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Interview: Reitlehrerin Ingrid Pinnecke-Arenz: "Man sitzt erschütterungsfrei auf dem Tier"

Interview: Reitlehrerin Ingrid Pinnecke-Arenz : "Man sitzt erschütterungsfrei auf dem Tier"

Am Wochenende treffen sich etwa 130 Gangpferdefreunde aus ganz Deutschland zum 11. Birrekovener Cup-Turnier auf dem Gestüt von Ingrid Pinnecke-Arenz. Das Gestüt samt den Wiesen ringsum wird für drei Tage quasi zum Campingplatz.

Was erwartet die Besucher am Wochenende?

Ingrid Pinnecke-Arenz: Am Samstag Vorentscheidungen und ein Country-Abend mit Western-Reiten und am Sonntag und Montag verschiedene Endausscheidungen.

Was versteht man unter "Tölten"?

Pinnecke-Arenz: Tölten ist eine Gangart im Viertakt, bei der immer ein Bein die Erde berührt. Die Pferde können vom Schritt bis zum Galopptempo tölten.

Ist diese Gangart angeboren oder kann man sie den Tieren antrainieren?

Pinnecke-Arenz: Sie ist bei den Isländern und Aegidienbergern genetisch fixiert. Man kann sie aber auch bei anderen Rassen herausbilden.

Woher kommt eigentlich der Begriff Tölten?

Pinnecke-Arenz: Der Tölt war im Mittelalter eine Reisegangart, die Pferde wurden als Zelter bezeichnet. Mit dem Aufkommen der Kutschen wurde das Reisen auf dem Rücken der Pferde aber unmodern. So wurden vorwiegend Traber gezüchtet.

Was muss der Reiter beachten?

Pinnecke-Arenz: Er sitzt auf dem Pferd wie beim klassischen Dressurreiten, muss aber darauf achten, dass das Pferd den Kopf hochhält und die Hinterhand deutlich untertritt.

Kann jeder Reiter eines Großpferdes auch ein Gangpferd reiten?

Pinnecke-Arenz: Ja, wenn das Pferd ein guter Tölter ist. Es hängt aber natürlich auch vom Gefühl des Reiters ab. Er muss mit dem Zügel und mit Schenkeldruck die Hinterhand heruntertreiben.

Was fasziniert Sie an den Gangpferden?

Pinnecke-Arenz: Schon meine Eltern hatten Isländer. Die konnten im Freien gehalten werden. Regen und Kälte machen denen nichts aus. Die Unterstände benötigen sie im Sommer nur wegen des Schattens. Schon als Kind habe ich gemerkt, wie schön der Tölt für einen Reiter ist. Gangpferde haben einen tollen, freundlichen Charakter. Da sie in der Herde gehalten werden, ist ihr Sozialverhalten auch dem Menschen gegenüber gut. Sie beißen nicht, was bei Großpferden, die in Einzelboxen gehalten werden, schon mal vorkommt.

Wann sind Sie zum ersten Mal geritten?

Pinnecke-Arenz: Mit sechs Jahren. Mich haben als Jugendliche natürlich die Islandpferdebücher von Ursula Bruns fasziniert, die die Basis für die Immenhof-Filme der 50er Jahre waren. Als Kind fand ich die Filme toll. Ursula Bruns lebte ja in Witterschlick und war mit Franz Podlech befreundet, der die Gangpferde hier in der Region populär gemacht hat.

Was ist das Besondere am Tölten?

Pinnecke-Arenz: Man sitzt erschütterungsfrei auf dem Pferd wie auf einem Stuhl. Das Pferd springt ja nicht. Es ist eine fließende Bewegung, die der Wirbelsäule guttut.

Welche Prüfungen müssen die Reiter beim Cup absolvieren?

Pinnecke-Arenz: Es gibt Töltprüfungen sowie Rittigkeits- und Trailprüfungen. Drei Punktrichter vergeben Punkte von null bis zehn für die Ausführung. Auf die Schnelligkeit kommt es weniger an.

Sind Gangpferde schwer zu trainieren?

Pinnecke-Arenz: Das kommt auf das Temperament an. Die meisten Isländer sind liebenswert, vielleicht manchmal etwas stoisch, aber nicht störrisch.

Was gibt es zu gewinnen?

Pinnecke-Arenz: Keine Reichtümer, keine Geldpreise. Es gibt Sachpreise wie etwa eine Trense oder die Teilnahme an einem Kursus.

Woher kommen die 130 Teilnehmer?

Pinnecke-Arenz: Aus der ganzen Republik. Aus Hamburg, Kiel, Nürnberg, Karlsruhe, Münster und natürlich aus der Region.

Wo bringen Sie die alle unter?

Pinnecke-Arenz: Einige schlafen in Hotels in der Umgebung, die meisten übernachten in ihren Wohnwagen hier am Gestüt.

Ihr verstorbener Mann war ein Pionier der Gangpferdezucht in der Region.

Pinnecke-Arenz: Ja, das kann man sagen. Er hat mit Walter Feldmann in Aegidienberg die Rasse Aegidienberger gezüchtet. Das ist eine Mischung aus Paso und Isländer, also ein größeres Gangpferd mit einer Widerristhöhe von 1,45 Meter. Die Rasse hat sich mittlerweile im Sport etabliert. Sie ermöglicht elegantes, angenehmes Reiten. Der Aegidienberger ist warmblütig, abgeklärt und scheut nicht.