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So viele Unternehmen wie noch nie: Bornheimer Berufsmesse mit Ausstellerrekord

So viele Unternehmen wie noch nie : Bornheimer Berufsmesse mit Ausstellerrekord

Es mangelt an Fachkräften: 60 Unternehmen, Industrie-, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe aus der Region werben in der Turnhalle der Europaschule um Azubis.

Konzentriert beobachtet Josten Ceqeda, wie die Lichtschranke funktioniert, die Dirk Borkenhagen, Ausbildungsleiter bei InfraServ Knapsack aus Hürth, gerade erläutert. Dabei handelt es sich um ein System, das die Unterbrechung eines Lichtstrahls erkennt und als elektrisches Signal anzeigt. Doch nicht nur dafür interessieren sich die 15-Jährige und ihre Eltern, sondern auch für die Ausbildungsplätze in dem Unternehmen und welche Schulabschlüsse dafür benötigt werden.

InfraServ Knapsack war eines von 60 Unternehmen, Industrie-Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben, die sich am Samstag bei der siebten Berufsmesse der Bornheimer Verbundschule, der Heinrich-Böll-Sekundarschule, der LVR-Ernst-Jandl-Schule und der Europaschule Bornheim in Kooperation mit der Stadtverwaltung präsentierten. Das Motto lautete „Fachkräfte für die Zukunft sichern“. Jede Menge Besucher bevölkerten die Turnhalle der Europaschule, um sich nicht nur über Ausbildungsgänge, sondern auch ein duales Studium zu informieren.

André Decker, stellvertretender Leiter der Uedorfer Verbundschule und seit Jahren einer der federführenden Organisatoren einer der mittlerweile größten Berufsinformationsmessen in der Region, freute sich über die gute Resonanz. „Wir haben 2011 mit 30 Ausstellern angefangen. Jetzt mit der doppelten Anzahl haben wir eine maximale Grenze erreicht.“

Auch ein duales Studium ist möglich

Für die Bornheimer Schüler ist der Besuch verpflichtend, so dass „viele Aussteller auch deshalb schon ein Interesse haben, mit einem Stand vertreten zu sein“, sagte Decker. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen vergeblich Mitarbeiter und Auszubildende suchen. „Wir haben in Bornheim eine sehr geringe Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent. Da ist es schwierig, neue Mitarbeiter zu finden“, unterstrich Sebastian Römer von der Wirtschaftsförderung Bornheim.

Das gilt auch für die Technologieagentur Tarent Solutions aus Bonn-Duisdorf mit dem Schwerpunkt Softwareentwicklung. Erstmals lagen dort in diesem Jahr weniger Bewerbungen als sonst vor. Das war auch der Grund, weshalb das Unternehmen sich noch kurzfristig angemeldet hat. Ausbildungsleiter Stefan Walenda warb mit dem „tollen Betriebsklima in seiner Firma und den beruflichen Möglichkeiten“.

So bietet die Firma nicht nur eine dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker an, sondern mit einem zusätzlichen halben Jahr zugleich auch den Abschluss eines Studiums in mathematisch-technischer Software-Entwicklung. Fünf bis acht Azubis möchte das Unternehmen im nächsten Jahr einstellen. Walenda hofft durch das persönliche Gespräch am Stand, Interesse bei dem einen oder anderen zu wecken. „Wir suchen dabei allerdings verzweifelt nach Frauen, um ein wenig die Quote zu heben.“

Regelmäßiger Betrieb herrschte am Stand von Paul Füllmer, Geselle bei einer Land- und Baumaschinenfirma mit mehreren Standorten im Kölner Raum und in Euskirchen – auch, wenn seine Beobachtung ist, dass das Interesse am Handwerk in den vergangenen Jahren einen deutlichen Rückgang verzeichnet. Füllmer: „Das kann man auch an den geringer gewordenen Bewerbungen ablesen.“

Vermittlung von Praktikumsplätzen

Der zwölfjährige Jan Schaub, der die Heinrich-Böll-Sekundarschule in Merten besucht, erkundigte sich bei der Bäckerei Voigt nach einem Praktikumsplatz. „Ich sehe mir gerne Backsendungen im Fernsehen an“, begründete der Achtklässler seine Wahl. Für seinen Sohn Finn nahm Vater Jan Becker Prospekte über die verschiedenen Medienberufe mit. „Er besucht die zehnte Klasse der Europaschule und will eigentlich Abitur machen. Wir haben jetzt aber die Gelegenheit genutzt, uns mal umzuschauen.“

Als Schirmherr fungierte Bürgermeister Wolfgang Henseler. „Heute müssen sich die Betriebe präsentieren, um Azubis zu bekommen. Für mich ist die Berufsmesse ein wenig Wirtschaftsförderung“, meinte er. Im kommenden Jahr wird der Ausbildungstreff allerdings nicht wie gewohnt in der Europaschule stattfinden, da die Turnhalle wegen Baumaßnahmen nicht zur Verfügung steht. „Räumliche Alternativen werden noch gesucht“, so Decker.

Die Berufsmesse nutzte zudem die Aktionsgemeinschaft „Jugend trifft auf Blaulicht – Gemeinsam als Team“, um jungen Menschen das Ehrenamt bei den verschiedenen Hilfsorganisationen näher zu bringen. Zu dem Bündnis gehören das Technische Hilfswerk, die Freiwillige Feuerwehr Bornheim, das Deutsche Rote Kreuz und die Malteser, die sich so mehr Nachwuchs erhoffen.