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Vorgebirge: Alle Hilfsangebote bei Corona auf einen Blick

Hilfe bei Corona : Alle Hilfsangebote im Vorgebirge auf einen Blick

Sie sorgen für Überblick: Ein Swisttaler und eine Bonnerin entwerfen Websites, um Unterstützung während Corona-Krise im Linksrheinischen zu bündeln.

Senioren, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Quarantäne-Patienten: Für viele macht das Coronavirus ganz alltägliche Dinge schwer wie Einkaufen, mit dem Hund Gassi gehen oder mal eben etwas bei der Post abgeben. Doch mit den Herausforderungen wächst auch die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. In den sozialen Medien, auf Flugzetteln und persönlich haben viele Einzelpersonen und Organisationen im Linksrheinischen in den vergangenen Wochen ihre Hilfe angeboten. Um diese vielen Angebote zu bündeln, sind ein Swisttaler und eine Bonnerin aktiv geworden.

Die Internetplattform Volunteefy wollte ihrem Gründer Maurice Dücker zufolge ursprünglich auf einfachem Weg Menschen, die sich engagieren wollen, mit gemeinnützigen Organisationen vernetzen. Seit das Coronavirus sich immer weiter ausbreitet, hat das Team den Fokus aber geändert: Nun vermittelt die Plattform in Bonn und dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis Hilfesuchende an Helfer.

Hilfegesuch veröffentlichen und Kontakt aufnehmen

Wer zum Beispiel jemanden sucht, der für sie oder ihn einkaufen geht, kann auf www.volunteefy.com ein Hilfegesuch veröffentlichen. Potenzielle Helfer können dann direkt über die Plattform Kontakt aufnehmen. Im Vergleich zu ähnlichen Plattformen sei Volunteefy „extrem einfach“, sagt Dücker. „Was mir bei den anderen gefehlt hat, ist der persönliche Bezug“, ergänzt er. Auf Volunteefy lege man ein Profil mit Foto und ungefährem Standort an, ohne zu viele Daten preiszugeben, verspricht der Gründer. „Wir wollen es einfach und persönlich halten.“

Ob man online auch ältere Leute erreicht, also die, die im Moment am meisten Hilfe brauchen? „Meine Oma sagt nein“, erzählt der 23-Jährige. Um das Problem zu lösen, bietet das Team auf der Website einen Aushang zum Herunterladen und Ausdrucken an, den man ganz analog in Supermärkten und Co. aufhängen kann. Außerdem sei er mit Organisationen wie der Arbeiterwohlfahrt Swisttal in Kontakt, um eine Lösung zu finden. Um die Plattform bekannter zu machen, verteilt er parallel dazu Flugblätter.

Die Idee für Volunteefy hatte Dücker im Auslandssemester in Santiago in Chile. Als der damalige Student der Wirtschaftswissenschaften dort nach Möglichkeiten suchte, sich sozial zu engagieren, wurde er schwer fündig, erzählt er. Zu Hause in Swisttal-Heimerzheim stieß er auf dasselbe Problem: Es habe keine Plattform gegeben, „die es extrem einfach macht, regional Ehrenamt zu finden“, sagt Dücker.

Masterstudium in Rotterdam

„Ich war schon immer sehr passioniert, etwas zu kreieren, das die Gesellschaft weiterbringt“, erzählt der 23-Jährige über sich. In seinem zweiten Studienjahr habe er an einer App mitgearbeitet. Ihr Ziel: altes Brot von Bäckereien an Brauereien zu vermitteln, damit diese die überschüssigen Backwaren für ihr Bier verwenden können. Nicht umsonst studiert Dücker mittlerweile im Master Innovationsmanagement an der Uni Rotterdam – ein Studiengang, in dem man lernt, wie Organisationen sich kreativer und innovativer aufstellen können.

Inspiration schöpfte er sicherlich auch aus seinem Privatleben. Sein Bruder sitze wegen spinaler Muskelatrophie, einer Nervenkrankheit, im Rollstuhl. „Er ist total fit, aber laufen kann er nicht“, erklärt der Heimerzheimer. „Ich habe immer den Drang gehabt, auszuhelfen, etwas zurückzugeben.“ Also beschloss er Ende 2018, die Lücke zwischen Helfern und Hilfsorganisationen selbst zu schließen. Zunächst startete er ganz simpel mit einem Entwurf der Website auf der Blog-Plattform Wordpress. Damit bewarb er sich beim Gründerstipendium des Landes NRW – mit Erfolg.

Projekt hat konkretere Züge angenommen

Hilfe erhält Drücker auch vom Gründungsnetzwerk Digital Hub Bonn, das digitale Start-up-Unternehmen berät und fördert. Seitdem habe das Projekt konkretere Züge angenommen, sagt er. Neben Dücker besteht das Team aus Caroline Mülheims (Marketing) und Hendrik Scholz („Meister für alles“). Online ging die Website Volunteefy im Januar. Vor etwa einer Woche folgte die Umwidmung zur Corona-Hilfe-Seite.

Unter dem Motto „Zusammenhalt in stürmischen Zeiten“ hat die Bonnerin Angie Radtke eine Webseite für ehrenamtliche Hilfen und Infos in der Corona-Krise für Witterschlick und Volmershoven-Heidgen erstellt. Vor knapp einer Woche ist sie mit www.witterschlick.info online gegangen. Dort können Einzelhändler, Vereine und Einzelpersonen ab sofort Hilfsangebote und Tipps kostenlos einstellen.

Für beide Dorfgemeinschaften einsetzen

Radtke, die im zu Bonn gehörenden Teil der Witterschlicker Allee wohnt, hat zu den Nachbardörfern im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis eine enge emotionale Beziehung. So kauft sie in Witterschlicker Geschäften ein, eine ihrer beiden Töchter war jahrelang im Fußballclub SC Volmershoven-Heidgen 1921 aktiv – die Nähe zu beiden Dörfern ist für Radtke daher der Grund, sich nun für beide Dorfgemeinschaften einzusetzen.

Mit ihrer Seite will Radtke in der aktuell schwierigen Phase den Einwohnern beider Alfterer Ortsteile eine Plattform für lokale Informationen sowie die Möglichkeit zum Austausch und konkrete Hilfsangebote bieten. „Corona stellt jeden Einzelnen und unsere Gemeinschaft vor eine große Herausforderung. Als Webdesignerin habe ich mich gefragt, wie ich in diesen aufgewühlten Zeiten helfen kann. Seiten erstellen ist das, was ich beherrsche“, erläutert die 50-Jährige. Als gelernte Krankenschwester weiß sie, was solch eine Virus-Ausbreitung bedeutet und dass die Menschen durch die gravierende Veränderung ihres Alltags ausgesprochen verunsichert sind.

Resonanz bisher dürftig

Die Internetseite bündelt allgemeine Informationen zum Virus, zum Krankheitsbild und zu den neuesten Fallzahlen des Robert-Koch-Instituts mit Infos zu lokalen Aktionen. Wie sieht es mit den tagesaktuellen Öffnungszeiten der Einzelhändler aus? Hat jemand Tipps, was man mit unausgelasteten Kindern tun kann? Wer kann einkaufen oder mit dem Hund Gassi gehen? Zu solchen und ähnlichen Problemen können Angebote auf die Seite gestellt und somit Nutzern das Auffinden von Hilfen erleichtert werden.

Mit Akribie hat Radtke die Gestaltung ihrer Seite vorbereitet, im Vorfeld Einzelhändler, Ortsausschüsse und Vereine angerufen und angeschrieben – die Resonanz war bisher eher dürftig. „Ich bin schon ein wenig frustriert. Aber vielleicht bin ich auch nur zu ungeduldig“, stellt die Webdesignerin fest.

Viele Ideen für ihre Seite

Sie hat viele Ideen, was auf ihrer Seite stehen könnte. So könnten Erzieher Tipps zur Beschäftigung von Kindergartenkindern geben, ein Nähzirkel könnte Behelfs-Mundschutz herstellen – eine Anleitung steht jetzt auf unter witterschlick.info – Jugendliche Online-Spiele dort veröffentlichen.

Bisher hat Radtke alle eingestellten Informationstexte selbst geschrieben, daher wünscht sie sich Helfer, die sie im redaktionellen Bereich unterstützen können. „Denn Texte selber zu schreiben und die eingereichten Informationen presserechtlich zu prüfen kostet Zeit. Und ich bin voll berufstätig“, so Radtke.

Wer seine Hilfe anbieten, Informationen über sein Geschäft veröffentlichen oder eine gute Idee bekannt machen möchte, kann sich an Angie Radtke per E-Mail an a.radtke@derauftritt.de oder unter (0228) 64 20 467 wenden. „Gemeinsam schaffen wir so ein Infoportal für alle Menschen in Volmershoven-Heidgen und Witterschlick“, zeigt sich die Initiatorin ausgesprochen zuversichtlich.