Ehrenamt in Bornheim: 69-Jähriger fährt Senioren durch das Vorgebirge

Ehrenamt in Bornheim : 69-Jähriger fährt Senioren durch das Vorgebirge

Der Bornheimer Günther Hayenga unterhält mit seinem Verein „Sternschnuppe Herzenswunsch“ einen Fahrdienst im Vorbirge und kümmert sich um schwerst kranke Kinder. Seit 2006 fährt der 69-Jährige Senioren zu Ärzten und zum Friseur.

Günther Hayenga hat einen eng getakteten Tagesablauf. Seit 2016 fährt der 69-Jährige Senioren zu Ärzten, Physiotherapeuten oder auch zum Friseur. Sein Engagement für den Verein „Sternschnuppe Herzenswunsch“ im Vorgebirge ist rein ehrenamtlich und davon bestimmt, dass ältere Menschen möglichst lange ihre Eigenständigkeit behalten. Oder, wie Hayenga, es ausdrückt: „Wir möchten eine weitere Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander fördern und dazu beitragen, einen ansonsten erforderlichen Pflegeheim-Aufenthalt zu vermeiden.“ Dazu gehört es, falls Bedarf besteht, auch eine Unterstützung im Haushalt zu organisieren.

Zwischen 70 und 90 Jahre alt sind die 70 Senioren aus Merten und dem sonstigen Vorgebirge, die das kostenlose Angebot des Abhol- und Bringdienstes nutzen. Und: „Wir haben noch Luft nach oben.“ Hayenga, gebürtiger Ostfriese, der 1970 nach Rösberg zog, ist vieles. Ausgebildeter Matrose, Mess- und Regeltechniker und so etwas wie ein „ bunter Hund“, da er jahrzehntelang bei den unterschiedlichsten Festen als DJ für die Musik gesorgt und fünf Jahre lang eine Kneipe in Rösberg besessen hat. Vor allem aber gilt er als Initiator des 2005 gegründeten Vereins, dessen Ziel es damals vorrangig war, Wünsche schwerst und unheilbar kranker Kinder und Jugendlicher zu erfüllen.

Tod seines Sohnes Mario gab den Anstoß

Dies hat einen durch und durch persönlichen Hintergrund. Denn 2001 starb sein erst 30-jähriger Sohn Mario an einer Krebserkrankung. Noch kurz zuvor realisierten dessen Freunde einen Besuch von Markus Pröll, dem Torwart von Marios Lieblingsverein 1. FC Köln. Dies war der Herzenswunsch des Todkranken.

„Da machte es bei mir klick. Für mich war es ein Schlüsselerlebnis, dass man Hilfe geben kann, ohne dass es viel kostet“, fasst es Hayenga in Worte. Es war daher selbstverständlich, dass er nach dem Tod seines Sohnes bei seinen Verpflichtungen als DJ zu Spenden für die Kinderkrebsklinik Sankt Augustin aufrief. Rund 35 000 Euro flossen zwischen 2001 und 2005 in die Herzenswünsche der jungen Patienten. „Nur leider weiß ich nicht, was verschenkt wurde. Denn ich habe nie Bilder gesehen“, kritisiert Hayenga. Die fehlende Kommunikation mit dem Eltern-Förderverein an der Klinik animierte ihn schließlich auch zu einem eigenen Verein.

Mit Norbert Schmitz, bis heute der Vorsitzende, Christel Keulen, Günter Engels, Mario Lambertz, Wolfgang Ernst und Frank Zündorf fanden sich Freunde und Bekannte, die das Projekt mittrugen. Von Anfang an finanziert sich der Verein über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Und Geldmittel flossen von Vereinen, sozialen Einrichtungen, Institutionen und Firmen aus der Region reichhaltig. „Einmal schrieb uns ein 15-jähriger Junge, dass er gerne beim Formel-1-Rennen in Spa dabei sein würde. Wir haben das organisiert, aber leider konnte der Patient aus gesundheitlichen Gründen nicht hinfahren. Dafür schickten ihm Michael Schumacher, Nico Rosberg und Mercedes-Chef Norbert Haug eigenhändig signierte Bilder. Über die hat er sich sehr gefreut“, sagt Hayenga, der selbst den Posten des stellvertretenden Vereinschefs innehat.

Rund 100 Mitglieder zählte „Sternschnuppe Herzenswunsch“ in seiner Hochzeit 2011, heute sind es noch 32. Ab 2012/2013 kamen immer weniger Anfragen – für den Verein Grund genug, sein Betätigungsfeld zu erweitern. In einer Satzungsänderung 2016 wurde deshalb die Seniorenhilfe aufgenommen. Da der Vorsitzende Norbert Schmitz in Weilerswist wohnt, kümmerte sich die Seniorenhilfe zu Beginn auch um ältere Menschen im Kreis Euskirchen.

Sechs bis sieben Stunden ist Hayenga täglich im Einsatz, manchmal drängeln sich die Termine. Das geht nicht ohne Organisationstalent. „Mir macht es großen Spaß. Als ich in Rente ging, hatte ich Angst, vor dem Fernseher zu verblöden. Deshalb bin ich froh über diese Tätigkeit.“

Vor seinem Haus am Theisenkreuzweg steht ein schwarzer Mercedes Sprinter mit sieben Sitzen, die häufig komplett besetzt sind. Während seines Urlaubs übernimmt eine Vertretung den Fahrtendienst. „Denn unsere Kunden haben ihre Termine.“

Wer die Hilfe und Unterstützung des Vereins „Sternschnuppe Herzenswunsch“ in Anspruch nehmen möchte, kann sich an Günther Hayenga unter 01 57/50 41 28 26 wenden.

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