Ferienaktion in Oedekoven: Marius Cremer ist Kinderbürgermeister in Oedekoven

Ferienaktion in Oedekoven : Marius Cremer ist Kinderbürgermeister in Oedekoven

Der 14-jährige Schüler aus Kessenich überzeugt die Bürger des Hüttendorfes mit „etwas anderen“ Wahlversprechen und wird zum Oberhaupt gewählt. Sein echter Amtskollege Rolf Schumacher stattet einen Besuch ab.

„Der Wahltag ist ein schrecklicher Tag für einen Bürgermeister.“ Rolf Schumacher, erster Bürger der Gemeinde Alfter, spricht aus Erfahrung. Immerhin hat er das Prozedere schon zweimal mitgemacht. „Der Tag zieht sich ewig hin und man ist total nervös, weil man nicht weiß, wie es ausgeht“, berichtet er.

Ganz so schlimm schien es seinem jungen Amtskollegen Marius Cremer nicht zu ergehen. Als einer von neuen Kandidaten hatte er sich beim 29. Oedekovener Abenteuerspielplatz als Bürgermeisterkandidat aufstellen lassen – und statt nervös zu sein, war er sich seines Sieges ziemlich sicher. Konnte er auch. Mit 74 Stimmen ließ er seine Konkurrenz weit hinter sich. Verwunderlich war das Wahlergebnis angesichts seiner Wahlversprechen nicht.

Denn dabei hatte sich der 14-jährige Schüler aus Kessenich erfinderisch gezeigt. „Die Betreuer sollen beim bunten Abschlussabend gegeneinander tanzen. Außerdem sollen drei Betreuer ausgewählt werden, die dann mit Sahne beworfen werden“, erklärte Cremer. Diesen Spaß wollten sich die „Bürger“, die sich noch bis zum 22. Juli ihr eigenes kleines Dorf aus Holz errichten, natürlich nicht entgehen lassen. Traditionell entwerfen die Kandidaten aus den Reihen der Kinder Wahlplakate und geben Wahlversprechen. So gab es schon Wasserschlachten, Süßigkeiten und 2015 eine von der achtjährigen Bürgermeisterin organisierte „Wetten, dass…“-Show.

Jeweils rund 300 Kinder pro Woche hämmern, sägen und schrauben auf der Wiese Nahe der Oedekovener Dreifachturnhalle täglich mehrere Stunden an ihren Buden und werden dabei von rund 60 Betreuern der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) begleitet. Da soll nach getaner Arbeit natürlich auch das Feiern nicht zu kurz kommen.

Ähnlich wie Rolf Schumacher muss Marius nun dafür sorgen, dass seine Wahlversprechen umgesetzt werden – ansonsten sind mit seinem Amt aber keine Aufgaben verbunden. „Ich habe mich als Kandidat aufstellen lassen, weil ich in diesem Jahr zum letzten Mal als ‚Kind’ dabei sein werde“, berichtet Marius Cremer.

„Nächstes Jahr möchte ich dann als Betreuer mithelfen.“ Mit dieser „Kariere“ ist der neue Bürgermeister nicht alleine, wie die Leiter des Abenteuerspielplatzes Lukas Wolter (22) und Max Pinsdorf (22) zu berichten wissen. „Viele Kinder, die hier ihre Sommerferien verbracht haben, sind später zu Betreuern geworden“, so Wolter, der selbst seit seiner Kindheit dabei ist. „Das ist ein tolles Signal, denn es bedeutet, das sich die Teilnehmer mit dem Angebot identifizieren, sich wohl fühlen und das Abenteuer auch anderen Kinder ermöglichen wollen. Nachwuchssorgen haben wir definitiv nicht.“

Natürlich sollten auch diejenigen nicht leer ausgehen, die bei der Wahl unterlegen waren. Kurzerhand wurden Sophie Eichbaum (10) und Lenya Kaspar (6) zu ersten und zweiten Stellvertreterinnen des Bürgermeisters ernannt.