Sommer im Vorgebirge: Am Herseler Werth lässt es sich bei Hitze gut aushalten

Sommer im Vorgebirge : Am Herseler Werth lässt es sich bei Hitze gut aushalten

Bei der anhaltenden Hitze lässt es sich zwischen Rheinufer und Herseler Werth besonders gut aushalten. Der General-Anzeiger hat dort unter anderem Angler Aniskin, Jetski-Fahrer Nick Jonas und Familie Kronhardt aus Troisdorf getroffen.

„Wir überlegen gerade, wo es schöner ist: An den Seen in Friesland oder hier am Herseler Werth“, sagt das Paar aus Alfter, das erst einen Tag zuvor von seinem Urlaub in den Niederlanden zurückgekehrt ist, wo man behauptet, mehr Wörter für Wasser als für Brot zu haben. Ihr Segelboot in Holland haben die beiden nun gegen ihre Fahrräder getauscht und sind für den Moment die einzigen, die an diesem Sonntag einen schattigen Platz am Ufer gesucht haben, um von erhöhter Position den Blick auf den Rhein, das Herseler Werth und das bunte Treiben davor zu haben.

Immer noch gilt bei vielen der meist ruhige Strandabschnitt in Hersel mit der Möglichkeit, dort auch Boote über eine Slipanlage kostenlos ins Wasser zu lassen, als ein Geheimtipp. Sven Flohr, der mit seiner viereinhalbjährigen Tochter Maya „mal kurz zur Abkühlung“ hier ist, nennt es sein „Naherholungsgebiet“. Schließlich wohnt er nur wenige Hundert Meter entfernt in der ehemaligen Germania-Brauerei. Während seine Frau mit ihren Pferden unterwegs ist, genießen Vater und Tochter die Ruhe.

So auch der am Vormittag noch einsame Angler, der sich als „Aniskin“ vorstellt. „Wir nennen uns alle nur beim Spitznamen.“ So sei er unter den anderen, die beispielsweise „Professor“ oder „Barbist“ heißen, weil sie entweder immer alles besser wissen oder nur Barben fangen, derjenige, der seine Köder mit ein wenig Aniswodka tränkt, von dem er glaubt, dass die Fische ihn genauso gerne mögen wie er. Dennoch dauert es immerhin knapp zwei Stunden, bis eine ungeliebte und nur wenige Zentimeter messende Grundel anbeißt. Explosionsartig habe sich die Grundel im Rhein vermehrt, schimpft er.

Tatsächlich machen die Grundeln laut der Oberen Fischereibehörde in Düsseldorf inzwischen bis zu 60 Prozent des Fangs bei Rheinanglern aus. Aufgrund ihrer geringen Größe beträgt ihr Anteil an der gesamten Fischbiomasse im Rhein jedoch nur etwa vier Prozent. Am schwersten wiegen die heimischen Arten wie etwa die Barbe mit 37 Prozent, der Aland mit rund 20 Prozent und die Brasse (17 Prozent), von der Aniskin vor zwei Tagen noch ein 40-Zentimeter-Exemplar erwischt hat. Auf ähnliches Anglerglück hofft er jetzt, denn am Abend wird die Familie zum Grillen am Rhein erwartet.

Probesitzen in Papas Kajak

Auch die Kronhardts kommen schon seit der Geburt ihrer Tochter Liana (8) nach Hersel. Sie wohnen in Troisdorf unweit des Rotter Sees. „Aber der ist uns viel zu überlaufen“, sagt Vater Viktor, „normalerweise kommen wir mit Grill hierher, doch heute wird nur gechillt.“ An anderer Stelle lassen gerade Iris und Florian Edlefsen ein Kajak ins Wasser. Bevor Vater Florian das Werth in einer knappen Stunde umrunden wird, dürfen Lennard (6) und Luisa (2) im wackeligen Boot probesitzen. Edlefsen ist eines der rund 65 Mitglieder des Herseler Wassersport-Vereins (HWV) und kennt sich mit den Gefahren auf dem Rhein aus.

Wer das Paddeln ebenso lernen möchte, könne jederzeit gerne beim Verein vorbeikommen. Mit der sachkundigen Anleitung des vereinseigenen Trainers mache das Ganze enorm viel Spaß, und Gäste seien immer willkommen. Einfach eine Mail an info@herseler-wassersportverein.de schreiben und erfahren, wann ein guter Zeitpunkt ist.

Nicht von jedem geliebt sind die Jetskis, die gerne auch am Herseler Werth ins Wasser gelassen werden. Der 21-jährige Landschaftsgärtner Nick Jonas aus Wesseling konnte sich vor einem Jahr den Traum vom eigenen Renner erfüllen. Mit 230 PS kann sein dreisitziges Geschoss bis zu 120 Kilometer pro Stunde erreichen. Auf dem Wasser eine schier unglaubliche Geschwindigkeit, die leider auch nicht ohne entsprechendes Geräusch erreicht wird. Allerdings braucht das Gefährt dann auch an die 70 Liter Sprit pro Stunde, wenn es nicht im „Eco-Mode“ betrieben wird. Zusammen mit Nils und Laura wird Nick das Rheinufer bis nach Köln an sich „vorbeifliegen“ lassen.

In gleicher Richtung, nur nicht ganz so rasant will Valeri Chapran aus Rheinbach mit seiner Frau und Freund Andreas Bayer unterwegs sein. Sie bauen gerade ihr Schlauchboot auf. „Und das Schönste ist, wenn wir den Motor ausmachen, um uns abwärts treiben zu lassen“, sagt Chapran. Nur so könne man die Natur genießen. Das haben auch Jennifer Brathe und Jacek Mruszczak aus Roisdorf erkannt, die im Sinne des Humoristen Loriot glauben, dass ein Leben ohne Möpse zwar möglich, aber sinnlos sei. Mit ihren beiden Hunden Gizmo und Emma genießen sie das kühle Nass.

Das gilt ebenso für die Herseler Familie Bilinski, die zusammen mit ihrem vierjährigen Sohn Julian noch einmal die Ruhe am Werth genießen will, bevor es für sie nach Mallorca geht.

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