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Kita-Streik: Bornheimer Rathaussturm der anderen Art

Kita-Streik : Bornheimer Rathaussturm der anderen Art

"Warum wird ausgerechnet in Widdig keine Notgruppe eingerichtet?" Antworten auf solcherlei Fragen verlangten Eltern am Freitag beim Sturm auf das Bornheimer Rathaus.

Bobbycar-Rennen in der Bürgerhalle, Lego-Bauwerke vor den Ausstellungsvitrinen und ein provisorischer Wickeltisch auf dem römischen Weihestein im Treppenhaus: Mit Trommeln, Rasseln und Tröten sorgten rund 80 Eltern und Kinder der drei bestreikten Kitas im Bornheimer Stadtgebiet - "Klapperschuh" in Sechtem, "Das Baumhaus" in Roisdorf und Römerstraße Widdig - am Freitagmorgen für einen Rathaussturm der etwas anderen Art.

Drei Streikwochen sind genug. "Wir wollen die Verantwortlichen wachrütteln", erklärte Anne Bley, die die Protestaktion als Elternratsvorsitzende der Widdiger Kita organisiert hatte.

Mit einem offenen Brief an die Stadt und an die Gewerkschaft verdi wurde der Forderung, endlich eine Einigung im Tarifstreit zu erzielen, Nachdruck verliehen. "Dieser Streik muss ein Ende haben", unterstrich Bley. "Die Leidtragenden bei diesem Arbeitskampf sind nicht die Arbeitgeber. Er trifft die Falschen. Nämlich die Kinder und ihre Familien."

"Warum wird ausgerechnet in Widdig keine Notgruppe eingerichtet? Warum zahlt die Stadt die Kindergartenbeiträge nicht zurück? Warum sprechen Sie nicht mit den Gewerkschaften?" Antworten auf diese Fragen wollten die Eltern von Sozialdezernent Markus Schnapka bekommen, der sich den Protestierenden in der Bürgerhalle stellte.

Schnapkas Verweis auf die Haushaltssituation der Stadt wurde dabei nicht gelten gelassen. "Warum zahlt Wesseling? Warum zahlen Köln und Dortmund?" Auch das Angebot, die eingesparten Personalkosten auf die städtischen Kitas zu verteilen, fand keinen Anklang. Das Geld solle nur den Kitas zugute kommen, die auch bestreikt worden seien, forderten die Eltern. Hierauf ließ sich Schnapka insofern ein, als die Elternvertreter der betroffenen Kitas in die Modalitäten der Mittelverteilung einbezogen werden sollen.

In Bezug auf Notplätze sei das vorhandene Personal an der Grenze der Belastbarkeit, so Schnapka. Dennoch sicherte er zu, sich auch in Widdig um die Einrichtung einer Notgruppe zu kümmern. Vorerst sollen die Eltern das Außengelände und den Bewegungsraum nutzen können. Die Aufsicht über die Kinder muss allerdings zunächst selbst organisiert werden.

"So können die Kinder zumindest in ihrer gewohnten Umgebung gemeinsam mit ihren Freunden spielen", freute sich Bley über das Zugeständnis.

Auf Kritik stieß die Abwesenheit von Bürgermeister Wolfgang Henseler. Hier fanden die Streikenden ein leeres Büro vor. "Wir haben die Aktion beim Ordnungsamt angemeldet. Da der zuständige Mitarbeiter nicht zu erreichen war, könnte es sein, dass die Information nicht weitergegeben wurde", versuchte Bley, die Wogen zu glätten. Schnapka, der den offenen Brief der Elternschaft am Morgen erhalten hatte, wurde vom Protest überrascht. "Ich wusste nichts von dem Vorhaben, bewerte es aber durchaus positiv", sagte er.

Bei alldem schwindet bei manchen Eltern das Verständnis für die Forderungen der Erzieherinnen. "Anstatt auf den unrealistischen Bedingungen zu beharren, sollte lieber für mehr Erzieher und kleinere Gruppen gekämpft werden", meinte Christin Röder, Mutter eines Kindes, das die Kita "Klapperschuh" besucht. Mutter Sonja Rothkamp aus Widdig sieht bereits den Problemen nach Ende des Streiks entgegen. "Einige Kinder hatten sich gerade mit Mühe und Not an den Kita-Alltag gewöhnt. Nach einer solch langen Pause kann man dann wieder von vorne anfangen. Nach den Sommerferien kommen dann noch die neuen Kinder hinzu, die ebenfalls eingewöhnt werden müssen."

Neben Eltern und Kindern hatten sich auch einige Erzieherinnen vor dem Bornheimer Rathaus positioniert. "Wir wollen unsere Unterstützung der Elternschaft bekunden und Gesprächsbereitschaft signalisieren, damit sich die Fronten nicht total verhärten", meinte Renate Ebel von der Kita "Lummerland" in Roisdorf.