Die Kandidaten im Wahlkreis 98: Arnd Kuhn (Bündnis 90/Grüne) setzt auf Windkraft

Die Kandidaten im Wahlkreis 98 : Arnd Kuhn (Bündnis 90/Grüne) setzt auf Windkraft

Der Klimawandel ist sein Thema: Der 55-Jährige Arnd Kuhn kandidiert bereits zum zweiten Mal für den Bundestag. "Politik heißt für mich, Vorsorge zu treffen. Man muss gegen den Klimawandel arbeiten", sagt Kuhn.

Wenn Arnd Kuhn genug hat von Photorezeptoren, Bundesparteitag der Grünen und Pflanzenwissenschaften, dann setzt er sich in sein Segelboot und sticht in See. Vor zwei Wochen war er noch mit seiner Frau im Ionischen Meer vor Griechenland unterwegs. "An Bord vergesse ich ganz schnell den Rest der Welt."

Und wenn der promovierte Physiker, seit fast 30 Jahren im Forschungszentrum Jülich tätig, genug Urlaubstage angespart hat, macht er auch mal größere Touren, die "sonst wohl nicht so viele machen": Von Neuseeland zur Antarktis zum Beispiel. Auch rund um Spitzbergen ist er schon gesegelt, um den Polartag mit seinem Lichtspiel, Eisbären und die Natur zu erleben. "Einmal saß ein Albatros direkt neben mir - das sind Bilder, die einem keiner mehr nehmen kann."

In den nächsten Wochen werden allerdings vor allem seine Parteikollegen und Wähler neben dem Bundestagskandidaten für die Grünen sitzen. Der 55-Jährige kandidiert bereits zum zweiten Mal für den Bundestag. Sein wichtigstes Thema: der Klimawandel. "Politik heißt für mich, Vorsorge zu treffen. Man muss gegen den Klimawandel arbeiten. Mein Ziel wäre nicht mehr als zwei Grad plus - ich rechne allerdings eher damit, dass es vier bis fünf Grad werden. Dann geht es auch darum, sich auf die katastrophalen Zustände einzustellen, die der Klimawandel mit sich bringt."

Seit 2004 ist Kuhn Delegierter des Bundesparteitags der Grünen für den Rhein-Sieg-Kreis: "Ich habe zum letzten Bundestagsprogramm über 30 Anträge gestellt."

Beim Thema Energiewende ist der Wissenschaftler in seinem Element. "Mit Windkraft erhalten wir die meiste Energie pro Fläche." Bornheim sei vorbildlich in Sachen Windkraft. "Ich wäre dafür, dass sich die Bürger an den Windrädern beteiligen können." Generell müsse man den Bürger mehr mitnehmen. Auch Biogasanlagen empfiehlt der Forscher, der im Bereich Bioenergie aktiv ist. "Allerdings machen die nur Sinn, wenn man mehr biologische Abfälle dafür verwendet statt etwa Mais, der Monokulturen entstehen lässt."

Der Methan-Verlust von Biogasanlagen werde oft als zu hoch angeprangert, sie machten klimatechnisch so wenig Sinn, laute ein häufiger Vorwurf von Kritikern. "Die Anlagen müssen natürlich dicht sein", sagt Kuhn dazu. Weitere Themen, die ihm wichtig sind, seien eine artgerechte statt Massentierhaltung und die Unterstützung von energetischen Sanierungen sowie generell eine nachhaltige Landwirtschaft. "Ich bin für die regionale und jahreszeitengerechte Vermarktung mit kurzen Wegen für eine deutlich geringere Umweltbelastung."

Nach dem Physikstudium in Aachen entdeckte Kuhn sein Interesse an biologischen Themen und promovierte zum Thema "Waldschadensforschung" an der Uni Hamburg. Seit 15 Jahren lebt der in Erkelenz aufgewachsene Kuhn nun in der Stadt Bornheim, die für seine Frau und ihn die "goldene Mitte" zwischen Jülich und der Stelle seiner Frau in Bonn darstellt.

In Bornheim ging er das erste Mal zu einem Stammtisch der Grünen - seitdem ist er Parteimitglied, seit 2004 Ratsmitglied der Grünen in Bornheim. Inzwischen ist er auch in den Landesarbeitsgemeinschaften der Grünen "Wald, Landwirtschaft und ländlicher Raum" sowie "Energie und Verbraucherschutz" aktiv, bis 2012 war er zwei Jahre lang Kreisvorsitzender der Grünen.

Fünf Fragen

Welche drei Dinge haben Sie immer im Kühlschrank?
Arnd Kuhn: Joghurt, Käse, Kölsch.

Welches Buch liegt bei Ihnen gerade auf dem Nachttisch?
Kuhn: Soeben ausgelesen: "Der Hundertjährige, der aus dem Fester stieg und verschwand" von Jonas Jonasson. Ich habe selten so oft beim Lesen gelacht.

Was war Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Kuhn: Physik. Die Zusammenhänge bei den Naturkräften haben mich schon immer interessiert und fasziniert.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Kuhn: Mit Nachhilfe in Mathematik und Physik, damals für fünf Mark pro Stunde. Später in den Semesterferien habe ich unter Tage im Steinkohlebergbau gearbeitet.

Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Kuhn: Im Januar in Göttingen beim letzten Konzert der Göttinger Musikgruppe "Ganz Schön Feist".