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Kiesabbau: LSK will mit aller Macht den Tagebau von Buschhoven fernhalten

Kiesabbau : LSK will mit aller Macht den Tagebau von Buschhoven fernhalten

Früher war alles schön überschaubar. Da gab es ein Kieswerk, das seinen Tagebau erweitern wollte, und es gab einen Ort in der Nachbarschaft, das sich gegen dieses Vorhaben zur Wehr setzte. So war das, als sich vor knapp zehn Jahren in Buschhoven der Landschaftsschutzverein Kottenforst (LSK) gründete, um die Erweiterungspläne der Quarzwerke Witterschlick zu bekämpfen.

Inzwischen hat es der Verein mit einem dichten Geflecht aus planungsrechtlichen Problemen, Gerichtsverfahren und verschiedenen Firmeninteressen zu tun. Dass der LSK-Vorstand zwischen all dem den Überblick behält, zeigte er bei einer Mitgliederversammlung im Buschhovener "Römerkanal".

Zwei Betriebe wollen sich in der Nachbarschaft des Dorfes erweitern: auf der einen Seite die Quarzwerke Witterschlick, auf der anderen die Kieswerke Rheinbach. Letztere wollen ihren Tagebau von Flerzheim aus in Richtung Buschhoven ausdehnen. Im Raum steht nach wie vor eine Fläche von 30 Hektar - ein Vorhaben, das seit Jahren heiß umkämpft ist und sich momentan in einem Schwebezustand befindet.

Mit einer doppelten Strategie will der LSK gegen die Flerzheimer Abbau-Erweiterung vorgehen, gegen die nach den Worten von Vorstandsmitglied Harro Wolde "viele gewichtige Gründe" sprechen - vom Naturschutz bis hin zum historisch bedeutenden Römerkanal, der unter den Feldern liegt.

Teil eins der Strategie: die juristische Ebene. Beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster ist seit zwei Jahren ein vom LSK initiiertes Verfahren anhängig. Damit haben sich die Buschhovener in einen Streit zwischen den Kieswerken Rheinbach und der als Bergbehörde zuständigen Bezirksregierung Arnsberg eingeklinkt. Die Bergbehörde hatte den Kieswerken eine Abbaugenehmigung versagt, weil der Regionalplan der Bezirksregierung aus dem Jahr 2003 an dieser Stelle keine Abgrabungen vorsieht.

Das Verwaltungsgericht Köln hob diesen Bescheid aber auf, so dass sich die Bergbehörde mit dem Anliegen der Kieswerke erneut auseinandersetzen muss. Der LSK will gegen dieses Urteil Berufung einlegen und rief das OVG an. Das hat noch nicht entschieden.

Zugleich hat der Fall Flerzheim eine politische Dimension. Denn die Kölner Verwaltungsrichter stellten fest, dass der Regionalplan von 2003 nicht wasserdicht ist. Demnach hat die Bezirksregierung Köln beim Aufstellen des Plans in Bezug auf den Quarzabbau nicht ausreichend abgewogen.

Heißt: In den Regionalplan sollen nachträglich Flächen für den Quarzabbau aufgenommen werden. Seit Jahren setzen sich Regionalrat und Bezirksregierung in der Frage auseinander, wo solch eine Konzentrationszone ausgewiesen wird.

Der Regionalrat favorisiert Weilerswist-Nord. Genau das befürworten auch Landschaftsschützer wie der LSK, die sich durch entsprechende Gutachten bestärkt fühlen. Die Bezirksregierung Köln unterzieht derzeit alle denkbaren Abbaugebiete in der Region einer gründlichen Prüfung. Wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte, wird der Bericht voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen.

Auf dieser Grundlage könnte der Regionalplan geändert werden. Und das dauert. "Uns ist bewusst, dass die Bergbehörde unter einem gewissen Druck steht und womöglich schon vorher über die Abbaupläne der Kieswerke Rheinbach entscheiden wird", sagt Wolde. Für den LSK ist klar: Kommt es dann zu einer Genehmigung, wird er dagegen klagen. So beschloss es die Mitgliederversammlung.

Teil zwei der LSK-Strategie baut ausgerechnet auf die Quarzwerke Witterschlick. Die sollen für ihre im Jahr 2000 genehmigte, sechs Hektar große Norderweiterung an der schmalsten Stelle des Kottenforstes 18 Hektar Wald aufforsten - womit sie genau ins geplante Flerzheimer Abbaugebiet hineinragen würden. "Dadurch würde sich die Erweiterung für die Kieswerke Rheinbach nicht mehr lohnen", meint Wolde. Verschiedene Behörden hätten kürzlich ebenso wie der LSK noch einmal auf diese Aufforstung gepocht.

Die Quarzwerke Witterschlick haben ihre Fühler mittlerweile auch in Richtung Volmershoven ausgestreckt: Dort wollen sie sich um 20 Hektar erweitern. Unter anderem wegen möglicher Auswirkungen auf den Wasserhaushalt lehnt der LSK diesen Plan ab.