Karnevalszug in Alfter: „Me sammele alles wie et ös un wie et wohr“

Karnevalszug in Alfter : „Me sammele alles wie et ös un wie et wohr“

Zum ersten Mal mischt der Förderverein „Haus der Alfterer Geschichte“ beim Veilchendienstagszug in Alfter mit. Dabei dachten die Mitglieder zunächst nur an einen genehmigungsfreien Bagagewagen, der die Fußtruppe mit Kamelle und Getränken versorgen sollte.

„Die Kamelle sind klar“, ruft Schatzmeisterin Luise Wiechert Heiner Bollig zu und begutachtet dabei mit kritischem Blick den zur Verfügung stehenden Platz in dem soeben fertiggestellten Karnevalswagen des Fördervereins „Haus der Alfterer Geschichte“.

„Irgendwer kam im vergangenen Sommer auf die Idee, dass man sich anlässlich der anstehenden 950-Jahr-Feier Alfters auch mit einem richtigen Wagen beteiligen könne“, erzählt der stellvertretende Vorsitzende Robin Huth. „Da wollten wir dann unsere Senioren draufsetzen“, sagt Heiner Bollig, der maßgeblich an dem Bau des Wagens unter seinem Dach am Görreshof beteiligt ist.

Sein historischer IHC-Trecker stand bereits bereit, und der dazugehörige fünf Tonnen schwere Hänger, der bisher dem Holztransport diente, konnte zur Basis des Karnevalswagens werden. Das Motto war schnell gefunden: „Wat, nur 950 Johr? Me sammele alles wie et ös un wie et wohr“. Damit konnte der Wagen bei der Zugleitung angemeldet werden. Doch zwischen der Idee zur Teilnahme und der notwendigen technischen Abnahme durch den TÜV sollten noch viele Samstage Arbeit investiert, Grillwürstchen gegessen und Glühweine getrunken werden.

Schließlich beteiligten sich an dem Bau etwa zwei Dutzend der 90 Mitglieder des Geschichtsvereins mit einem Beitrag von 50 Euro und begannen damit, in den kalten Dezembertagen Grobspanplatten, Maurerbohlen, Vollholzbalken und Unmengen von Dachlatten einzukaufen und zu verbauen. Nach und nach nahm das sechs Meter lange Gefährt Gestalt an, und die Bautruppe wuchs zusammen.

Als Hans Günter Steinkemper dann das Logo des „Hauses der Alfterer Geschichte“ – des Heimatmuseums im ehemaligen katholischen Jugendheim am Hertersplatz – auf die gelb angemalte Seitenwand des Zugwagens projizierte, war es bereits nicht mehr vorstellbar, jemals nicht am Zoch teilgenommen zu haben.

Für Heiner Bollig geht es nach etwa 20 Jahren wieder „back to the roots“, zurück zu den Wurzeln, wie er sagt. Damals begleitete er für das Deutsche Rote Kreuz die Alfterer Züge. Aus dieser Zeit sind ihm auch noch Unfälle präsent, die nun dafür sorgen, dass der Wagen des Fördervereins von mindestens vier Wagenengeln begleitet wird.

Auch wenn er nach der ersten Anprobe der Vereinskostüme aussieht wie ein Engel, besteht Berthold Engelmann mit seiner blonden Langhaarperücke darauf, Loreley zu sein. So, wie seine Frau Angela sich lieber als Heinzelmännchen sieht. Ursprünglich waren ihre braunen und gelben Filzkittel und Kappen über weißem Rock oder Hemd als historisches Kostüm der Alfterer Bauern von vor 950 Jahren gedacht, doch wie so vieles im Karneval, muss auch die Kleiderordnung nicht so ernstgenommen werden.

Überhaupt gewinnt der Beobachter den Eindruck, dass hier alle mit viel „Spass an d'r Freud“ zugange sind. Und das bestätigt auch Robin Huth, der als Historiker vor etwa zehn Jahren nach Alfter kam. „Die Karnevalsaktion verschafft vielen Beteiligten wieder ein schönes Dorfzugehörigkeitsgefühl“, sagt er. Doch für nur einen Karnevalstag sei der Bau des Wagens viel zu schade. Aber vielleicht kann man das Gefährt ja auch an dem ein oder anderen Festtag einsetzen.

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