Vorwahlen in den USA: Betrieb im „Wohnzimmer-Wahllokal“

Vorwahlen in den USA : Betrieb im „Wohnzimmer-Wahllokal“

In Merten wählten 50 Mitglieder der „Democrats Abroad“ im Wohnzimmer von Karen Schneider ihren Kandidaten für die US- Präsidentschaftswahl. Für zwei Tage diente das Privathaus als Wahllokal.

„Do you want to vote? “ – „Wollen Sie wählen?“ Diese Frage stellte Karen Schneider am vergangenen Wochenende mindestens 50 Mal. Wenn es an der Haustür schellte und kurz darauf völlig unbekannte Landsleute in das Haus an der Mertener Beethovenstraße marschierten, war die aus Michigan/USA stammende 57-Jährige in ihrem Element: Denn für zwei Tage diente ihr Wohnzimmer als Wahllokal für die Auslandsorganisation der Demokratischen Partei der Vereinigten Staaten von Amerika, den Democrats Abroad.

Amerikaner, die im Rhein-Sieg-Kreis, im Rhein-Erft-Kreis, in Bonn oder Köln wohnen, konnten am Freitag und Samstag ihre Stimme für einen Kandidaten der Demokraten abgeben – und so von Deutschland aus das Rennen zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders mitbestimmen. Unterstützt wurde Karen Schneider, die Vorsitzende für den Bezirk Köln/Bonn ist, von Quaide Williams, der den Democrats Abroad Deutschland vorsteht.

Erfreut zeigte sich die Anhängerin der Demokraten nicht nur davon, wie rege ihr „Wahllokal“ frequentiert wurde, sondern auch von den netten Gesprächen und neuen Kontakten, die sich dabei entwickelten. Denn viele Wähler nutzten das Angebot von Kaffee, Tee und Gebäck und blieben gerne ein wenig länger.

Chris Schroeer-Heiermann (48) war aus Köln angereist, um den Kandidaten Bernie Sanders mit seiner Stimme zu unterstützen. Der aus Illinois stammende Architekt hält es für wichtig, sein Stimmrecht in Amerika von Deutschland aus in Anspruch zu nehmen. „Es ist nun mal so, dass das Ergebnis der Wahl globale Auswirkungen hat“, meint er und ergänzt mit Blick auf den Kandidaten der Republikaner, Donald Trump: „Man muss dieser Art von Politik entgegentreten, die behauptet, die amerikanischen Grundwerte zu verteidigen, aber in Wahrheit nichts mehr mit diesen Werten zu tun hat.“ Stephan Richter-Bernburg (39) aus Bonn gab Hillary Clinton seine Stimme. Der in Deutschland geborene Sohn einer Amerikanerin engagiert sich seit der Obama-Wahl 2008 bei den Democrats Abroad. „Damals konnte man stolz auf das Land sein.“ Mit Blick auf Trumps Erfolg müsse man sich dagegen heute schämen. „Diese Entwicklung ist ernst zu nehmen, sie ist ein Zeichen für gesellschaftlichen Stress. Umso wichtiger ist es, seine Stimme dagegen zu setzen.“

Michèle Knigge, die aus Georgia stammt, war mit Ehemann Michael und Sohn Benjamin ebenfalls aus Bonn gekommen. Für sie war der kleine Ausflug nach Merten schlicht praktischer als die Briefwahl. „Ich schätze die Organisation, weil sie die Interessen von Amerikanern im Ausland vertritt und informiert“, erklärt die Redakteurin.

Sohn Benjamin wiederum schätzte Karen Schneider, die ihn mit Gummibärchen versorgte – um die Wähler von morgen kann man sich nicht früh genug bemühen.

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