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Alfterer Architekt stellt Konzept zur Neugestaltung vor: "Raus mit den Bussen"

Alfterer Architekt stellt Konzept zur Neugestaltung vor : "Raus mit den Bussen"

Raus mit dem Bus und verbesserte Parkmöglichkeiten, maßvolle Neubebauung und eine flexible Nutzung der Festwiese - mit einer eigenen Variante hat Architekt Helmut Hergarten die vielen Vorschläge für eine Umgestaltung der Alfterer Ortsmitte ergänzt.

Sein Konzept, in das er Wünsche von Gewerbetreibenden und des Ortsausschusses eingearbeitet hat, möchte er gern auch in der Bürgerschaft zur Diskussion stellen. Einen Termin für einen Informationsabend will er mit der Gemeindeverwaltung noch abstimmen. "Es geht mir um ein stimmiges Konzept, das für alle Nutzer funktioniert und zu Alfter passt", sagt der 58-jährige Architekt, der in Alfter aufgewachsen ist und schon als Kind auf dem Herrenwingert gespielt hat. Er wohnt und arbeitet heute nahe zum Ortszentrum im Haus seiner Oma.

Den Anlass für Hergartens Engagement bildete ein erstes Bürgergespräch im Mai, zu dem die Gemeindeverwaltung eingeladen hatte. Hergarten hörte aufmerksam zu und machte sich seine eigenen Gedanken. Dabei hat der Architekt nicht nur Ortskenntnis, Heimatverbundenheit und Fachkenntnisse in sein Konzept einfließen lassen; er hat seine Gestaltungsvorschläge auch umfangreich mit weiteren Akteuren abgestimmt, die sich einen attraktiveren Ortskern wünschen: mit ortsansässigen Gewerbetreibenden, der Arbeitsgruppe "Dorfplatzgestaltung" des Ortsausschusses und mit Kirsten Mohr, der Betreiberin des Edeka-Marktes am Herrenwingert.

"Nach jedem Gespräch hat sich das Konzept weiter entwickelt und ist detaillierter geworden", berichtet Hergarten. Bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung im September hat er sein Konzept bereits den Kommunalpolitkern vorgestellt (der GA berichtete). Es wurde seinem Eindruck nach nicht nur mit Interesse aufgenommen, sondern auch als Bereicherung empfunden.

l Neubau von Turnhalle, Wohnungen und Supermarkt: Ein Kernpunkt seiner Vorschläge: Im Bereich der jetzigen Turnhalle der Annaschule könnten in einem dreigeschossigen Neubau mit nicht-öffentlicher Tiefgarage nicht nur die Turnhalle und die Kita, sondern unten auch ein vergrößerter Edeka-Markt und im Obergeschoss Wohnungen untergebracht werden.

Die Zukunftsfähigkeit des Edeka-Marktes mit derzeit nur 800 Quadratmetern Verkaufsfläche am aktuellen Standort sieht Hergarten langfristig gefährdet, weil dort keine wirkliche Erweiterungsmöglichkeit bestehe. Ein Supermarkt brauche heute jedoch mindestens 1350 Quadratmeter. In den Räumen des jetzigen Marktes könnten dann ein Drogeriemarkt und weitere Shops einziehen.

Parkraum geschickter aufteilen und Lösung für Dauerparker suchen: "Dieser Neubau würde etwas vom bestehenden Parkraum wegnehmen", erläutert Hergarten. Doch geschickter aufgeteilt könnte die Zahl von rund 120 Stellplätzen erhalten bleiben. Längs der Festwiese zum Schloss hin schwebt ihm ein zusätzlicher Parkstreifen mit rund 15 Stellplätzen vor. Für Dauerparker sollte seiner Meinung nach eine Lösung außerhalb des Herrenwingert gefunden werden.

Die Busumfahrung ist Hergarten wie vielen anderen Bürgern und Politikern ebenfalls ein Dorn im Auge: "Sie nimmt zu viel Platz ein und muss weg." Hergarten denkt an eine Buswendeschleife ähnlich der, wie sie vor dem Rathaus in Oedekoven besteht. In Alfter könnte sie dort angelegt werden, wo jetzt die Busendhaltestelle ist und der Busfahrer parkt, um seine Pausenzeiten vor der nächsten Fahrt zu verbringen. Die Fahrt rund um den Parkplatz könnte dann entfallen.

Multifunktionale Nutzung für Festwiese und Parkplatz: Für Festwiese und Parkplatz stellt sich Hergarten eine dreistufige, multifunktionale Nutzung vor. Stufe 1: Festwiese bleibt Festwiese. Sie darf in Sonderfällen zum Parken freigegeben werden. Stufe 2: Für Brauchtumsveranstaltungen wie der Kirmes beispielsweise werden die Festwiese und die anschließende Hälfte des Parkplatzes genutzt. Stufe 3: Die Parkflächen vor dem Ärzte- und Geschäftshaus bleiben immer öffentlich zugänglich.

Dort wünscht sich auch Hergarten mehr Aufenthaltsqualität durch eine ansprechende Grünzone.

So geht es weiter: Nach umfassender Diskussion und Beteiligung von Politik und Bürgerschaft, Gewerbetreibenden und Ortsvereinen ist jetzt die Gemeindeverwaltung am Zug: Auf Basis der Vorschläge soll die Gemeindeverwaltung planerische Vorschläge erarbeiten und den Kommunalpolitikern zur Beratung vorlegen. In Fachforen soll dann die Bürgerschaft an der weiteren Meinungsbildung umfassend beteiligt werden.

Auf dieses Vorgehen verständigte sich der Ausschuss für Gemeindeentwicklung bei seiner jüngsten Sitzung im September. Mehrheitlich bis einstimmig einigten sich die Kommunalpolitiker auf eine Vielzahl von Entwicklungszielen und Leitsätzen. Sie sollen bei den weiteren Planungsüberlegungen für eine Umgestaltung der Ortsmitte berücksichtigt werden. Dazu zählen unter anderem: möglichst flächendeckende Barrierefreiheit und grüne Freiräume; gerne ein Drogeriemarkt, aber Verzicht auf eine öffentliche Tiefgarage; Erhalt der bestehenden Spielflächen für Kinder und angemessene Schaffung von neuem Wohnraum.