NRW-Landtagswahl: „Viele junge Leute sind politikverdrossen“

NRW-Landtagswahl : „Viele junge Leute sind politikverdrossen“

Bei einer Diskussion in der Alfterer Alanus Hochschule stellen sich die NRW-Landtagskandidaten den Studenten. Dabei geht es um Wohnungsknappheit, Hochschulfinanzierung und mehr.

Geopolitik, Hochschulfinanzierung, Wohnungsknappheit: Bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend auf dem Campus II der Alfterer Alanus Hochschule erläuterten die NRW-Landtagskandidaten von CDU, SPD, FDP, der Linken, Bündnis 90/Die Grünen und AfD ihre politischen Programme und stellten sich den Fragen von Studenten.

Initiiert hatte die Debatte Debbie Reiner, Studentin der Philosophie, Kunst und Gesellschaft im zweiten Semester, die „das Gefühl hatte, dass junge Leute politikverdrossen sind und dass wir da etwas tun müssen“. Auslöser war ein Erlebnis in Köln im Dezember, „als ich bei einer politischen Diskussion war, gegen die die Antifa und die Linke demonstriert haben, sodass sie abgesagt wurde. Da war ich ziemlich enttäuscht. Deshalb habe ich selber eine organisiert“, erklärte die 21-Jährige.

„Ich fand die Idee großartig. Alle Parteien gleichzeitig an einem Ort zu haben, ist eine Chance, brennende Fragen zur Diskussion zu stellen“, sagte Moderator Sascha Liebermann, seit 2013 Soziologie-Professor in Alfter.

Dass sich die junge Generation für politische Fragen interessiert, zeigte nicht nur der voll besetzte Seminarraum, sondern auch die Eingangsfrage, in der es um Möglichkeiten des politischen Engagements junger Leute ging. Einig waren sich Oliver Krauß (CDU-Direktkandidat Rhein-Sieg-Kreis III), Angela Freimuth (FDP-Landtagsabgeordnete), Folke große Deters (SPD-Direktkandidat für den Rhein-Sieg-Kreis III), Michael Aggelidis (Die Linke, Landtagsabgeordneter), Rolf Beu (Bündnis 90/Die Grünen, Landtagsabgeordneter) und Roger Beckamp (AfD, Fraktionsvorsitzender Kölner Stadtrat), dass politischer Einsatz generell sehr wichtig sei. „Wobei Parteien versuchen, die verschiedenen Interessen zu bündeln“, so große Deters.

„Der Abend war sehr informativ“

Aggelidis betonte, dass „die Welt in einem verheerenden Zustand ist und man sich fragen muss, ob man sich in einer Bürgerbewegung oder einer politischen Partei engagieren soll“. Beckamp sprach sich für die direkte Demokratie aus, denn viele Fragen sollten vom Bürger beantwortet werden. Kontrovers ging es beim Punkt staatliche und private Hochschulen und deren Finanzierung zu. Gegen Studiengebühren sprachen sich Krauß, Beu und Aggelidis aus.

Damit die Qualität der Hochschulen sich aber verbessern könne, befürwortete Freimuth die Zahlung eines zwischen Hochschule und Studenten vereinbarten Betrages, den die Studierenden bei Berufsbeginn zurückzahlen sollen. Große Deters dagegen forderte die staatliche Unterstützung auch privater Hochschulen.

Dass besonders Studenten und Flüchtlinge von der Wohnungsknappheit in Bonn betroffen sind, dem stimmten alle Politiker zu. Vielfacher Tenor war deshalb die Förderung des sozialen Wohnungsbaus. Bei der Fragerunde nahm ein Student besonders Beckamp mit dessen Twitter-Äußerung zur Kölner Silvester-Nacht 2016/17 ins Visier. „Da haben Sie Nafris geschrieben. Das ist diskriminierend, da Sie diesen Begriff auf das Aussehen bezogen haben“, meinte er. Beckamp verteidigte seine Formulierung als Begriff der Polizei, welche mit „Nafri“ intern Nordafrikaner oder „nordafrikanische Intensivtäter“ bezeichnet. „Diese Doppelbedeutung ist die Strategie der AfD“, kritisierte große Deters.

Gegen Diskriminierung, für kostenlose Bildung und fairen Lohn (große Deters), gegen Filz und Korruption im Landtag (Beckamp), für eine Reichen-Besteuerung und einen Ausstieg aus der Braunkohle (Aggelidis), für ein freiheitlich-tolerantes NRW (Beu) sowie für eine bessere Verkehrsinfrastruktur und eine bessere personelle und technische Ausstattung der Polizei (Krauß) wollen sich die Kandidaten nach ihrer Wahl einsetzen.

Studentin Paulina Riebe (18) weiß zwar noch nicht, wen sie wählen wird, „aber der Abend war sehr informativ“.