"Bin völlig meiner Meinung": Beikircher prüft die Rheinlandtauglichkeit

"Bin völlig meiner Meinung" : Beikircher prüft die Rheinlandtauglichkeit

"Warum ist es im Rheinland schöner als anderswo?" Der diese Frage am Samstag in der Aula des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums stellte, war Konrad Beikircher. Auf Einladung des Kulturforums Bornheim gab der Kabarettist vor vollem Haus sein Programm.

Aufgewachsen ist Beikircher in Südtirol, 1965 zum Studium der Musikwissenschaften und Psychologie nach Bonn gekommen und damit "50 Jahre im rheinischen Universum", wie er sagte. Was ihn wohl zu einem Kenner desselben macht.

Häufig erhalte man auf die eingangs gestellte Frage die Antwort, das liege an der Köln-Bonner-Bucht, so der 69-Jährige. Der entscheidende Faktor sei aber ein anderer: "Wir haben mehr Hillije als woanders!" Denn mehr Heilige bedeuten gleichzeitig auch mehr Reliquien und auch "mehr Kirmesse", meint der engagierte Kabarettist. Das beste Beispiel ist für den Wahl-Bad Godesberger Pützchens Markt, der eigentlich im Gedenken an das Wirken der heiligen Adelheidis entstanden ist.

Wie ein Schutzschild wirken die zahlreichen Reliquien, die es im Rheinland gibt, da ist Beikircher sich sicher. Und für jede Reliquie hat er eine Theorie, wie sie in ihre Kirche oder ihr Kloster gekommen ist. Etwa die "Jesus-Sandalen", die Jesus sich in der Wüste abstreifte und die dann alleine immer weiter liefen, bis sie in Prüm in der Eifel angekommen waren.

Wer nicht lacht, bekommt ein Ticket nach Bielefeld

Dass 1400 Kirchen ein Marienkleid als Reliquie haben, erklärt er sich mit dem vollen Kleiderschrank der Gottesmutter. Und der Mariengürtel ist ihr garantiert bei ihrer Himmelfahrt heruntergerutscht. Das Wesen des Rheinländers analysiert Beikircher mit spöttisch-liebevollem Blick. Was den rheinischen Humor ausmacht? "Der Rheinländer kann über alltägliche Dinge lachen", meint er. Sein Schlüsselerlebnis sei eine Karnevalssitzung in Bonn gewesen, bei der der ganze Saal das Karnevalslied "Em Winter, da schneit et, em Winter is et kalt" mitsang. "Dass es im Winter kalt ist, ist doch das Normalste von der Welt", meint Beikircher: Der rheinische Humor sei so "wunderbar absurd".

Sein konstruktiver Vorschlag für Zuzügler in die hiesige Gegend: Eine Kommission mit Karnevals-CDs im Gepäck solle vorher zu ihnen fliegen und ihre "Rheinlandtauglichkeit" überprüfen. Kann der Umzugswillige über die ihm vorgespielten Lieder dann lachen, kriegt er sich womöglich gar nicht mehr ein: "Dann herzlich willkommen. Wenn nicht, kriegt er eben ein Ticket nach Bielefeld."

Wie viele der Zuschauer im Humboldt-Gymnasium tatsächlich im Rheinland geboren sind, ist unbekannt. Rheinlandtauglich waren sie jedoch offensichtlich alle. Denn die Karnevalslieder sang der ganze Saal mit.

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