Zu viel Nitrat im Grundwasser: Bornheim will gewässerschonende Landwirtschaft

Zu viel Nitrat im Grundwasser : Bornheim will gewässerschonende Landwirtschaft

Wasserversorger und Landwirtschaft in Bornheim suchen gemeinsam nach Lösungen, nachhaltig und gewässerschonend zu sein. Noch überschreiten die Nitratwerte im Bornheimer Grundwasser die EU-Richtwerte.

Wenn Markus Königs mit seinem Bodenentnahmegerät über den Acker von Peter-Werner Decker in Hersel fährt, schaut er immer rückwärts. Per Knopfdruck rammt der Mitarbeiter des Betriebs einen Bohrstock in gewissen Abständen in den weichen Boden. Mit 16 Einstichen pro Hektar werden Proben aus verschiedenen Erdtiefen entnommen, um den Stickstoffgehalt im Boden einfach und schnell zu untersuchen.

Das Gerät hat der Arbeitskreis für Gartenbau, Landwirtschaft und Wasser im Wasserschutzgebiet Urfeld (GLWU) in diesem Jahr für rund 34.000 Euro angeschafft. Seit September ist das Gefährt, das den Landwirten der Kooperation von Landwirtschaft und Wasserversorger (Wasserbeschafftungsverband Wesseling-Hersel) kostenlos zur Verfügung steht, im Einsatz. Königs wird für die Probenentnahmen auf den Äckern der Landwirte von seinem Arbeitgeber in Hersel freigestellt. Vier bis fünf Proben können in der Stunde gezogen werden - je nach Bedarf.

"Das ist die beste Art zu messen. Früher wurde die Arbeit mit der Hand durchgeführt. Das war oft schwierig, wenn es so trocken war, weil man nicht immer in den Boden kam", erklärt Decker als Vorsitzender des Arbeitskreises. Auch andere Stoffe, wie beispielsweise Magnesium und Kalium, können gegen Gebühr untersucht werden.

Nitrat ist der wichtigste Nährstoff für Pflanzen

Mit den Ergebnissen der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt NRW (LUFA), die nach zwei Tagen bereits vorliegen, können die Landwirte bei der Bodenbehandlung schnell reagieren.

"Wenn wir wissen, was natürlich an Nitrat im Boden ist und wie viel fehlt, kann der Landwirt den fehlenden Anteil auffüllen. Nitrat ist als eine Form des Stickstoffs der wichtigste Nährstoff für Pflanzen", erklärt Tim Kollath, der als neuer Wasserschutzberater bei der Kooperation ebenfalls auf dem Hof Decker in Hersel zugegen ist. Kollath berät - gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer NRW - die Landwirte bei Bodenuntersuchungen, gibt Tipps in gewässerschonender Düngetechnik und neuen Anbauverfahren sowie beim Einsatz organischen Düngers.

Ziel der Kooperation ist der Anbau von Nahrungsmitteln auf höchstem Niveau, die sowohl wirtschaftlich als auch gewässerschonend produziert werden sollen. Und so ist es kein Wunder, dass auch die Qualität des Bornheimer Wassers zur Sprache kommt.

„Die Tendenz stimmt“

Laut EU-Richtlinien dürfen nur 50 Milligramm Nitrat pro Liter im Grundwasser enthalten sein, bisher finden sich in Bornheim immer noch 100 Milligramm pro Liter - vor 20 Jahren waren es gar 220 Milligramm. "Der momentane Wert ist immer noch zu hoch. Aber die Tendenz stimmt", zeigt sich Wolfgang Paulus, Leiter des Umwelt- und Grünflächenamtes, zufrieden mit der Entwicklung.

Die Stadt Bornheim, selbst Mitglied der Kooperation, bezieht 60 Prozent ihres Trinkwassers vom Wesselinger Wasserversorger, 40 Prozent kommen aus der Wahnbachtalsperre. Mit einem Ratsbeschluss von 2017 wird das Mischungsverhältnis zwischen beiden Wasserversorgern im kommenden Jahr bei jeweils 50 Prozent liegen.

Veränderung ist möglich

Die Entwicklung der Nitratwerte zeige, dass eine Veränderung möglich sei, zeigt Bürgermeister Wolfgang Henseler auf. "In Bornheim haben wir eine intensive Wasserdiskussion gehabt. Da ist die Kooperation ein tolles Beispiel für wirkungsvolle Zusammenarbeit."

Wachsender Beliebtheit erfreut sich bei den Landwirten mittlerweile auch die Aussaat von Zwischenfrüchten nach der Ernte der Hauptkulturen. So sollen die im Boden vorhandenen Nährstoffe besser genutzt werden. Das Saatgut für die Zwischenfrüchte stellt die Kooperation.

Der Arbeitskreis wurde 1997 im Einzugsgebiet des Wasserbeschaffungsverbandes Wesseling-Hersel als Maßnahme zur Minimierung der landwirtschaftlichen Düngung gegründet.

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