50 Jahre später: So begann in Alfter die kommunale Neuordnung

50 Jahre später : So begann in Alfter die kommunale Neuordnung

Der ehemalige Verwaltungsleiter Engelbert Szkwortz, der 1963 als Praktikant im Amt Duisdorf seine Laufbahn begann, berichtet über die ersten Jahre der Gemeinde Alfter nach der kommunalen Neugliederung 1969.

Er muss es wissen, schließlich ist der 72-jährige Engelbert Szkwortz nicht mehr und nicht weniger als ein Mann der ersten Stunde, der die kommunale Neugliederung und die Entstehung der Großgemeinde Alfter 1969 Schritt für Schritt begleitet hat. Damals, als sich nicht nur die Kfz-Kennzeichen, Adressen, Straßennamen und Kreiszugehörigkeit änderten. 48 Jahre hat er im öffentlichen Dienst verbracht, seit er 1963 als Praktikant im Amt Duisdorf anfing und 2011 als Stellvertreter des Bürgermeisters und ranghöchster Beamter und Verwaltungsleiter der Gemeinde Alfter aufhörte.

Auf Einladung der Volkshochschule (VHS) Bornheim/Alfter warf er unter dem Titel „Von BN jetzt zu SU“ einen Blick zurück – diverse Anekdoten inklusive. Ein Thema, das offensichtlich interessiert. Mehr als 50 Zuhörer und Zeitzeugen waren zu dem Vortrag im Oedekovener Rathaus gekommen, das vor 50 Jahren noch gar nicht existierte.

Der 1. August 1969 markierte den Tag, an dem die damals selbstständigen Gemeinden Alfter, Oedekoven, Witterschlick, Gielsdorf und Impekoven in der heutigen Gemeinde Alfter aufgingen. Diese gehörten bis dahin zum Amtsbezirk Duisdorf. Grundlage der Veränderung war das „Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn“ (Bonn-Gesetz) vom 10. Juni 1969. Dem Gesetz vorausgegangen waren bereits erste Ideen Anfang der 60er Jahre, den Bonner Raum neu zu gliedern. Und damit verbunden regte sich schnell Widerstand.

Witterschlick wollte lieber zur Gemeinde Hardtbergstadt

Frühere Zeitungsberichte belegen beispielsweise, dass Witterschlick so gar keine Ambitionen zeigte, zukünftig in der Großgemeinde Alfter aufzugehen oder zu Bonn zu gehören. „Witterschlick strebte eine Zugehörigkeit zur Gemeinde Hardtbergstadt an“, berichtete Szkwortz. „Dafür wurden Gemeinden wie Röttgen und Lessenich als Verräter bezeichnet, da sie zukünftig zu Bonn gehören wollten“, gibt er das Stimmungsbild wider. Und es blieb turbulent: Drei Tage vor dem Inkrafttreten des „Bonn-Gesetzes“ am 28. Juni 1969 wurde dieses kurzfristig vom Verfassungsgerichtshof ausgesetzt. Die von Arbeitsgruppen in den Ämtern und Gemeinden geleisteten Vorarbeiten waren damit erst einmal nicht gefragt.

Doch bereits einen Monat später hob das Gericht die Aussetzung des Gesetzes zum 1. August 1969 wieder auf. Und so schlugen am 31. Juli 1969 die letzten Stunden des Amtes Duisdorf. Szkwortz und seine Kollegen verließen gegen 18 Uhr letztmalig das Duisdorfer Rathaus. „Wir waren gerade aus dem Gebäude raus, als erste Gewitterblitze niederschlugen. Diese empfanden wir als böses Omen.“ Allen Vorzeichen zum Trotz wurde die Neuordnung realisiert. Auch die bis dahin zum Amt Duisdorf gehörende Gemeinde Witterschlick fand sich in der neu formierten Großgemeinde Alfter wieder und hieß ab sofort – trotz vorab noch eingereichter Klage – Alfter-Witterschlick.

Da die gesamte Duisdorfer Verwaltungsstruktur von Bonn übernommen wurde, stand die neu formierte Gemeinde Alfter ohne Infrastruktur da. Nicht nur ein Rathaus fehlte. Es gab weder ein Jugendamt noch eine Bauaufsicht und weitere dringend benötigte Behördeneinrichtungen. So kam es, dass die vorhandenen kommunalen Mitarbeiter für fünf Jahre in zwei vom aufgelösten Amt Duisdorf zur Verfügung gestellten Baracken einziehen mussten.

Unterbringung in Baracken

Szkwortz: „Im Sommer war es in diesen Baracken unerträglich heiß. Und da wir keine Sitzungsräume hatten, fanden diese in den Gaststätten der einzelnen Ortschaften statt. Da haben wir schnell gemerkt, dass ein Rathaus die DNA einer Gemeinde ist.“

Als durchaus ansprechend stellte sich die Baracken-Nachbarschaft heraus: In den behelfsmäßigen Bauten war nämlich ebenfalls die Reiterstaffel der Polizei untergebracht. Eines Tages streckte ein Pferd neugierig seinen Kopf durchs offene Fenster des Büros. Eine klare Vorlage für die Mitarbeiter, die „Oh, ein Amtsschimmel“, riefen.

Doch nicht nur deswegen war klar: Es muss ein eigenes Rathaus für die rund 17 000 Einwohner starke Kommune her. Nach langen Diskussionen entschied sich der Rat für den Bau eines Rathauses auf der grünen Wiese in Oedekoven. Zur Verfügung stand ein Budget vom Land NRW, dem Kreis und der Gemeinde Alfter in Höhe von 5,5 Millionen D-Mark. Gebaut wurde nach den Plänen der Bonner Architekten der Planungsgruppe Stieldorf. Der 1975 fertiggestellte Komplex zeichnet sich durch klare Strukturen aus und entstand aus einem Mix aus Beton, Glas und schwarzem Holz. Engelbert Szkwortz ist stolz auf die Entwicklung „seiner“ Gemeinde Alfter. „Die Raumordnung war eine gelungene Sache“, lautete sein Resümee.

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