Veraltete Technik, maroder Beton: Bornheimer Schwimmbad muss umfassend saniert werden

Veraltete Technik, maroder Beton : Bornheimer Schwimmbad muss umfassend saniert werden

Badwassertechnik, Heizung, Lüftung, Elektrotechnik, die Betonkonstruktion und das Dach: In allen diesen Bereichen muss das Bornheimer Schwimmbad saniert werden - inklusive Brandschutz. Die Kosten dafür liegen im siebenstelligen Bereich.

Ulrich Rehbann hat einen maritimen Vergleich parat. Der Bereich des Bornheimer Schwimmbads, durch den er gerade führt, erinnere doch ein wenig an den Maschinenraum eines Schiffes, meint der Vorstand des Stadtbetriebs Bornheim (SBB). Denkt man in diesem Bild weiter, ließe sich sagen, dass es den Maschinen im Kellergeschoss des Bads immer schwerer fällt, das Schiff auf Kurs zu halten. Bevor es zu sinken droht, muss gehandelt werden. Und das wird teuer.

1973 wurde der Grundstein für das städtische, mittlerweile vom SBB betriebene Hallenfreizeitbad an der Rilkestraße gelegt, 1975 wurde es fertiggestellt. Rund neun Millionen Mark hatten der Hallen- und Freibadbereich jeweils gekostet. "Das Bad war damals topmodern", sagt Rehbann. Er verweist auf Artikel in Fachzeitschriften. Mittlerweile sei die Anlage aber in die Jahre gekommen, so Rehbann weiter. Zugleich betont er, dass der Schwimm- und Saunabetrieb aktuell nicht beeinträchtigt sei. Damit das auch so bleibt, wird - um ein anderes Bild zu wählen - kaum ein Stein auf dem anderen bleiben.

Badwassertechnik, Heizung, Lüftung, Elektrotechnik, die Betonkonstruktion und das Dach: In allen diesen Bereichen muss saniert werden - inklusive Brandschutz. Für Rehbann steht fest, dass die Koordinierung eines solchen Projekts nicht mit hausinternen Kräften zu stemmen ist. "Wir holen einen Projektsteuerer ins Boot", erklärt er. Dafür wolle er sich durch die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) mit Sitz in Essen beraten lassen. Ende 2020 soll feststehen, was im Schwimmbad alles genau getan werden muss - und was es kosten wird. Rehbann geht bereits jetzt von einer siebenstelligen Summe aus. Klar ist auch bereits jetzt, dass Arbeiten in einem solchen Umfang nicht ohne Betriebsbeeinträchtigungen erfolgen können. "Wir werden über Schließzeiten nachdenken müssen", so Rehbann. Dafür werde man sich mit Vielnutzern des Bads aber abstimmen, fügt er hinzu. Und vielleicht sei es ja möglich, dass jeweils einzelne Bereiche des Bads geöffnet bleiben können, ergänzt Michael Kleist, der seit Anfang 2019 Leiter des Schwimmbads ist.

Kleist und der Technische Leiter der Einrichtung, Lars Kaiser, führen zusammen mit Rehbann durch die "Unterwelt" des Schwimmbads. Selbstredend seien im Laufe der Jahrzehnte immer wieder Teile des Bads repariert, ausgebessert und erneuert worden, betonen alle drei. Rehbann verweist auf die neuen Edelstahlbecken oder die Betonsanierung am Eltern-Kind-Becken. Die letzte größere Sanierung habe es Anfang der 2000er Jahre gegeben.

Kaiser lenkt den Blick auf die Wasserzufuhr von außen. Auch diese ist bereits erneuert worden. "Die war so marode, dass es geknallt hätte", sagt Kaiser. Folgt man dem Verlauf der Rohre, sieht man aber sofort, wo neu aufhört und alt beginnt. Rostige und verkalkte Stellen an Leitungen sowie Wasserschäden in den Betonwänden sind nicht zu übersehen. "Die Massagepumpe läuft quasi seit 40 Jahren", erläutert Kaiser während des rund 30-minütigen Rundgangs - und die Filteranlagen seien noch die erste Generation. Dann bleibt Kaiser an einem Schaltschrank stehen und öffnet ihn. Er ist recht neu. Von einem anderen Schaltschrank kann man das nicht behaupten. Die Kabel in ihm seien für die feuchte, chemische Luft im Technikbereich des Bads sehr anfällig, erläutert Kaiser. "Da können Sie die Uhr nach stellen, einmal im Monat geht ein Kabel ab."

Von der Sanierung erhoffen sich die drei Schwimmbad-Verantwortlichen auch Einsparungen beim Energieverbrauch. Sofern der Verwaltungsrat des Stadtbetriebs nach einem vorliegenden Konzept und Kostenplänen sein Okay gibt, wird sich in den kommenden Jahren im Untergeschoss des Bornheimer Hallenfreizeitbads einiges tun. Kaiser kennt das Bad und dessen Technik seit Jahrzehnten. Ob er es nach der Sanierung noch wiedererkennen wird? "Wer weiß", sagt er. "Warten wir mal ab."

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