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„Bis zur Bewusstlosigkeit“: Bilanz der Polizei zur Weiberfastnacht in Bornheim

„Bis zur Bewusstlosigkeit“ : Bilanz der Polizei zur Weiberfastnacht in Bornheim

An Weiberfastnacht musste die Polizei in Bornheim 40 Platzverweise aussprechen, währen die Rettungsdienste 38 meist alkoholisierte Jugendliche versorgten. Eine Bilanz.

Polizei, Rettungsdienste und der Bornheimer Ordnungsdienst hatten am Weibertag alle Hände voll zu tun. Bei den Zügen in Kardorf und Roisdorf sowie bei der Party am Abend im Bauhof in Waldorf sprach die Polizei, die mit etwa 150 Kräften im Einsatz war, 40 Platzverweise aus und nahm vier junge Männer in Gewahrsam. Sie mussten in einer Zelle im Bonner Polizeipräsidium ausnüchtern. „Wir waren gefordert, es war kein ruhiger Weibertag“, bilanziert Polizeisprecher Simon Rott. Malteser-Hilfsdienst und DRK behandelten in Bornheim insgesamt 68 meist junge Leute.

Den schwersten Fall von Körperverletzung meldet die Polizei aus Kardorf. Dort saß ein junger Mann gegen 19 Uhr vor dem Festzelt auf dem Bordstein, als ihn ein Unbekannter von hinten gegen den Kopf trat. Das Opfer stand auf und ging zunächst zurück ins Festzelt, begab sich dann aber doch in die medizinische Betreuung der Malteser. Die Helfer transportierten ihn in die Bonner Uni-Klinik. Tatverdächtig ist laut Rott ein 19-Jähriger, der vor Ort einen Platzverweis erhielt. Zeugen des Vorfalls sollten sich unter ☏ 0228/150 bei der Polizei melden.

Bereits um 14.20 Uhr zog die Polizei in Kardorf den ersten deutlich alkoholisierten Jugendlichen aus dem Verkehr. Der 15-Jährige hatte 1,8 Promille im Blut, als er an der Grabenstraße angetroffen und seiner Mutter übergeben wurde. Gegen 15.30 Uhr kam es zu einer Schlägerei zwischen einer 16-Jährigen und einem 17-Jährigen am Siefenfeldchen in Roisdorf. Laut Polizei waren beide alkoholisiert. Sie hatten sich zunächst einvernehmlich geküsst, gerieten dann aber in Streit und schlugen sich gegenseitig. Die Polizei sprach einen Platzverweis gegen den 17-Jährigen aus, gegen beide laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung.

Gegen 23.35 Uhr kam es zu einer gefährlichen Körperverletzung vor der Marktschänke in Roisdorf. Dort wurde ein 30-Jähriger nach dem Verlassen des Lokals von einem 22-Jährigen geschubst und mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Dann wurde er von hinten zu Boden gerungen und von einer oder mehreren Personen mehrfach in den Bauch getreten und dabei leicht verletzt. Zwei Tatverdächtige wurden von der Einsatzhundertschaft angetroffen (22 und 20 Jahre alt). Alkotests ergaben bei den beiden Werte von rund 1,4 Promille.

68 Patienten, davon 38 unter 18 Jahren, behandelten der Malteser-Hilfsdienst und das DRK an Weiberfastnacht in Bornheim. Wie Ulf Krüger, Einsatzleiter der Malteser für den Rhein-Sieg-Kreis, mitteilt, waren davon 47 Behandlungen alkoholbedingt „bis zur Bewusstlosigkeit“ sowie kleine Verletzungen wie Schürfwunden nach Stürzen. Schnittverletzungen habe es wegen des Glasverbots kaum gegeben. 17 Leute mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

„Die allermeisten Jecken haben friedlich gefeiert, es herrschte eine fröhliche Atmosphäre“, fasst Bornheims Stadtsprecher Christoph Lüttgen zusammen. Vom Ordnungsamt waren 22 Kräfte im Einsatz. In Kardorf wurden 800 und in Roisdorf 1200 Jugendliche kontrolliert. Es wurden zehn Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Wildpinkelns eingeleitet. Zwölf Minderjährige landeten in der Obhut des Jugendamtes. Im Rucksack eines Elfjährigen fanden die Ordnungsdienstler eine halbvolle Flasche Kräuterlikör. Der 15-jährige Freund hatte sie seiner Oma weggenommen.

Für die Aktion „Keine Kurzen für die Kurzen“ schmierten im Stadtteilbüro acht Frauen 600 Brötchen für die Zugteilnehmer. Folgende Einrichtungen waren bei den Zügen vertreten: Jugendkulturbus 1237, Kulturraum Sechtem, Bornheimer Jugendtreff, Jugendförderung und Stadtjugendring. An den drei Standorten (Turm in Roisdorf, Travenstraße und Schulstraße in Kardorf) wurden neben den belegten Brötchen noch Suppe verteilt, außerdem etliche Kilo Bananen und Müsliriegel. Neben zahlreichen „Kurzen“ wurde gar ein halbes Fass Bier gegen Suppe und Berliner eingetauscht. Schließlich wurden rund 220 Liter Wasser ausgegeben.