Grußworten Prominenter wiederzufinden, die Prinz für die Festschrift gewinnen konnte. So folgert heute NRW-Innenminister Herbert Reul aus der damaligen Gebietsreform, dass Entscheidungen nicht einfach über die Köpfe der Bürger hinweg getroffen und umgesetzt werden dürften und die Politik gelernt habe, dass Bürgernähe in der Kommune, „da, wo die Menschen zu Hause“ sind, anfange.

Zwischen dieser Erkenntnis und der Annahme von Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler, heute könne sich wohl kaum noch ein Bornheimer vorstellen, „nicht zum großen Ganzen zu gehören“, liegt ein kenntnisreicher Blick des Autors auf den Teil der Heimatgeschichte, die bis heute noch nicht von allen Herselern gut geheißen wird.

Marx: Hersel wurde "arm verheiratet"

Uedorfs Ortsvorsteher Bernd Marx bewertet die damalige Entscheidung zur Eingemeindung Hersels mit einem kritischen Blick auf die heutige Situation: „Eine sinnvolle Fusion der Gemeinden Wesseling und Hersel wurde abgelehnt. Schaut man sich mal die Straßen und Entwicklung in Urfeld an – im Gegensatz zu Hersel, Uedorf oder Widdig –, merkt man schnell, dass wir 'arm verheiratet' wurden. Ohne die Finanzkraft Hersels wäre die neue Flächengemeinde Bornheim nicht lebensfähig gewesen.“

Noch kurz vor der Eingemeindung wollte man, so Marx weiter, eine Buslinie durch die Rheinorte fahren lassen und ein Schwimmbad neben dem Herseler Friedhof bauen. Die Buslinie gebe es immer noch nicht, und wo das Schwimmbad gebaut wurde, sei jedem bekannt.

Franz-Josef Faßbender, Ortsvorsteher von Hersel, findet versöhnlichere Worte, indem er darauf hofft, dass aus der bereits 50 Jahre andauernden „Zwangsheirat“, doch noch eine Liebesgeschichte werden könnte, „damit sich alle Familienmitglieder gut miteinander verstehen und jeder etwas vom großen Kuchen abbekommt“.

Der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß hebt hervor, dass die Herseler über fünf Jahrzehnte hinweg ihre eigene Identität bewahrt hätten. Das sei nicht zuletzt der große Verdienst zahlreicher ehrenamtlicher Bürger, die sich in Kirche, Politik und Gesellschaft engagierten, schreibt Krauß.

Vorgeschichte begann schon 1815

Auf eindrucksvolle Weise hat Prinz sein Engagement für Hersel, für seine Heimat und sein Zuhause mit der Festschrift dokumentiert. So schildert der überwiegende Teil der Chronik den teilweise skurril anmutenden Verlauf der Eingemeindung Hersels. Die wechselhafte Vorgeschichte reicht von der Gründung der „Mairie de Hersel“, zu der ab 1815 die Gemeinden Hersel, Uedorf, Widdig, Urfeld, Ober- und Unterwesseling sowie Keldenich gehörten, über die Kreisreform in der preußischen Rheinprovinz, in der der Landkreis Bonn einen Teil des Amts Hersel – mit der aufblühenden und steuerstarken Industriegemeinde Wesseling und der Gemeinde Keldenich – an den Landkreis Köln abtreten musste, bis es 1932 zur Vereinigung des Restamts Hersel mit dem Amt Waldorf kam, das sich 1934 in „Amt Bornheim“ umbenannte. Dieses ließ aus den Ortschaften Hersel, Uedorf, Widdig und Urfeld die Gemeinde Hersel werden.

Mit Beginn der kommunalen Neugliederung in den 1960er Jahren begann das Gezerre um die Rheindörfer. Akribisch zeichnet Prinz das politische Gerangel um Land, Macht und (Steuer-)Geld auf. Wer nach dem Lesen das Grußwort von Wesselings Bürgermeister Erwin Esser („erst Hersel macht Bornheim zu einer Stadt am Rhein“) noch nicht vergessen hat, könnte versucht sein, die eingangs erwähnte „angeregte Diskussion“ fortzuführen.

Das gemeinsame Schlusswort der beiden Ratsherren Rüdiger Prinz und Stefan Großmann endet mit dem eindringlichen Appell, das Dorfleben in Hersel nicht sterben zu lassen. „Engagiert euch in einem der zahlreichen Herseler Vereine und prägt das Leben im Dorf mit. Bringt aber auch das Dorf voran und verleiht seinen Anliegen und den zu lösenden Problemen Gewicht.“ Kaum ein anderes Dorf sei parteipolitisch derart unterrepräsentiert wie die Orte der ehemaligen Gemeinde Hersel. Ein Einsatz für Hersel könne unter (fast) allen politischen Farben nur ein Gewinn für die Rheinorte sein.

Die Festschrift wird auf der Herseler Großkirmes, 30. August bis 3. September, kostenlos erhältlich sein. Willkommene Spenden werden zum Nachdruck einer zweiten Auflage verwendet.

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