Kunst für klein und groß: Sommerferienprojekt im Alanus Werkhaus in Alfter

Kunst für klein und groß : Sommerferienprojekt im Alanus Werkhaus in Alfter

Eine Woche lang experimentieren Erwachsene, Kinder und Jugendliche beim Alanus Werkhaus in Alfter mit der Kunst. Die Bandbreite reicht vom Zeichnen bis zu Graffitis.

Traditionell gehören einige Ateliers der Alfterer Alanus Hochschule in der ersten Sommerferienwoche den Teilnehmern der Kurse des Alanus Werkhauses – ein staatlich anerkanntes Bildungswerk. Während sich in den Sommer- und Kinderateliers die Acht- bis Elfjährigen mit Imke Burghammer „Auf die Spur der Farben“ begeben, lässt ihr Mann Tobias Koch die bis zu 17-jährigen Jugendlichen „Einfach mal machen“. Und Stefanie Gather, die bewährte Organisatorin der sogenannten „Summertime“, ist zudem eine anleitende Hand im Hintergrund der „Offenen Atelierzeit“, in der Erwachsene auf dem Johannishof (Campus I) frei arbeiten können.

„Mein Ziel ist, dass ich eher unsichtbar bin“, erklärt Gather ihr Tun. Sie führe zu Beginn eine „leise Regie“ beim Kennenlernen der Teilnehmer, spürte jedoch schnell, dass die meist künstlerisch Aktiven mit ihren eigenen Projekten oder Ideen lediglich Raum und Ruhe suchten, um zu dem zu kommen, was ihnen im Familien- oder Arbeitsalltag kaum mehr gelingt. So, wie die Dozenten Burghammer und Koch als Familie mit ihren Söhnen Karl (16) und Kolja (18) gemeinsam die Kurse leiten, sind auch einige der Teilnehmer als Familie oder Einzelpersonen mit ihren Kindern angereist.

Raum für Ideen haben

Designerin Sabine Gerstenberger aus Bad Homburg ist über ihren Mann auf den Johannishof aufmerksam geworden, der das dortige Gästehaus beruflich als Boardinghaus nutzte. Das Kursbuch des Werkhauses habe sie auf die Idee gebracht, sich mit ihrem Sohn Lennart (12) eine Woche lang eine Auszeit „fernab von allem“ zu geben. Sie scheint es nicht bereut zu haben. Während Lennart im Jugendatelier über zunächst fotografisch erstellte Selfies den künstlerischen Prozess hin zu einem erkennbaren Graffiti seiner selbst erfährt, sitzt seine Mutter in einem der Ateliers und genießt es, sich für einige Tage der digitalen Welt ihrer Agentur zu entziehen und wieder analog arbeiten zu können.

Sie möchte eine Woche lang in die Sagen- und Märchenwelt eintauchen und hat sich dabei zunächst experimentell mit einer japanischen Allegorie beschäftigt, die sie bereits mit einer mit rotem Faden durchstochenen Goldfolie bildhaft umgesetzt hat. Mit schwarz-weißen Tuschezeichnungen widmet sie sich nun auf illustrative Weise den skurrilen Geschichten, die in Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“, einem Klassiker der Kinderliteratur, passieren.

„Es ist hier etwas, das ich mir gönne“, sagt ihre Ateliernachbarin, die ebenfalls mit ihrem Sohn angereist ist. Daheim in Köln fehle ihr einfach der Platz zum freien Arbeiten. Während sie im vergangenen Jahr noch täglich nach Hause gefahren sei, hat sie sich nun für das Bleiben auf dem Vorgebirgshang entschieden und scheint es nicht bereut zu haben, in der Nähe zum Wohnort „doch so weit entfernt zu sein“.

Abstand vom Alltag bekommen

So geht es auch der Hamburger Familie von Christoph Raffelt. Aus dem Rheinland stammend, haben sie für eine Woche ein Appartement in Witterschlick angemietet. „Ich genieße es, morgens vollkommen frei von allem in die Landschaft zu gehen und mir ein Motiv für meine Zeichnungen zu suchen“, sagt er.

Seine Frau beschäftigt sich währenddessen eher forschend mit einem sie schon lange beschäftigenden Werk der Näherin Agnes Richter (1844-1918). Diese hatte als Psychiatrie-Patientin ihre Anstaltsjacke aus grobem, grauen Leinen mit nur von innen lesbaren Texten in farbigem Garn bestickt. Eine Ausnahme bilden lediglich die Ärmel, auf denen auch außen eine Schrift erkennbar ist. Die Kunstwissenschaftlerin hat in der Auseinandersetzung mit der Jacke aus der Sammlung Prinzhorn, eine Einrichtung des Universitätsklinikums Heidelberg, den Satz „sich mit den eigenen Worten berühren“ für sich gefunden und setzt ihn nun in einer Installation um.

Einen ganz anderen Ansatz haben da die Mädchen und Jungen in ihren Ateliers. „Was ich in der normalen Grundschule selten erlebe“, sagt Dozentin Burghammer, sei in der Werkhauswoche eher die Regel: „Die Kinder gehen total unbefangen an die Arbeit.“ In der Schule müsse man sie anhalten, Farben zu benutzen, und immer wieder höre man den Satz, sie könnten dies und das nicht. Das sei in den Ferienkursen völlig anders. „Wenn man sie hier abends fragt, was war am schönsten?, dann sagen sie: alles.“

Der nächste einwöchige Ferienkursus ist vom 14. bis 18. Oktober täglich von 10 bis 16 Uhr unter dem Motto „Apfel, Apfel“ geplant. Mehr unter: www.werkhaus.alanus.edu.

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