Bornheim: Nähkurs hilft Migrantinnen bei der Integration

Flüchtlingshilfe in der Region : Nähkurs hilft Migrantinnen in Bornheim bei der Integration

Das Stadtteilbüro Bornheim und die Flüchtlingshilfe bieten einen Nähkursus für Migrantinnen an. So sollen sie besser integriert werden. Sieben Frauen nehmen an diesem Angebot teil.

Auf dem Boden sitzt Soheil und spielt mit Autos. Mit seinen 14 Monaten kann der kleine Junge noch nicht laufen, dafür beobachtet er ganz genau seine Mutter Shekiea Sayar. Die 20-Jährige sitzt an einer Nähmaschine und legt den zusammengefalteten Stoff unter den Nähfuß. Langsam zieht sie ihn die Naht entlang. Shekiea ist eine von sieben Migrantinnen, die im katholischen Pfarrzentrum in Bornheim mit Nadel, Faden und an der Nähmaschine Mützen, Taschen, Mäppchen und Turnbeutel herstellen.

Seit August schneidern montags von 11 bis 13 Uhr Frauen jeden Alters unter der Leitung von Jutta Pfehr unterschiedliche Gebrauchsgegenstände. Die nächsten Wochen pausieren die Nachwuchs-Schneiderinnen, denn der Kursus wird im neuen Jahr – am 6. Januar – fortgesetzt. Die Nachfrage ist groß. Anmeldungen sind nicht erforderlich, doch jede Woche kommen genügend Interessentinnen – einige können bereits nähen, andere benötigen Unterstützung und Hilfe.

Viele der Teilnehmerinnen kennen sich bereits aus dem Deutschkursus, den Hannelore Zündorf, Mitarbeiterin des Stadtteilbüros Bornheim, ehrenamtlich drei Mal in der Woche gibt – finanziell unterstützt von der Flüchtlingshilfe. Und so kam die Idee mit einem Nähkursus auf, der zugleich auch die Sprachkenntnisse der Frauen vertiefen kann und ihnen zu einer Perspektive verhilft.

Paul und Margret (rechts) Faßbender und Hannelore Zündorf (Mitte) schauen Somiya Nazari beim Nähen über die Schulter. Foto: Matthias Kehrein

Für Zündorf erhalten „die Frauen quasi eine Ausbildung für Zuhause“. Denn besonders die Frauenförderung liegt der pensionierten Englischlehrerin am Herzen. Damit auch Mütter kleiner Kinder teilnehmen können, hat die Flüchtlingshilfe für den Kursus eine Kinderbetreuung organisiert. So sind die Frauen auch nicht abgelenkt, wenn es ans Zuschneiden und Maßnehmen geht.

Hin und wieder gibt Pfehr Tipps und Anregungen zu ungewöhnlichen Schnitten, denn die Brenigerin, die sich das Nähen autodidaktisch beigebrache, hat mittlerweile ein eigenes Label. Ihre Schützlinge profitieren von Pfehrs großem Erfahrungsschatz.

Faßbender Stiftung unterstüzt Nähkurs für Migrantinnen in Bornheim

Finanziell unterstützt hat das Projekt die Alfterer Faßbender Stiftung. Paul und Margret Faßender überzeugten sich bei einem Besuch des Kursus selbst vom Erfolg der Initiative. „Als wir davon erfahren haben, war es für uns keine Frage zu helfen. Denn hier wird nicht nur die Sprache spielerisch und besser als in jedem Deutschunterricht erlernt. Es ist auch die beste Art, sich zu integrieren“, freut sich Paul Faßbender.

Sind einmal alle Plätze an den Nähmaschinen besetzt, wird entweder mit der Hand abgesteckt oder etwas mit den Kindern gespielt. Mit Begeisterung ist auch Arlete Dianguini bei der Sache. Seit einem Jahr lebt die Angolanerin mit ihrer 18 Monate alten Tochter in Bornheim. Noch hat sie Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, aber hier und da kommt sie schon mit ihren afghanischen Sitznachbarinnen ins Gespräch. „Ich finde das hier einfach gut. Es macht mir großen Spaß.“

Shekiea Sayar geht seit ihrer Kindheit gerne mit Nadel und Faden um. „Mit der Nähmaschine zu nähen, ist schon toll“, sagt die junge Mutter, die stolz auf ihre erste selbst genähte Schultertasche ist. Abide Kohi hat ein Schulmäppchen für ihren Sohn hergestellt, denn „der Reißverschluss des ersten funktioniert nicht richtig“. Die 27-jährige alleinerziehende Mutter aus Afghanistan kennt das Pfarrzentrum von ihrem Deutschunterricht. Als sie vor vier Jahren nach Bornheim kam, konnte die junge Frau weder lesen noch schreiben.

Sie absolvierte einen Alphabetisierungskursus, mittlerweile spricht sie fließend Deutsch. „Wenn ich Zeit habe, nähe ich gerne. Das ist mein Hobby und macht Spaß.“ Jede Woche überlegen sich die Teilnehmerinnen, was sie nähen möchten und was in zwei Stunden zu schaffen ist. „Denn jede Frau soll mit einem Erfolgserlebnis nach Hause gehen“, macht Pfehr deutlich.

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