Bornheim: Ausstellung über Geschichte der Bonner Astronomie

Sternenkunde im Bornheimer Rathaus : Ausstellung zeigt die Geschichte der Bonner Astronomie

Eine Ausstellung in der Bürgerhalle zeigt Exponate aus der Geschichte der Bonner Astronomie. Zu sehen gibt es auch das Fernrohr, das 1863 bei der „Bonner Durchmusterung“ des Sternenhimmels benutzt wurde.

Weißt du, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? Selbst Friedrich Wilhelm August Argelander (1799-1875, siehe Info-Kasten) konnte die Frage aus dem berühmten Volkslied wohl nur vage beantworten. Eine Vorstellung von der gewaltigen Zahl hatte der Bonner Wissenschaftler aber auf jeden Fall.

Schließlich wurde er unter anderem durch sein Sternenverzeichnis, die sogenannten Bonner Durchmusterung, von 1863 weltberühmt. Argelander und seine Mitarbeiter katalogisierten mittels eines Fernrohrs mit nur knapp acht Zentimeter Öffnung mehr als 300 000 Sterne und legten damit den Grundstein der modernen Astrophysik.

Genau dieses Fernrohr ist Höhepunkt einer Ausstellung in der Bürgerhalle des Bornheimer Rathauses zu sehen, die jetzt von Bürgermeister Wolfgang Henseler eröffnet wurde. Sie ist als Begleitveranstaltung zur Tagung der Bundesdeutschen Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne (BAV), die am 22. und 23. November im Alexander von Humboldt-Gymnasium stattfindet, konzipiert.

Organisator ist der in Roisdorf lebende Astronom Michael Geffert, der auch als Leiter des Posaunenchores der Evangelischen Kirchengemeinde Vorgebirge bekannt ist. Geffert, der von 1976 bis 2019 unter anderem als Astronom am Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn tätig war, engagiert sich seit Jahren für die astronomische Öffentlichkeitsarbeit und begeistert auch Grundschulkinder für die Sternenkunde.

In seinem virtuellen Birtzberg Observatorium am Roisdorfer Siefenfeldchen wertet er historische Fotoplatten aus und entwickelt interdisziplinäre Projekte und Bildungsveranstaltungen. Im Beethovenjahr 2020 will Geffert beispielsweise der Beziehung von Astronomie und Musik auf den Grund gehen. Mit der Ausstellung in der Bürgerhalle hofft Geffert, viele Besucher für die Astronomie begeistern zu können. „Normalerweise sind Exponate wie das Fernrohr nur im Astronomischen Institut zu sehen“, erklärte er.

Weitere Ausstellungsstücke sind etwa Sternenkarten des „Carte du Ciel“-Projekts, der ersten vollständigen fotografischen Erfassung des Sternenhimmels. Zu finden sind aber auch Informationen für die eigene Beobachtung des Himmels mit einem Fernglas. „Heute würde Argelander seine Messungen wegen der starken Lichtverschmutzung über Bonn wohl eher im Vorgebirge durchführen“, meinte Geffert. „In Bornheim ist die Milchstraße noch in Ansätzen sichtbar.“

Der Ort für die Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne ist nicht zufällig gewählt: Alexander von Humboldt hatte einen intensiven Briefwechsel mit Argelander über die Erforschung und Benennung der veränderlichen Sterne. „Auf Humboldts Einfluss geht auch die besondere Benennung der veränderlichen Sterne, die heute noch gebräuchlich ist, zurück“, so Geffert.

Veränderliche Sterne sind Sterne, die ihre Helligkeit im Laufe von Stunden, Tagen oder Jahren ändern. Sie spielen in der Astronomie eine Schlüsselrolle bei der Bestimmung des Aufbaus des Universums und der Entwicklung von Sternen. Vor 175 Jahren regte Argelander an, das sich vor allem die Freunde und Förderer der Astronomie, also Liebhaberastronomen, um die Beobachtung veränderlicher Sterne bemühen sollten. Seine Vision wurde Wirklichkeit: Heute befassen sich in der BAV rund 200 Amateur- und Berufsastronomen mit der Beobachtung der veränderlichen Sterne.

Die Ausstellung ist bis Dienstag, 26. November, im Bornheimer Rathaus zu sehen. In einem öffentlichen Abendvortrag spricht am Freitag, 22. November, 19 Uhr Professor Oliver Schwarz aus Siegen im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, Adenauerallee 50, über die Beziehungen Alexander von Humboldts zur Astronomie und zu Argelander.