Madonna gespendet: Marienstatue in Alfter im Schutt gefunden

Madonna gespendet : Marienstatue in Alfter im Schutt gefunden

Pastor Rainald Ollig segnet gespendete Pietà aus dem 11. Jahrhundert bei der Kräuterweihe im Alfterer Jakob-Wahlen-Park. Die Figur lag auf einer illegalen Müllkippe in der Eifel.

Bunte Sträuße mit Kamille und Lavendel trugen die Mitglieder der Gemeinde St. Matthäus Alfter am Sonntag zum Jakob-Wahlen-Park (JWP), um sie im Rahmen der Kräuterweihe von Pastor Rainald Ollig segnen zu lassen. Im Anschluss an die heilige Messe unter freiem Himmel anlässlich des Hochfestes Mariä Himmelfahrt gab es noch eine weitere, besondere Segnung. Nämlich die einer Pietà-Figur, die schätzungsweise aus dem elften Jahrhundert stammt und einst eine Kreuzwegsstation darstellte.

Üblicherweise beschreibt die Pietà die Darstellung der Mutter Gottes mit dem Leichnam ihres Sohnes im Schoß. Ebenso eine Figur steht seit einem Jahr im JWP. Ihre Vergangenheit jedoch ist abenteuerlich.

Die Madonna wurde dem Heimatverein Alfter 2017 anonym gespendet. Der Vorsitzende Georg Melchior erklärte, warum: „Die anonyme Spenderin engagiert sich ehrenamtlich viel im Dorf. Aber meistens bleibt sie zurückhaltend und möchte sich nicht in den Vordergrund drängen“, berichtete er. „Sie erhielt die Pietà vor 25 Jahren von ihrem Vater, der sie beim Wandern fand.

Figur war in einem schlechten Zustand

Damals stieß er auf eine illegale Müllkippe in der Eifel, wo der Mantel der Marienfigur unter dem Bauschutt hervorragte“, führte Melchior fort. Der Finder erkundigte sich, ob er die Statue mitnehmen dürfe. Er durfte und lud sie kurz darauf in sein Auto, da die 60 Zentimeter hohe und 50 Zentimeter breite Sandsteinfigur einiges wog.

Die Figur war damals in einem sehr schlechten Zustand, weshalb der Finder sie restaurieren ließ. Dennoch konnte ein fehlender Arm des Jesus' nicht rekonstruiert werden. „Anhand von Farbresten und dem Stil der Pietà schätzte ein Koblenzer Restaurator, dass die Figur wohl aus dem elften Jahrhundert stammen musste“, klärte der Vereinsvorsitzende auf. „Im Mittelalter galt eine Pietà als trostbringender Zufluchtsort für Gläubige“, sagte Pastor Ollig während der Segnung.

Sie steht nun vom direkten Zugang des Parks ein wenig abgeschirmt und wird „seit ein paar Wochen von einer Webcam überwacht . Zur Sicherheit. Weil wir hier so häufig Vandalismus erleben,“ so Melchior. Dafür wurde extra ein Sockel und ein Plexiglasdach angefertigt.

Eigentlich sollte die Marienstatue zum 950-jährigen Ortsjubiläum Alfters im vergangenen Jahr geweiht werden, da sie ein Gegenstand sei, „der genauso alt ist, wie die Alfterer Burg“, betonte Melchior. Leider passte es zeitlich nicht, sodass dies nun zur Kräutersegnung am Sonntag geschah. Die Pfarrausschussvorsitzende Irene Urff erzählte, dass dieser Brauch vor 20 Jahren in Alfter wiederbelebt wurde. „Wir wollten eine Kirchenaktion starten, die mehr Menschen anspricht.

So manche frische Sträuße blitzten aus den Reihen hervor

Dann kam uns der Gedanke, die Kräuterweihe als Dank für die Schöpfung und zu Ehren Mariens, die in den Himmel aufgenommen wird, wieder aufzugreifen“, sagte Urff. In Alfter ist die Kräuterweihe sehr beliebt. Alle zwei Jahre wird sie im JWP gefeiert. „Weil die Weihe draußen stattfindet, spricht sie junge Familien an. Aber auch ältere Gemeindemitglieder, die den Brauch noch von früher kennen, freuen sich und bringen ihre eigenen Sträuße mit“, so Urff.

Pastor Rainald Ollig bezog sich aber auch auf den übertragenen Sinn der Heilkräuter, um die sich der Gottesdienst drehte: „Menschen in der Gemeinde, die Gutes tun und die Gemeinschaft stärken, sind wie Heilkräuter.“

Aufgrund der derzeitigen Dürre war es für viele schwierig, Pflanzen zu finden, die nicht vertrocknet waren. So manche frische Kräutersträuße blitzten aber doch aus den Reihen hervor.

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