Radverkehr in der Region: "Mit dem Rad bin ich direkt am Ziel"

Radverkehr in der Region : "Mit dem Rad bin ich direkt am Ziel"

In unserem Gespräch am Wochenende spricht Hans Peter Müller vom ADFC Alfter über sichere Radwege, den Pedelec-Trend und die noch laufende Tour de France.

Warum finden Sie Radrennen so spannend?

Hans Peter Müller: Ich finde es faszinierend, wie die Sportler selbst bei hohen Temperaturen – und bei denen gibt es bei der Tour de France kein Limit nach oben – auf Tempo fahren können und dabei noch große Steigungen überwinden.

Seit Jahren gib es im Radrennsport viele Dopingskandale. Wirkt sich das auf die Fangemeinde aus?

Müller: Ich glaube, dass die meisten Fans das Problem mit dem Doping verdrängen und davon ausgehen, dass ihre Idole „sauber“ sind. Dieses Rennen schauen sich in diesem Jahr besonders gerne die Deutschen an, da mit Emanuel Buchmann ein deutscher Sportler in der Spitzengruppe mitfährt.

Warum fahren Sie so gerne Rad?

Müller: Mit diesem Sport tue ich etwas für meine Gesundheit und zugleich etwas für die Umwelt. Meine Frau Susanne Bahn und ich haben vor sieben Jahren bereits unser zweites Auto verkauft, da wir fast alles mit dem Fahrrad erledigen. In der Bonner Innenstadt bin ich mit dem Rad fast genauso schnell wie mit dem Auto, bin direkt am Ziel und spare obendrein noch die Parkgebühren. Außer der praktischen Nutzung im Alltag sind meine Frau und ich allerdings eher Genussradler.

Dazu gehören sichere Verkehrswege. Welche Strecken in der Region empfehlen Sie?

Müller: Sichere Touren gibt es zum Beispiel über das Meßdorfer Feld zum Bonner Marktplatz oder von Alfter entlang der K 12 n durch den Grünzug Bonn zur Mondorfer Fähre. Bei beiden Strecken gibt es Radwege, oder man benutzt Nebenwege. Im linksrheinischen Rhein-Sieg Kreis kann man verhältnismäßig gut von A nach B kommen, wenn man die Wirtschaftswege als Radwege nutzt. Daher ist die Situation für Radfahrer in der Region gar nicht mal so schlecht. Ein Problem ist allerdings die häufige Verunreinigung der Wirtschaftswege besonders während der Erntezeit, da sich nicht alle Landwirte für deren Säuberung verantwortlich fühlen.

Und wo ist es Ihrer Meinung nach besonders unsicher?

Müller: Gefährliche Strecken sind zum Beispiel die Hauptstraße in Witterschlick und die L 113 (Alfterer Straße) zwischen Oedekoven und Alfter-Ort. Daher empfehlen wir für eine Tour zum Witterschlicker Haus Kessenich den kleinen Umweg über Impekoven, Gut Ramelshoven, vorbei an der Moschee bis nach Witterschlick. Bei der Alfterer Straße soll spätestens 2020 mit der Straßensanierung samt Fahrradweg begonnen werden. Allerdings ist der Fahrradweg in der bisherigen Planung als nicht empfehlenswert und sicher ausgewiesen, da er mehrmals die Straßenseite wechselt. Da müsste das Konzept verbessert werden.

Welche Strecken fahre Sie am liebsten?

Müller: Ich persönlich fahre gerne auf dem Alfterer Bergrücken Richtung Brenig oder Kottenforst entlang. Dort ist der Weg ausgezeichnet und das Panorama beeindruckend. Meine Lieblingsstrecke ist entlang der K 12 n nach Hersel. Dorthin fahren wir mal eben zum Kaffeetrinken oder Pizzaessen. Vom ADFC aus bieten meine Frau und ich übrigens vier Mal im Jahr sogenannte Mittwochs-Touren an. Der nächste Termin ist für den 7. August, ab 15 Uhr vom Beethovenstift in Bornheim zum Caféhäuschen nach Uedorf geplant. Da kann jeder, der Lust hat, mitfahren.

Wie sieht es denn in Alfter-Ort mit Radwegen aus?

Müller: Da haben wir die Schwierigkeit mit den engen Gassen in der bestehenden Bebauung. Im aktuellen Mobilitätskonzept der Gemeinde Alfter wurde eine Verbesserung der Radwegeinfrastruktur, die wir uns auch als ADFC wünschen, an vielen Stellen mit eingebracht. Diese aber umzusetzen, wird nicht überall einfach werden. Eine Verbesserung für Fahrradfahrer wäre allerdings schon die Öffnung einiger Einbahnstraßen. Das wäre durchaus in Straßen umsetzbar, die nicht so eng sind wie die Lukasgasse.

Auch das Fahrrad ist der Mode unterworfen. Gibt es da einen aktuellen Trend?

Müller: Zu den sogenannten E-Bikes, also Fahrrädern mit Elektro-Unterstützung, gehören Pedelecs und Speed-Pedelecs mit Unterstützung bis zu Geschwindigkeiten von 25 beziehungsweise 45 Stundenkilometern. Die Verkaufszahlen der Pedelecs schießen momentan regelrecht in die Höhe, wobei das Gros der Käufer mit rund 50 Prozent Senioren sind. Allerdings nimmt die Anzahl junger Käufer immer mehr zu. Diese bevorzugen jedoch eher Mountainbikes mit E-Unterstützung.

Hat das herkömmliche Fahrrad ausgedient?

Müller: Auf keinen Fall. Es gibt viele Menschen, die die körperliche Anstrengung weiterhin wollen. Viele dieser überzeugten Radler würden sich nie ein Pedelec zulegen.

Ändern mit Blick auf den Klimawandel mehr Menschen ihr Verhalten und steigen nun auf das Fahrrad um?

Müller: Nach meiner subjektiven Wahrnehmung nicht. Wenn aber die Fahrradinfrastruktur nachhaltig verbessert wird und Fahrradwege, Ampelschaltungen, Umleitungen an Baustellen eingerichtet werden sowie entsprechende Apps die immer aktuelle Informationen liefern, dann wird der Radverkehr wachsen, weil die Leute dann weniger Angst haben, öffentliche Straßen zu benutzen.

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