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Flüchtlinge in Alfter: Nachdenken über einen Sozialarbeiter

Flüchtlinge in Alfter : Nachdenken über einen Sozialarbeiter

Beim Einleben in fremder Umgebung erhalten Flüchtlinge in der Gemeinde Alfter vielfältige Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer. Doch mit Blick auf die steigenden Zuweisungen wächst inzwischen der Wunsch nach zusätzlicher Hilfestellung durch professionelle Sozialarbeit.

Die Gemeindeverwaltung soll deshalb prüfen, was das kosten würde oder ob eventuell eine Kooperation mit Bornheim möglich ist. Die Nachbarstadt hat in Kooperation mit dem Caritasverband Rhein-Sieg eine Stelle für Flüchtlingssozialarbeit geschaffen, die mit Hannah Kaufhold besetzt wurde (der GA berichtete).

Den Vorschlag äußerte CDU-Ratsfrau Brigitte Schächter in ihrer Eigenschaft als Mitglied des Arbeitskreises für Ausländerfragen und Integration. Er beriet jetzt gemeinsam mit dem Ausschuss für Bildung, Generationen, Sport, Soziales, Inklusion und Kultur über die aktuelle Situation der Asylbewerber in der Gemeinde Alfter.

Luise Wiechert (CDU) griff die Anregung als Mitglied im Sozialausschuss auf und bat die Verwaltung möglichst schon zur kommenden Ratssitzung am Donnerstag, 25. Juni, einen Kostenvoranschlag für sozialarbeiterische Beschäftigung zu ermitteln. Dann könne der Gemeinderat, der dann ohnehin über den Doppelhaushalt 2015/16 berät, eventuell bereits eine Entscheidung treffen. "Uns läuft sonst die Zeit davon", sagte Wiechert.

"Es ist dringend notwendig, dass jemand dazukommt", unterstrich auch Rhimo El Nali, Mitglied des Arbeitskreises für Ausländerfragen und Integration. Sie betreut ehrenamtlich mehrere Asylbewerber in der Gemeinde Alfter und erlebt, dass sie ohne Hilfestellung nicht klar-kommen. Ehrenamtlich sei dies allerdings kaum noch zu schaffen.

Über den aktuellen Stand der Zuweisungen und die Unterbringung von Flüchtlingen in Alfter informierte bei der Sitzung Markus Jüris, Leiter des dafür zuständigen Fachgebietes Sozialwesen bei der Gemeindeverwaltung. Danach betreut die Kommune zurzeit 132 Flüchtlinge und Asylbewerber.

Sie stammen aus etwa 25 verschiedenen Ländern. Besonders stark sind Menschen aus Serbien und Syrien, dem Irak und aus Georgien vertreten. Für ihre Unterbringung stehen zwei gemeindeeigene Häuser sowie zwölf angemietete Häuser und Wohnungen zur Verfügung. Sie reichen jedoch nicht aus und sind teils überbelegt. Mit Blick auf fortlaufend neue Zuweisungen von Asylbewerbern wird deshalb in Kürze eine zentrale Unterkunft auf der Wiese hinter dem Rathaus an der Alfterer Straße in Oedekoven gebaut.

Bis dahin ist die Verteilung der Asylsuchenden auf die Unterkünfte "ein Puzzlespiel", wie Jüris sagte. "Einige Personen müssen immer wieder umziehen, damit Nationalitäten und Sympathien zusammenpassen." Zeitweise sei leider nicht zu verhindern, dass sich vier Einzelpersonen ein Zimmer teilen müssten, doch man sei bemüht, die beengte Wohnsituation möglichst rasch wieder zu entschärfen.

100 bis 150 Menschen zusätzlich

Nach der Fertigstellung der neuen Unterkunft in Oedekoven, in der 60 Personen Platz finden werden, wolle man auch Familien mehr Platz geben. Wie viele Zufluchtsuchende die Kommune in diesem Jahr noch aufnehmen muss, ist nicht bekannt. Bislang rechnet die Gemeinde jedoch damit, dass im laufenden Jahr 100 bis 150 Menschen zusätzlich untergebracht werden müssen. Ende 2014 war die Gemeinde für knapp hundert Asylsuchende zuständig.

Zur weiteren Integration von Asylbewerbern hat der Arbeitskreis für Ausländerfragen und Integration ein "Café International" in der Hauptschule Oedekoven ins Leben gerufen. Jeden vierten Freitag im Monat findet dieser Treffpunkt, 16 bis 18 Uhr, in der Sporthalle statt, bei dem Flüchtlinge und Bürger in Kontakt kommen können. "Dabei können wir mehr über die Asylbewerber erfahren, und wie wir ihnen helfen können", erläuterte bei der Sitzung im Rathaus Taybe Özcan, Vorsitzende des Arbeitskreises.

Das "Café International" wird auch in den Sommerferien veranstaltet. Der nächste Termin ist am 26. Juni. Danach lädt die Moscheegemeinde in Witterschlick Asylbewerber unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit zum Fastenbrechen nach Einbruch der Dunkelheit, also ab etwa 21.30 Uhr, in die Moschee an der Raiffeisenstraße 25 ein.