1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Bornheim

Bornheim-Merten: Töpfertag fand trotzt Corona-Krise statt

Einblicke in Kunst und Handwerk : Mertener Töpfertag fand trotzt Corona-Krise statt

Der Corona-Krise zum Trotz fand der Tag der offenen Töpferei in Merten statt - inklusive Desinfektion am Eingang. Die Besucher kommen zum „Schauen, Anfassen, Staunen“.

Allen Absagen wegen des Coronavirus zum Trotz – die Keramikmeisterin Edle von Frantzius öffnete am vergangenen Wochenende ihren Töpferhof in der Mertener Kapellenstraße 1. Denn auch beim 15. Tag der offenen Töpferei wollte die 76-jährige Künstlerin auf jeden Fall dabei sein. Unter dem Motto „Schauen, Anfassen, Staunen“ konnten sich interessierte Besucher zwei Tage lang die unterschiedlichsten Exponate der vergangenen Jahre ansehen.

Außerdem präsentierten Schülerinnen von Frantzius ihre selbst getöpferten Objekte. Noch kurz vorher wurde in Atelier und Werkstatt eine Öffnung der Räumlichkeiten hin und her überlegt, mit Vorkehrungen wie desinfizierten Türklinken und einem obligatorischen Händewaschen vor dem Betreten des historischen Fachwerkgebäudes trug die Keramikmeisterin den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts Rechnung.

Ausstellung ist bis Ende März zu sehen

Und die Ausstellung ist nach individuellen Terminabsprachen noch bis Ende März zu sehen. „Ich hatte ursprünglich schon Angst vor meiner eigenen Courage. Aber jetzt bin ich froh. An beiden Tagen fand ein entspanntes Begegnen mit netten Gesprächen statt“, freute sich die gebürtige Aachenerin.

Der Tag der offenen Töpferei hat Tradition. Seit einigen Jahren schon können Keramikfans jeweils am zweiten Märzwochenende in unterschiedlichen Werkstätten Neues bestaunen, sich die Arbeit mit Ton fachgerecht erklären lassen oder auch – wie das Angebot für Kinder in Merten zeigte – selbst zum Künstler werden und aus Ton etwa verschiedene Frösche auf Wanderschaft formen.

So sitzt die fünfjährige Lina hochkonzentriert im Kursraum, in der Hand knetet sie eine Kugel, allmählich entwickelt sich daraus eine Maus. „Ich mag spitze Formen. Das war eben noch ein Vogel“, erklärte die kleine Bonnerin. Stolz schaut Mutter Miriam Schmitz zu. Die Kunst- und Englischlehrerin am Städtischen Gymnasium in Rheinbach würde selber gerne das Töpfern erlernen, „aber bisher fehlt mir als alleinerziehende Mutter dafür einfach die Zeit“, so die 40-jährige Malerin, die ihre Berufung in ihrer Freizeit immer noch ausübt. Bevor sie nach Merten kamen, hatten Mutter und Tochter schon eine Töpferei in Königswinter besucht, wo sie Einblick ins Glasieren erhielten, „aber modellieren gefällt mir besser“, sagt Lina.

Weitgefächerte Bandbreite

Auf einem Regal an der Seite zeigt Keramikschülerin Birgit Weidenbrück den Besuchern ihre Tierexponat. Derzeit arbeitet die 58-jährige Waldorferin jedoch an menschlichen Porträts. Aus Modellierton mit Schamottesteinen entstehen männliche Gesichter, die Nasen sind noch ein wenig plump. Nach der Modellierung folgt der Schrühbrand – der erste Brand bei einer Ofenwärme zwischen 900 und 1100 Grad Celsius – bei dem sich der Ton schon ein wenig verfärbt. Der Künstler entscheidet, ob noch eine Glasur aufgetragen wird oder nicht. Die Glasur kann mit dem Pinsel aufgestrichen oder aus der Flasche aufgesprüht werden. Möglich ist auch, das Exponat in eine Glasurflüssigkeit einzutauchen.

Der zweite Brand dauert dann vom Hochfahren des Ofens bis zum Abkühlen zirka 18 Stunden. „Bei den Tieren habe ich die Anatomie und die Proportionen bestens gelernt. Ein Beispiel dafür ist das markante Hinterteil des Bären“, erklärte Weidenbrück, die seit dem vergangenem Jahr jeden Dienstag im Kurs von der Töpferhofchefin unterrichtet wird.

Von Frantzius gibt in ihrer Ausstellung einen Einblick in die weitgefächerte Bandbreite ihres schöpferischen Könnens. Ob Gebrauchsgeschirr, Dekoartikel oder kreative Köpfe – die Objekte sind manchmal filigran, manchmal robust, aber immer sind sie konzeptionell und technisch vielfältig. Die Raku-Objekte sind dafür ein gutes Beispiel.

Unterschiedliche Brennintensität

In der Töpferei bieten sechs verschiedene Öfen die gewünschte und je nach Material unterschiedliche Brennintensität. In einem Seitenraum sind die Glasuren untergebracht, sortiert nach Brennfähigkeit. In einem weiteren Raum stehen zahlreiche Behälter mit Grundstoffen für die Glasuren – wie zum Beispiel Quarz, Kölner Feldspat und saarländischer Quarz. „Das Abmessen der Zutaten für die Glasuren ist schon eine Wissenschaft für sich“, erläutert von Frantzius schmunzelnd.

Sie arbeitet immer noch jeden Tag, wenn „die Kraft und die Impulse da sind“, sagt die 76-Jährige. Stolz ist sie auf ihren „Pranger“ im Eingangsbereich – ein Werk, das sie für die Ausstellung „Dante und ich“ im Jahr 2013 (zu sehen unter anderem in der Burg Adendorf) geschaffen hat. Darin werden Eigenschaften wie Zügellosigkeit, Völlerei, Ignoranz oder Geiz personifiziert. Sie freut sich immer wieder, wenn Besucher ihren Töpferhof aufsuchen.

Individuelle Besichtigungen sind nach Terminabsprache unter (02227) 29 64 immer möglich.
Wegen der Coronagefahr wird der Kursus für Erwachsene am Dienstag bis Ende März ausgesetzt.