Abbau von Quarzkies: Quarzwerke Witterschlick feiern 50-jähriges Jubiläum

Abbau von Quarzkies : Quarzwerke Witterschlick feiern 50-jähriges Jubiläum

Mit einem Tag der offenen Tür feiern die Quarzwerke Witterschlick ihr Betriebsjubiläum. Vor 50 Jahren begann der Abbau von hochreinem weißen Quarzkies und Quarzsand an der Schmalen Allee.

Der See sieht so wunderbar türkis und klar aus, dass man direkt hineinspringen möchte. Nicola Lindemann-Berk kann davor nur warnen. In dem bis 40 Meter tiefen Gewässer gebe es sehr kalte Unterwasserströmungen, von denen eine Unfallgefahr ausgehe, sagt die Diplom-Ingenieurin. Allerdings hat der 23 Hektar große See ihren Ausführungen nach Trinkwasserqualität, obgleich er ein aktiver Tagebau ist. Im Jahr 1969, also vor 50 Jahren, begann der Abbau von hochreinem weißen Quarzkies und Quarzsand an der Schmalen Allee in Witterschlick. Damals wurden die Quarzwerke Witterschlick mit einer 50-prozentigen Beteiligung durch die Servais-Werke gegründet. 1973 und 1976 erwarben die Servais-Werke die restlichen Anteile.

Nachzulesen ist das in einem der vielen Bände des Lokalhistorikers Klaus Trenkle. Später gingen die Quarzwerke an ein Unternehmen, das dann aber 2002 Insolvenz anmelden musste. Nach einem mehrjährigen Insolvenzverfahren übernahm 2008 die Quarzwerke GmbH aus Frechen das Ruder, das Witterschlicker Werk wurde ein Tochterunternehmen. Mit einem laut Geschäftsführerin Lindemann-Berk besonderen Abbaugebiet. Aufgrund der Beschaffenheit der Rohstoffe sei es einzigartig in NRW. Verwendung finden Witterschlicker Sand und Kies etwa in der Filtertechnik zur Trinkwasseraufbereitung, in Baustoffen, im Garten- und Landschaftsbau, bei der Herstellung von Kunstrasenplätzen oder auch für Beachvolleyballfelder und Sandkästen. "Wir haben rund 300 Kunden und decken den regionalen Bedarf", erläutert Lindemann-Berk.

Bis zu 40 Meter tief ist der See auf dem Betriebsgelände der Quarzwerke Witterschlick. Foto: Christoph Meurer

25 Mitarbeiter sorgen dafür. Die abgegraben Rohstoffe werden gewaschen, klassifiziert, gesiebt, gegebenenfalls feuergetrocknet und verpackt, um dann verkauft zu werden.Zurück zum See, der im Lauf der Jahrzehnte durch den Abbau entstanden ist. Von einem Schiff aus fährt ein Greifarm zum Abbaggern hinunter in die Tiefe. Weitere Abbauflächen befinden sich - überwasser - daran angrenzend. Die vor einigen Jahren von den zuständigen Behörden genehmigte Süderweiterung umfasst 15 Hektar. Der aktuelle Rahmenbetriebsplan für das gesamte Werk läuft laut Lindemann-Berk noch bis 2060.

Aus der Insolvenz habe man 2008 einen ziemlich maroden Betrieb übernommen, berichtet sie weiter: "Es gab einen großen Instandhaltungsstau." Zu ihren größten Baustellen gehörten indes die Aufforstungen an der schmalsten Stelle des Kottenforstes. Diese Vorgabe besteht seit geraumer Zeit und war mit einer im Jahr 2000 genehmigten Norderweiterung verbunden. Für die Süderweiterung habe man bereits auf 28 Hektar neue Bäume gepflanzt, so Lindemann-Berk. In der Tat wird das Werk mit seinen nicht zu übersehenden Auswirkungen auf Flora und Fauna von Bürgern und Interessengruppen - etwa dem Landschaftsschutzverein Kottenforst (LSK) - mitunter kritisch begleitet. Auch befahren viele Lkw die Schmale Allee.

Historisches Bild: Die Luftaufnahme zeigt die Quarzwerke Anfang der 70er Jahre. Am oberen Bildrand sind Witterschlick, Impekoven und Oedekoven zu erkennen. Foto: Christoph Meurer

2014 hatten die Quarzwerke zusammen mit den beiden örtlichen Tonabbauunternehmen Sibelco und Braun die Kosten für die Straßensanierung übernommen - zwei Drittel zahlten die Quarzwerke."Wir wollen mehr informieren, was wir machen", sagt die Geschäftsführerin auch mit Blick auf den Tag der offenen Tür zum 50-jährigen Jubiläum am Samstag. Es sei überdies wichtig, mit den Umweltverbänden im Gespräch zu bleiben. Die Natur spielt nach Angaben von Lindemann-Berk eine nicht geringe Rolle im Witterschlicker Quarzwerk.

So gebe es etwa eine ökologische Betriebsbegleitung. Experten berieten das Unternehmen, wie man mit den auf dem Gelände vorkommenden Arten richtig umzugehen habe, sagt sie weiter. Auch würden Mitarbeiter geschult. So fänden sich etwa Springfrösche, Wechselkröten oder Eulen auf dem Gelände. Bei letztgenannten Tieren seien Mitarbeiter gar schon zu Rettern geworden, so Lindemann-Berk, nämlich als sie aus dem Nest gefallene Küken wieder dorthin gebracht hätten.

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