Bürgergespräch zum geplanten Flüchtlingsheim in Dersdorf: Anwohner sorgen sich um Sicherheit

Bürgergespräch zum geplanten Flüchtlingsheim in Dersdorf : Anwohner sorgen sich um Sicherheit

Rund 200 Bürger hatten sich am Montagabend in der Dersdorfer Pfarrkirche Sankt Albertus Magnus versammelt, um sich über das geplante Flüchtlingsheim im Ort zu informieren. Ebenso dringlich schien jedoch das Bedürfnis der Anwesenden, ihrem Ärger und ihren Ängsten Luft zu machen.

Äußerungen zu den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln, als es unter anderem zu sexuellen Übergriffen auf Frauen und zu Diebstählen gekommen war, hatten die Atmosphäre schon zu Beginn aufgeheizt. Daher hatte der Beigeordnete Markus Schnapka zunächst die schwierige Aufgabe, die Menge zur Disziplin zu rufen.

"Es ist keine einfache Situation, unsere Kultur wird auf die Probe gestellt", räumte Schnapka ein, bevor er die Pläne für die Wohnanlage, die an der Dersdorfer Spitzwegstraße entstehen wird, darlegte. Auf einem 2600 Quadratmeter großen Grundstück sollen in zwei Wohnblöcken zu je 22 Containern insgesamt 64 Flüchtlinge untergebracht werden. Pro Wohnblock gibt es vier Sanitärcontainer und zwei Küchen. In den Zimmern werden zwei bis drei Personen Platz finden. Parkplätze für Helfer sind ebenfalls auf dem Areal vorgesehen. Ab Februar soll mit der Herrichtung des Grundstückes begonnen werden, der Bezug ist für Ende Februar geplant.

Weil der Standort Spitzwegstraße in Dersdorf auf große Kritik gestoßen war, ging Schnapka auch darauf ein, warum die Alternativgrundstücke am Hohlenberg, in der Nähe der Grünewaldstraße auf Höhe der Hausnummer 28 und Karnapsweg nicht ausgewählt wurden. Während beim Standort am Hohlenberg eine erforderliche Rodung und der Artenschutz zum Ausschluss führten, kam das Grundstück in der Nähe der Grünewaldstraße aufgrund seiner Größe nicht infrage: Die Aussicht auf Genehmigung der Bezirksregierung stehe schlecht, so Schnapka.

Schnapka: "Asyl ist ein Grundrecht"

Die Fläche am Karnapsweg wiederum sei zu schmal für die Anlage. Kritisiert wurde unter anderem, dass die geplanten Unterkünfte an der Spitzwegstraße und am Breniger Rubens- beziehungsweise Meuserweg nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen werden. "Wir sind nicht mehr in der Position, den idealen Standort zu suchen", verteidigte Schnapka die Entscheidung. Große Sorge bereitet den Anwohnern die Sicherheit. Fragen wie "Wenn in der Anlage zum großen Teil Männer untergebracht werden, soll ich meine Frau dann wegsperren?" wurden gestellt. "Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen, diese Menschen unterzubringen.

"Asyl ist ein Grundrecht", argumentierte Schnapka. Zum Einwand, ob die Verantwortung gegenüber der Bornheimer Bevölkerung nicht größer sei, sagte er, dass man dies nicht gegeneinander aufrechnen könne. Wachdienst und Nachtstreife seien im Stadtgebiet in den letzten Tagen erhöht worden, berichtete Schnapka. Auch für die Anlage in Dersdorf sei neben der Betreuung durch Sozialarbeiter und Hausmeister eine Polizeipräsenz vorgesehen.

Trotz aller Kritik riefen anwesende ehrenamtliche Flüchtlingshelfer dazu auf, auf die Menschen zuzugehen. "Integration ist das beste Mittel, um Konflikte zu vermeiden." Dersdorfs Ortsvorsteher Ewald Keils mahnte: "Wir sollten die Menschen nicht wie 64 Flüchtlinge, sondern wie 64 Nachbarn aufnehmen."