Bornheim: Kommt doch kein Studentenhotel auf das Collo-Gelände nach Hersel?

Ehemaliges Collo-Gelände : Kommt doch kein Studentenhotel nach Hersel?

Den Plänen eines Investors, ein modernes Wohnheim auf dem ehemaligem Collo-Gelände zu bauen, widerspricht nun die Stadt: Wohnungen sind im Gewerbegebiet nicht erlaubt. Währenddessen hat Collo ein weiteres Grundstück verkauft - an den Discounter Lidl.

Im November 2018 hatte die Firma Bonafide Immobilien zur Pressekonferenz auf dem Petersberg geladen. Dort stellte sie ihre Pläne für ein Studentenhotel auf dem Gelände der Firma Collo an der Simon-Arzt-Straße in Hersel vor. Von einem Dorf mit Sportanlagen, Café und Mensa, 264 möblierten Zimmern für Studenten, aber auch andere Bürger, täglichem Ein- beziehungsweise Auschecken war die Rede. Nun erklärt die Stadt Bornheim auf Nachfrage: Auf dem Grundstück darf gar kein Wohnheim gebaut werden.

„Ein Studentenwohnheim ist in Hersel an dieser Stelle planungsrechtlich nicht zulässig“, sagt Manfred Schier, Erster Beigeordneter der Stadt Bornheim dem General-Anzeiger. Bei dem Gelände handele es sich nämlich um Gewerbefläche. Wohnnutzung sei dort nicht erlaubt – ein Hotel hingegen schon. Das Studentenhotel von Bonafide Immobilien trage das Wort „Hotel“ zwar im Namen, sei im Prinzip aber ein Wohnheim. Eine Baugenehmigung liege Schiers Wissen nach nicht vor. Der Beigeordnete geht davon aus, dass der Investor seine Pläne gerade ändere.

Das Unternehmen beantwortete eine Anfrage dazu knapp: „Leider können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen, da sich das Projekt derzeit in einer Umplanung befindet.“

Übergabe an Bonafide Ende März

Die Übergabe des Grundstücks, auf dem seit den 1960er Jahren die Bornheimer Firma Collo ihren Sitz hat, ist für Ende März geplant, sagt Firmenchef Lutz Irgel. Der 85-Jährige verlässt die Nachbarschaft nach eigener Aussage mit einer gehörigen Portion Wehmut. Den Standort aufgeben zu wollen, hatte er im Sommer 2018 der Öffentlichkeit mitgeteilt. Die Nachfolge im Familienunternehmen hatte sich als schwierig gestaltet und so entschied sich der Chef, das Grundstück an Bonafide Immobilien zu verkaufen und Collo zu verkleinern.

Das Ende der Firma, die dieses Jahr ihr 85-jähriges Bestehen feiert, bedeutet das aber nicht. „Wir werden mit einer Überraschung aufwarten“, sagt Irgel. „Vermutlich bleiben wir der Branche treu.“ Details seien aber noch nicht spruchreif. Collo ist für seine Produkte zur Reinigung, Pflege und zum Schutz von Elektrogeräten wie Kühlschränken, Backöfen und Autos bekannt. Insgesamt hat Irgel bei Collo 27 Patentprodukte begleitet, darunter weltweite Patente und Produkte, die es vorher nicht gab. Stolz erzählt Irgel von einem Filter gegen Fischgeruch, der 4,8 Mal besser wirkt, als seine Vorgänger. Auch mit 85 hat ihn der Unternehmergeist noch nicht verlassen: Aktuell arbeite Collo an einem Lederersatz, erzählt Irgel.

Lidl hält sich zu Plänen bedeckt

Mit einer weiteren Überraschung kann der Collo-Chef bereits jetzt aufwarten. Neben dem 11.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Simon-Arzt-Straße besaß das Unternehmen ein Grundstück gleicher Größe an der Roisdorfer Straße in Hersel, auf dem sich einst Lager, Versand und Labor des Unternehmens befanden. 7000 Quadratmeter hatte Irgel in der Vergangenheit bereits verkauft; dort hatten sich unter anderem Aldi Süd, Rossmann und die Bäckerei Voigt angesiedelt. Die verbliebene Fläche verkaufte er nun ebenfalls – an Aldis größten Konkurrenten Lidl.

Ob dort eine Filiale entstehen soll, beantwortete der Lidl-Konzern vage: „Auch in Bornheim wollen wir unseren Kunden moderne Einkaufsstätten (...) bieten. Daher sind wir immer an neuen Standorten interessiert und prüfen derzeit verschiedene Lagen.“

ARD drehte Aldi-Doku bei Collo

Am Sitz an der Simon-Arzt-Straße stehen die Zeichen derweil auf Abschied. Auf dem Hof stehen noch leere Wohncontainer, in denen die Stadt zur Hochzeit der Flüchtlingsbewegung Geflüchtete untergebracht hatte.

Das Lager im hinteren Teil ist verwaist, das Hauptgebäude wird nicht mehr geheizt – es habe sich nicht mehr gelohnt, den Öltank aufzufüllen, erklärt Irgels Frau Inge (83). Im Inneren erinnert das Gebäude an mit seinen holzverkleideten Wänden und altertümlichen Farbgestaltung an Büros der 50er Jahre. Nicht umsonst drehte die ARD hier zum Teil den Doku-Spielfilm „Die Aldi-Brüder“ über die Aldi-Gründer Karl und Theo Albrecht. 45 Tage hatte die Film-Crew in den Collo-Räumen gearbeitet.

Noch pendle Irgel jeden Tag von seinem Wohnort Sankt Augustin-Birlinghoven in die Simon-Arzt-Straße 2, erzählt er. „Märchenhaft, wie man damals gebaut hat“, sagt er über das Gebäude, das so stabil sei, dass man noch zwei Etagen daraufsetzen könne. Es zu entkernen und zu sanieren sei für das Familienunternehmen allerdings zu aufwendig gewesen.

Collo half Nachbarn mit ersten Computern

1960 sei das Gebäude Irgel zufolge sogar gesegnet worden: von Pater Adam Werner, der Professor für kanonisches Recht an der Universität in Rom und Prokurator der Redemptoristen war. Seine Familie sei zwar nicht katholisch, das Kreuz hinge trotzdem bis heute über der Tür zu seinem Büro. „Ich habe mich durchaus beschützt gefühlt“, sagt der Firmenchef – und es habe ihm viel Glück gebracht.

In einem Brief verabschiedete er sich von den Nachbarn, darunter die Möbelspedition Rothebo und der Fachgroßhandel Panno, zu denen er stets den Kontakt gepflegt habe. Als in den 60er Jahren Computer aufkamen, habe er der damaligen Zigarettenfabrik Sonntag bei der Einrichtung ihrer Technik geholfen, weil Collo schon einen Computer angeschafft hatte. „Wir hatten damals eine der besten Computeranlagen, ein IBM/36“ – raumfüllend und nur mit einem Kran in den ersten Stock verladbar, erinnert sich Irgel. „Damals hat es noch Gemeinschaft gegeben, deswegen hatte ich das Bedürfnis, mich zu verabschieden.“ Zuletzt habe er diesen bei Veranstaltungen die ungenutzten Parkplätze auf dem eigenen Gelände zur Verfügung gestellt. „Eine Selbstverständlichkeit“, so Irgel.